Marcus Tandler

5 Fragen an LinkedIn Europa-Chef Kevin Eyres

LinkedIn gibt ja mittlerweile mehr und mehr Gas in Deutschland. Der lokale Platzhirsch ist zwar noch immer XING, wo gerade in unsere Branche wirklich fast jederzu finden ist, aber LinkedIn holt in der letzten Zeit gut auf (um die 800.000 Deutsche sollen bereits bei LinkedIn aktiv sein). Gerade wenn man auch mehr internationale Kontakte hat, kommt man halt einfach um LinkedIn nicht mehr drumherum. Ich bspl. habe sowohl ein Profil bei XING, also auch bei LinkedIn, was mitunter recht nervig ist, immerhin würde es ja Sinn machen alle Kontakte auf einer einzigen Plattform zu connecten, aber dafür ist LinkedIn halt einfach noch zu klein, und um ehrlich zu sein, finde ich das Design und die Usability von XING noch immer viel besser!

Dennoch lohnt sich mal ein ein näherer Blick auf LinkedIn, und so habe ich dem Europa-Chef Kevin Eyres mal ein paar Fragen gestellt…

XING (bzw. damals noch OpenBC) und LinkedIn sind 2003 ja fast gleichzeitig an den Start gegangen – während LinkedIn mittlerweile das größte Business Netzwerk weltweit ist, konnte XING vor allem im deutschsprachigen Raum punkten. Wie siehst Du die Position von LinkedIn im deutschen Markt? Ist XING überhaupt noch einholbar? Und wie glaubst Du wird sich der Zweikampf von XING und LinkedIn hier in Deutschland weiterentwickeln?

Kevin: LinkedIn ist sowohl weltweit das größte Online-Businessnetzwerk als auch in Europa, wo wir mittlerweile mehr als 15 Millionen Mitglieder verzeichnen und die Zahl stetig wächst. Auch in der deutschsprachigen DACH-Region beschleunigt sich unser Wachstum, vor kurzem haben wir hier die Marke von einer Million Mitglieder geknackt. Wir sind davon überzeugt, dass Networking innerhalb von Unternehmen, der gleichen Branche oder Region noch sehr viel mehr Möglichkeiten eröffnet, wenn es auf globalem Level geschieht. Und das kann nur LinkedIn bieten.

Hinzu kommt, dass wir zunehmend in einer globalisierten Wirtschaft arbeiten. Die daraus entstehenden Lösungsansätze für lokale Herausforderungen können genau so gut von einem Experten auf der anderen Seite der Welt stammen, wie sie gleichermaßen auch von einem Kollegen nebenan kommen können. Fach- und Führungskräften in Deutschland bieten wir ein umgangreiches, stetig wachsendes Netzwerk an Kontakten, mit denen sie in ihrer Muttersprache kommunizieren können. LinkedIn beweist jedoch seine wahre Stärke, wenn es darum geht, mit der ganzen Welt zu kommunizieren und somit den Zugang zu kollektivem Wissen und Erfahrungen eröffnet. Gerade junge Berufstätige starten sehr oft in eine internationale Karriere. Aktuelle Studien von McKinsey haben gezeigt, dass ein Viertel der High Potential-Absolventen im Ausland arbeiten möchte und wir sehen, dass dies ein zunehmender Trend ist.

Dank unseres “Freemium”-Modells können sich Mitgliedern kostenfrei mit ihrem persönlichen Businessnetzwerk in Verbindung setzen und kommunizieren. Im Prinzip ist es ganz einfach, sich schnell und kostenlos ein eigenes Netzwerk aufzubauen und einen echten Mehrwert daraus zu ziehen.

Was gefällt Ihnen persönlich am besten an XING, und wo macht LinkedIn einen besseren Job? Wieso sollte man zusätzlich zu seinem Profil bei XING noch ein Profil bei LinkedIn anlegen?

Kevin: Natürlich sehen wir den essentiellen Nutzen von Kontakten auf lokaler Ebene. Aus diesem Grund haben wir letztes Jahr die deutsche Version von LinkedIn gestartet. Seitdem beobachten wir tolle Zuwachsraten der Mitgliederzahlen und Nutzung von LinkedIn. In der Arbeitswelt werden jedoch zunehmend Grenzen überschritten, daher reicht es längerfristig nicht aus, sich auf die gewohnten Geschäftsbeziehungen zu verlassen.

