Marcus Tandler

Alter Wein, neuer Schlauch

Was ist denn im Moment los? Irgendwie scheint es so, als würde es dieser Tage mal wieder an jeder Ecke ne neue Online-Jobbörse geben… Gut, die Saure-Gurken Zeit scheint endlich vorbei, und wie man so hört, freuen sich die großen Jobbörsen endlich mal wieder über Inbound Calls von personalhungrigen Unternehmen, aber trotzdem scheint der Markt der Online-Jobbörsen noch immer recht übersättigt zu sein. Vorbei ist ja auch die gute alte Zeit, in der Unternehmen gleich auf vier oder fünf Jobbörsen ihre Stellenanzeigen publiziert haben – Klasse statt Masse lautet heutzutage die Devise!

Dennoch birgt gerade die Nische noch gutes Potential, gerade für vertikale Spezial-Jobbörsen – Sekretaerin.de ist hier ein schönes Beispiel, oder auch IngenieurKarriere.de. Aber es gibt auch Nischen, die bereits aus allen Nähten platzen, so wie z.B. der Bereich IT, und trotzdem versuchen gerade hier immer neue Player Fuß zu fassen, wie bspl. YourFirm.de, die sich auf die “Hidden Champions” spezialisiert haben, oder auch das gerade frisch gestartete ictjob.de. Mithilfe eines “Kompetenzrasters” sollen hier Unternehmen und Jobsuchende noch schneller zueinander finden, aber in der Realität ist der Jobsuchende wohl erstmal verschreckt vor soviel Auswahlmöglichkeiten… Diese “einzigartige Matching-Technologie” hebt ictjob also durchaus vom Rest der Jobportale ab, aber nicht umbedingt im positiven Sinne. Vor allem, wenn auch die sicherlich noch immer weit häufiger genutzte Freitextsuche andere Ergebnisse auswirft, als die Direktwahl einer entsprechenden Kategorie. Man fühlt sich leicht überfordert mit den drei (!) “Suchen” Buttons, die sich zwar clevererweise alle miteinander kombinieren lassen, nur leider sagt einem das niemand, was bestimmt zu einer Menge Leersuchen führt, die ohne einen bestimmten Haken durchaus ein Ergebnis zum Vorschein gebracht hätten…

Generell frage ich mich, wer masochistisch genug veranlagt ist, in jeder der vier Spalten alle Optionen durchzuscrollen, um die für ihn passenden Optionen mit einem Häkchen zu versehen – klar, genauer als eine simple Freitextsuche ist das sicherlich, aber eben auch hundertfach zeitraubender… Und bei einer Base von knapp 500 Stellenanzeigen bekommt man sehr oft auch leider nur recht kurze Listen mit verfügbaren Stellenanzeigen, was noch mehr geklicke erfordert (Häkchen wieder entfernen), oder den User einfach kapitulieren lässt…

Simone sieht das ähnlich, und fragt berechtigterweise ->

Brauchen wir wirklich schon wieder ein Jobportal, dass genau denselben Mechanismus bedient wie ungezählte Jobportale zuvor?

Gute Frage, nächste Frage…

Dann doch lieber was Neues direkt auf Facebook – JobScout24 bspl. bietet seit kurzem eine Facebook-App an, mit der Unternehmen ihre Jobs einfach auf ihrer Facebook-Page posten & verwalten können – gut gemacht! Installieren kann man die App unter Apps.Facebook.com/Jobangebote/ – Top!

Ich hatte ja erst vergangene Woche gefragt, ob Facebook-Apps nicht vielleicht die besseren Jobbörsen sind, und gerade mit Apps wie BranchOut, das ja gerade abgeht wie Schmidt´s Katze, oder auch dem Monster´schen BeKnown, stellt sich schon die Frage, ob dieser Traffic nicht bald auch signifikant gen Facebook shiftet (auch wenn LinkedIn da wohl nicht mehr ganz mitspielen will, und den beiden erstmal die API abgedreht hat…) – gut wenn man sich da jetzt schon gut aufstellt, und für die gewisse Zukunft entsprechend aufrüstet!

Das man die eierlegende Wollmilchsau der Online-Jobbörsen-Branche, die wechselwillige Fach- und Führungskraft, nämlich irgendwie loyal an sich binden kann, ist ein Märchen, dass sich Online-Jobbörsen CEOs immer wieder gern erzählen – aber via Facebook scheint dies nun endlich möglich zu sein -> statt pull , also aktiver Jobsuche, heißt es dort push – man muss nicht mehr aktiv nach neuen Herausforderungen suchen, die Jobangebote finden einen dank installierter App, und bei geeignetem Offer heißt es dann auch irgendwann “3,2,1… meins” – vergesst Online-Jobagenten und unnütze Mails, lieber dezent neue interessante Offer im Stream – so bleibt man heutzutage im Bilde was um einen herum so passiert.

Direkt ein interessanter Artikel dazu im Manager Magazin, und auch Lutz fragt sich ob Social Recruiting eher frommer Wunsch, oder vielmehr schon Wirklichkeit ist, und entdeckt durchaus spannende Potentiale für nach vorne schauende HR´ler, auch wenn ich weniger auf den aktuellen Status Quo schauen, und vielmehr auf die Musik hören würde, die andernorts schon laut zu spielen angefangen hat.

So, hier gibt´s nix mehr zu lesen & zu sehen, also surft doch mal rüber zur Eva, deren hervorragender Blog Online-Recruiting.net in neuem Glanz erstrahlt – sieht echt gut aus, Glückwunsch Eva!

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