Marcus Tandler

5 Tipps für die erfolgreiche Bewerbung in einem Startup-Unternehmen

Startups sind spannend und Startups sind anders. Die Unternehmenskultur in einem Startup unterscheidet sich verglichen mit traditionellen Unternehmen teilweise erheblich, unabhängig von der Branche. Startups stehen für Innovation und Flexibilität – ein Grund, warum große Firmen zunehmend ihre Methoden und Firmenkultur imitieren. Egal, ob man von frisch von der Uni kommt oder bisher nur in klassischen Firmen gearbeitet hat: Wer sich bei einem Startup bewirbt, sollte sich einige Dinge bewusst machen. Recruiting & PR Expertin Magdalena Brämswig vom Berliner Startup Spacebase hat fünf wichtige Tipps zusammengestellt, mit denen man für die Bewerbung und den Einstieg in die Startup-Szene gut gerüstet ist.

1. Duzen vs. Siezen

Duzen ist in der Startup-Branche grundsätzlich der Status quo. Wer diese Konvention nicht kennt, wird eher befremdliche Reaktionen ernten. Ganz anders in der traditionellen Wirtschaft; hier wird es als respektlos empfunden, wenn man den Gesprächspartner gleich mit “Du” anspricht. Doch vorsicht, manchmal gibt es doch Ausnahmen. FinTech-Startups und größere Inkubator-Firmen, die nah an traditionellen Wirtschaftsbereichen arbeiten, halten sich manchmal an klassische Verhaltensvorschriften inklusive der förmlichen Sie-Anrede. Mit einem Anruf bei der für die Bewerbungen zuständigen Stelle (oder einem Blick auf die Website/den Blog des Unternehmens) lässt sich das aber bereits im Vorfeld herausbekommen. Fragt einfach, wie Firmenkultur intern gelebt wird und welche Anrede üblich ist. Grundsätzlich gilt natürlich: sensibel sein und solche Formalien antizipieren. Es kann auch hilfreich sein, einfach die Ohren offen zu halten und zu übernehmen, wie man selber angesprochen wird, damit man bei einer Bewerbung nicht unnötig Sympathien verspielt.

2.Hands-on Mentalität

Startup heißt immer auch Ärmel hochkrempeln und anpacken, egal was ansteht. Bei großen Traditionsunternehmen würden bei vielen Tätigkeiten wahrscheinlich einige Angestellte klagen, dass diese nicht in ihrer Aufgabenbeschreibung stehen oder dass sie dafür nicht studiert hätten. Studiert haben auch viele, die im Startup tätig sind. Aber die Unternehmenskultur ist hier eine andere: Konsens ist, dass Aufgaben auch über konkrete Jobbeschreibungen hinausgehen können – und das kann eine große Chance sein!

Diese Hands-on-Mentalität hat nämlich auch für den Arbeitnehmer einige Vorzüge. Denn wenn sich jeder zumindest ein bisschen für alles verantwortlich fühlt, lernt man viele neue Arbeitsbereiche kennen, die sonst eine andere Abteilung bearbeiten würde. Allrounder können in diesem Umfeld aufblühen und Spezialisten neue Talente und Interessen entdecken Nicht selten führen die Ausflüge in fremde Abteilungen auch dazu, dass man unerwartete Stärken an sich entdeckt- gerade bei Thematiken, an die man sich normalerweise ich getraut hätte. Beispielsweise habe ich als Recruiterin und PR-Expertin eigentlich nicht so viel mit Video- und Fotobearbeitung zu tun, konnte aber für unser ExperiMENTAL-Projekt in diesem Bereich selber Hand anlegen und auf meine Anfänger-Kenntnisse aufbauen.

3. Meet the Team

In Startups arbeiten meist recht kleine Teams zusammen. Daher ist eine offene und soziale Persönlichkeit zu haben immer ein Plus. Natürlich treffen auch in Startups verschiedenste Charaktere aufeinander und nicht alle haben Lust, nach dem Feierabend noch gemeinsam ein Bier trinken zu gehen. Häufig geht der Teamzusammenhalt jedoch deutlich über den in einer traditionellen Firma üblichen hinaus. Teamevents finden nicht nur zu Weihnachten statt – viele Startups organisieren regelmäßig gemeinsame Jogging-Treffen, Spieleabende und Exkursionen. So werden aus Arbeitskollegen häufig auch Freunde!

