Ossis unerwünscht?
Schon wieder ein lustiger arbeitsrechtlicher Fall made in Germany -> Die Bewerbung einer aus Ostdeutschland stammende Buchhalterin, wurde von einer Firma aus Baden-Württemberg mit der doch recht zweifelhaften Begründung, dass die Frau eben aus dem Osten Deutschlands stamme, abgelehnt. Im Ablehnungsschreiben klang das noch ein wenig anders, aber auf dem zurückgesandten Lebenslauf fand die Dame das Wort “Ossi” vermerkt, was wohl auf den wahren Ablehnungsgrund schließen lässt… krasse Geschichte (die ganze Geschichte kannst Du auf Welt Online nachlesen), vor allem, weil das seitens der Firma sicherlich nicht so geplant war… da wurde wohl für jemanden eine Vorauswahl getroffen, aber anstatt mit einem Post-it, oder was weiß ich auch immer, halt der doch recht perfide Grund einfach nonchalant direkt auf dem Lebenslauf vermerkt…
Dieser Vermerk sei laut der Firma auch “unglücklich” gewesen ->
“Keine Frage – das war ein Fehler von uns, dass diese interne Notiz, die da drauf kam, das Haus verlassen hat”
Nun muss sich die Firma natürlich vor Gericht gegen den Vorwurf verteidigen, dass in diesem Fall das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) nicht befolgt wurde – dieses Antidiskriminierungsgesetz kümmert sich ja nicht nur um Fälle Mann vs. Frau, sondern eben auch um solche Fälle, wo aufgrund der ethnischen Herkunft diskriminiert wird. Aber genau darum geht es nun auch im Gerichtsverfahren, dass bald vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht losgehen wird -> Das Gericht muss entscheiden, ob “Ossi” eine eigene ethnische Herkunft ist! Ist der “Ossi” als eine eigene Ethnie (eine Art eigener Menschenschlag), oder einfach nur ein Bewohner eines ostdeutschen Bundeslands, was wohl jeder von uns sofort sagen würde…
Das wird ein lustiger Fall werden, denn dieser Fall ist bisher ohne jedwedes Vorbild. Die Firma wird sich auf jeden Fall noch mächtig für ihren Faux Pas in den Hintern beißen – denn auch wenn der Vermerk “unglücklich” war, und so das Haus nicht verlassen hätte sollen, bleibt es dennoch traurig, dass über 20 Jahre nach dem Mauerfall noch immer Firmen Vorurteile gegen unsere deutschen Mitbürger haben, nur weil sie früher durch eine Mauer von uns getrennt leben mussten…
Noch ein Lesetipp -> Grandmaster Kenk hat sich etwas ausführlicher mit dem Springer´schen Verkauf von StepStone Solutions auseinandergesetzt, und offenbart ein paar wirklich nette Details! Ich hatte das Thema vor ein paar Tagen ja nur ganz kurz angerissen, von demher solltet ihr definitiv mal bei Crosswater Systems vorbeisurfen, um den ganzen Scoop zu erfahren!
Und dann noch ein interessanter Erfahrungsbericht über das Freud & Leid bei der Zeitarbeit (huch, das reimt sich ja sogar *hihi*). Vor ein paar Tagen wurde ja vermeldet, dass die Zeitarbeit wieder gut zulegt, da ist der Erfahrungsbericht umso interessanter, denn wie eine ernstzunehmende Alternative noch schneller einen neuen Job zu bekommen, sieht das Ganze nicht wirklich aus (da bekommt man ja Fusspilz, wenn man das liest…), so hätte der Gastautor Matthias rückblickend auf seinen “Selbstversuch” doch lieber darauf verzichtet… Wer sich also gerade mit dem Gedanken auseinandersetzt, es mal mit Zeitarbeit zu versuchen, sollte definitiv erstmal diesen wirklich interessanten Erfahrungsbericht lesen!
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Ich stelle mir gerade vor wie man die Bewerber bewertet hatte:
Dieser Bewerber ist eindeutig A.
Dieser Bewerber bekommt ein C.
Dieser Bewerber bekommt ein “Ossi” drauf. Abgelehnt.
Aber letztendlich ist es wohl in vielen Firmen so, nur das dieses Mal die interne Notiz an den Bewerber ging. Hinter dem Vorhang ist so etwas bestimmt alltäglich in Deutschland (und in anderen Ländern bestimmt auch).
[...] alle Fälle gilt es das AGG zu beachten, damit nicht, dass passiert, was Marcus gestern kurz beschrieben hatte, da waren in einer schwäbischen Firma Ossi´s [...]
Moin,
also ich finde man sollte auch die beiden Seiten der Medaille betrachten.
Nach einem Interview mit dem Geschäftsführer der ablehnenden Firma wurde nicht aufgrund der Herkunft der Bewerberin abgelehnt. Nach seiner Aussage beschäftige er sogar 6(!) gebürtige Ostdeutsche in seinem Betrieb und habe keinerlei Vorurteile bzgl. Arbeitsmoral und Fachwissen o.ä.
Vielmehr wurde abgelehnt, da die gute Frau im Bewerbungsschreiben mehrere Rechtschreibehler offenbarte, keine zeugnisse beilagen und einmal IHR Name falsch geschrieben war, sowie die fehlende Beurkundung die sie als Bilanzbuchmacherin ausweisen sollte.
Ich kann nur hoffen, dass die gute Frau vor dem BGH kein Erfolg mit ihrer Klage hat, denn ich als gebürtiger Ostdeutscher möchte nicht als eigene “Rasse” oder “Ethnie” bezeichnet werden….ich will als DEUTSCHER bezeichnet werden und dazu gehören für mich sowohl der Osten als auch der Westen!
Hier der Link mit den Aussagen des Geschäftsführers, wer es mal nachlesen möchte: http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2448265_0_9223_-bewerbung-abgelehnt-ich-habe-nichts-gegen-ossis-.html
Ob man seiner Aussage glaubt soll jedem selbst überlassen sein….
Grüße
Sie scheint auch in der ersten Instanz kein Recht bekommen zu haben, aber es wurde nahegelegt diese Sache außergerichtlich zu lösen.
Ein “Ossi” ist wirklich keine eigene Rasse, aber mit so einem Namen grenzt man letztendlich doch eine Gruppe von Menschen aus. Gildet dieses Gesetz dann nur wenn es sich um offizielle “Rassen” oder “Ethnien” geht? Dann könnte man anfangen für jede bestimmte Menschengruppe ungern gehörte Namen zu erfinden. Man bedenke auch die diversen, teilweise vielleicht auch lustig gemeinten, Beziehungen und Meinungsverschiedenheiten zwischen Bundesländern. Was wenn in dem Fall eine Firma aus Baden-Württemberg einen Bewerber seine Unterlagen zurückgeschickt hätte mit dem Vermerk “Pfälzer”? Wie würde dann diese Sache aussehen? Oder, bei Städten, der Kölner einem Düsseldorfer ein unschönen Vermerk hinterlassen hätte?
…sie hat ja wohl nicht Recht bekommen (wenn ich das richtig verfolgt hatte). Ich finde es ja sowieso immer noch recht lustig, das nach sonstwievielen Jahren Deutscher Einheit immer noch von Ossis und Wessis gesprochen wird (ok mitunter geht mir das ja auch noch so). Ich frage mich grade was der Chef drauf geschrieben hätte, wenn sie eben nicht aus Ostdeutschland gekommen wäre (die Fehler aber die gleichen gewesen wären) …
http://forum-recht-online.de/hp/pdf/Hefte/FoR1003_107_reku.pdf