Ein Netzwerk zu haben, das sowohl die lokalen als auch die weltweiten Kontakte vernetzt, ist eine wesentlich effizientere Variante, um sich Zugang zu aktuellen Informationen und Wissen zu verschaffen und somit effektiver zu arbeiten. Sie bleiben konkurrenzfähig, wenn Sie das Netzwerk für sich nutzen und so das gesamte Wissen und die Erfahrungen von über 65 Millionen Experten weltweit nutzen.

Absolventen zum Beispiel werden sich in den ersten Jahren ihrer Karriere sehr wahrscheinlich darauf konzentrieren, Beziehungen in ihrem unmittelbaren Umfeld sprich im eignen Unternehmen und der Region aufbauen. Im Laufe ihrer Karriere wird ihnen jedoch immer mehr Verantwortung übertragen, was sehr oft mit der Zusammenarbeit mit Kollegen und Geschäftspartnern in anderen Ländern einhergeht. Daher ist es wichtig, sofort zu beginnen anstatt zu warten: Es ist äußerst sinnvoll ein Netzwerk zu haben, das man ausweiten kann und das heute genauso wertvoll ist wie in zwanzig Jahren.

Hinzu kommt die Qualität des LinkedIn Netzwerkes. Unsere Mitglieder sind Geschäftsführer und Manager auf Vorstandsebene, stammen aus den größten Unternehmen der Welt und verfügen über langjährige und wertvolle Erfahrungen. Wer dieses Fachwissen nicht für sich in Anspruch nimmt, der vernachlässigt das große Potenzial und die Vorteile von LinkedIn für den eigenen Berufs- und Karriereweg.

Welche Rolle spielt Recruitung und Tools für Personaler bei LinkedIn?

Kevin: Talent ist der wichtigste Faktor für den Unternehmenserfolg. Insbesondere für Human Resources Experten ist LinkedIn sehr wertvoll, um nach geeignetem und talentiertem Personal zu suchen, es für ihr Unternehmen zu gewinnen und zu fördern. Das Netzwerk verfügt über einen hochwertigen Mitgliederstamm, einen großen Bewerberkreis und spezialisierte Tools, um den passenden Bewerber schnell ausfindig zu machen. Mit LinkedIn Talent Advantage bieten wir Experten aus dem Personalmanagement ein maßgeschneidertes Servicepaket und damit eine kombinierte Lösung im Unterschied zu einem individuellen Premium-Account.

Allein unsere Suchfunktionen sind so mächtig, dass auch Recruiter mit einer kostenfreien Basismitgliedschaft die Vorteile und Möglichkeiten schätzen. Basismitglieder können das Netzwerk anhand von Schlüsselbegriffen, Unternehmen, Positionen, geographischer Lage, Postleitzahl und Wohnort durchsuchen. Zudem können sie Suchprofile einrichten, die nicht nur geeignete Neumitglieder sondern auch kürzlich vorgenommene Profiländerungen bereits bestehender Mitglieder anzeigen.

LinkedIn ist ja eine recht offene Plattform, so bieten Sie umgangreiche APIs an etc. Die US-amerikanische Jobsuchmaschine SimplyHired glänzt mit einer tollen Integration von LinkedIn in deren Suchergebnislisten – gibt es noch andere schöne Beispiele für Integrationen im Jobs Bereich?

Kevin: Unsere APIs sind noch sehr neu, und trotzdem gibt es bereits zahlreiche neue Entwicklungen, so beispielsweise bei Core Jobs, eQuest, Jobvite oder Inter Route. Wir rechnen mit weiteren Entwicklungen in diesem Bereich im Laufe des Jahres.

Was muß ein deutscher Entwickler machen, um LinkedIn in seine Site oder Applikation zu integrieren?

Kevin: Die LinkedIn API ist ein offenes Programm, sodass jeder in wenigen Minuten einen Zugangsschlüssel unter http://developer.linkedin.com erhält. Für einen schnellen und problemlosen Einstieg haben wir außerdem einen umfassenden Support-Bereich, der jederzeit für die Entwickler zur Verfügung steht.

Vielen Dank für das nette Interview Kevin!

Kevin Eyres