Für einen erfolgreichen Einstieg in die Szene sollte man sich also bewusst machen, dass die Persönlichkeit für Startups ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei der Auswahl der Kandidaten ist. Kleine Teams, die viel Zeit miteinander verbringen, müssen effektiv und konstruktiv zusammenarbeiten können. Traditionelle mittelständische und große Unternehmen können dank größerer Mitarbeitergruppen Differenzen leichter kompensieren, sodass sich starke Charaktere mit unterschiedlichen Arbeitsweisen sich nicht gegenseitig behindern.

Für Startups gilt jedoch, dass neue Mitarbeiter nicht nur nach ihrer Qualifikation, sondern auch nach Kompatibilität ihrer Persönlichkeit mit dem Team eingestellt werden. Authentizität ist ein zentraler Bestandteil jedes Bewerbers und wird als positiver Beitrag zum Team gewertet.

4. Mehr als ein 9 to 5 Job!

Die Arbeitswoche geht in Startups meist nicht von 9 bis 5. Viele Startups haben flexiblere Modelle, die Homeoffice oder auch mal einen spontanen freien Nachmittag beinhalten können. Ein Trugschluss ist aber zu glauben, dass man ein leichteres Leben hat, wenn man im Startup tätig ist. Denn obwohl die Flexibilität der Arbeitszeit größer ist, die Stundenzahl ist es meist nicht. Abendveranstaltungen und Wochenendarbeit sind keine Seltenheit, wenn es in eine intensive Projektphase geht. Viele CEOs von Startups gehen davon aus, dass die Mitarbeiter im Gegenzug für die vielen Annehmlichkeiten des Arbeitsalltags bereit sind, noch einen drauf zu setzen. Idealerweise geschieht dies jedoch nicht auf Druck von oben, sondern weil man als Mitarbeiter ein Eigeninteresse entwickelt, die Firma nach vorne zu bringen und seinen Beitrag für den Erfolg zu leisten. Ein Startup lebt von den Menschen die sehen und verstehen, was getan werden muss- selbst, wenn sie keinen expliziten Auftrag erhalten. Für den Einstieg es es wichtig die Bereitschaft zu haben, mit der Firma weiter zu wachsen und nicht aufzuhören zu lernen. Man sollte sich im Vorfeld bewusst machen, ob man sich mit dem grundsätzlichen Ansatz des Geschäftsmodells identifizieren kann und hinter dem steht, was das Startup nach außen präsentiert.

5. Dress Code

Die meisten Startups haben ein digitales Geschäftsmodell. Deshalb stellen die Programmierer oder Entwickler das Rückgrat dar – die IT ist das Fundament des gesamten Geschäfts. Und wer jetzt an Steve Jobs denkt, hat schon eine ungefähre Ahnung, wie die meisten Mitarbeiter im Startup angezogen sind: Statt Anzug und Blazer dominieren Jeans, T-Shirts und lockere Kleidung das Bild. Grundsätzlich gilt: in Startups wird auf Diversität und Individualität sehr geachtet. Jeder soll sich so anziehen dürfen, wie es ihm am besten gefällt – denn so fühlt man sich beim Arbeiten am wohlsten und das führt zu höherer Produktivität.

Bei Mitarbeitern mit Kundenkontakt bzw. für Meetings mit wichtigen Partner oder Investoren gibt es natürlich gewisse Vorschriften. Aber auch hier gilt, dass grundsätzlich ein locker-legeres Outfit am besten zum Startup-Ökosystem passt. Kleiner Tipp: man kann auch gern verschiedene Stile miteinander kombinieren, sich gleichzeitig sportlich-locker oder auch schick kleiden. Der Trend zum ganz-wöchigen Casual-Friday- Look hat übrigens auch schon Einzug in die Chefetagen großer Konzerne gefunden. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat bereits in Jeans eine Keynote gehalten und in der Axel-Springer- Chefetage sind Krawatten mittlerweile verpönt – eine Einteilung in “white color” und “blue color” gibt es in Startups einfach nicht mehr- und die wenigsten werden sie vermissen. Bevor man sich jedoch zum ersten Arbeitstag kleidet wie zu einer Fashion-Show oder einen Tag am Strand sollte man sich ein Bild machen, was intern die Erwartungen und Konventionen sind.

Fazit

Es gibt keine Anleitung, wie der Einstieg in die Startup-Szene klappen kann. Genauso wie es keine Garantie gibt, dass man in dem Job glücklich wird, selbst wenn der Einstieg gelingt. Diese fünf Punkte bieten jedoch eine grobe Orientierung zur Vorbereitung. Hauptsache ist, dass man ganz man selbst sein kann und sich nicht verbiegen muss, um mit der jeweiligen Firmenkultur klarzukommen.

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