Marcus Tandler

Ärmel hoch!

Gudrun Happich, die u.a. auch den Leistungsträger-Blog bloggt, hat vor kurzem ihr erstes Buch publiziert -> “Ärmel hoch! – Die 20 schwierigsten Führungsthemen und wie Top-Führungskräfte sie anpacken

Grund genug, Gudrun ein paar Fragen zum Thema zu stellen ->

Was sind aus deiner Erfahrung heraus die häufigsten und schwierigsten Probleme deutscher Führungskräfte?

Ich würde insgesamt vier Problemfelder identifizieren.

Im Moment scheint mir das Thema Überlastung sehr oft angesprochen zu werden: die ständig zunehmenden Anforderungen, die zunehmend zu Überforderung führen können, wenn man nicht aufpasst. Die sowieso schon sehr engagierten Leistungsträger fühlen sich höchstbelastet, viele haben 11-Stunden-Tage, sind durch Blackberry usw. fast immer erreichbar. Ihre Sekretariate sind Bollwerke, Staudämme.
Allerdings benennen die Führungskräfte das Thema anders, nämlich: Wie bleibe ich dauerhaft leistungsfähig?

Zweitens geht es insbesondere bei Newcomern im Top-Management oft darum, den Umgang mit politischen Spielregeln besser zu lernen – ohne sich zu verbiegen. Gerade die Leistungsträger und Macher, die’s anpacken, sind in der Regel sehr erfolgreich, werden für ihre leistungsorientierte Arbeitsweise gelobt und dann befördert. Sie sind hochmotiviert und wollen natürlich weiter Karriere machen. Und da wird es dann spannend, wenn sie auf dem Sprung vom mittleren Management auf die Top-Ebene sind. Denn da erleben sie dann plötzlich oft Ablehnung, genau für das Verhalten, für welches Sie vorher gelobt wurden und verstehen die Welt nicht mehr.
Was die wenigsten wissen: Auf den oberen Ebenen herrschen andere Spielregeln. Es gilt, vom „Leistungsmodus“ in den „Beeinflussungsmodus“ zu wechseln und mit den Spielregeln der oberen Ebenen umgehen zu lernen, oder wie es ein Klient formulierte, „den eigenen Weg im politischen Gestrüpp finden – ohne sich zu verbiegen.“ Viele meiner Klienten befinden sich gerade auf dieser wichtigen Karriereschwelle und wünschen, dass der Schritt erfolgreich gelingt.

Ein Dauerthema ist drittens der Wunsch nach Klarheit über die weitere Perspektive.
Dieses Thema schwingt latent bei den meisten Führungskräften mit. Manche sind extrem unzufrieden und wechselfreudig, wissen aber nicht so recht, wie jetzt den nächsten Schritt machen. Manche stehen auch in der Mitte ihres beruflichen Lebens und wollen jetzt mehr Klarheit darüber, wie es weitergehen soll. Aktuell stehen diese Themen wieder mehr im Fokus – insbesondere bei Führungskräften aus dem sogenannten „MINT“-Bereich, denn hier locken die Headhunter mit attraktiven Angeboten, machen den Wechsel also „leichter“. Aber es muss ja auch ein Wechsel sein, der funktioniert – nachhaltig.

Und damit kommen wir zum vierten Problemfeld, dem Rollenwechsel. Auch dieses Thema ist natürlich immer aktuell und gerade im Moment auch wieder, weil das „Karussell“ sich immer schneller dreht, und häufig die Zeit, sich in eine neue Rolle oder Position einzuarbeiten, sehr knapp ist. Gleichzeitig herrscht ein hoher Druck von außen, dass es klappen muss.

Haben sich die Anliegen und Probleme der Führungskräfte in den letzten 2/5/10 Jahren geändert? Lässt sich ein Trend beobachten?

Ich glaube, die meisten Themen gab es schon lange: Wie bringe ich meine Karriere nach vorn, wie agiere ich in der neuen Rolle, wie bewältige ich meinen Führungsalltag – damit mussten sich Führungskräfte schon immer auseinander setzen.
Was mir auffällt: Das Thema Überlastung/keine Zeit hat tatsächlich in den letzten Jahren extrem zugenommen, bzw. die Bereitschaft sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Sicherlich auch forciert durch die stetig steigende Anzahl von Burnout-Fällen und der Tatsache, dass dies auch oder insbesondere die „Guten“ betrifft, also die Leistungsträger, die’s anpacken.

Außerdem stelle ich fest, dass das Thema „Will ich wirklich eine Karriere steil in der Hierarchie nach oben machen?“ deutlich aktiver angegangen wird. Vor mehr als 10 Jahren stellten sich diese Frage zunächst überwiegend Frauen. Sie reflektierten sehr ernsthaft: Was will ich wirklich und was bin ich bereit dafür zu tun? Bin ich bereit, den „Preis“ dafür zu zahlen? Nicht selten war dann die subjektiv „bessere“ Position eine im mittleren Management statt an der Spitze des Unternehmens.

Heute erlebe ich ähnliche Fragestellungen und Herangehensweisen auch von den Männern. Die Reflexionsprozesse zeigen ganz spannende Ergebnisse. Einige erkennen für sich: Ja, es ist die Spitze, und sie gehen diesen Weg dann geplant und gezielt. Einige erkennen für sich: Nö, im mittleren Management oder auch als Fachspezialist geht es mir besser. Wichtig dabei ist dann, diese Entscheidung tatsächlich aus dem Inneren zu treffen, denn die Umsetzung hat immer Konsequenzen, und diese wollen gut überlegt sein.

Was mir hierbei ganz wichtig ist: Ich bin keine Freundin davon zu sagen: Das sind Frauenthemen, und das sind Männerthemen, im Gegenteil. Meine Erfahrung ist, dass „Leistungsträger, die’s anpacken“ unabhängig vom Geschlecht die gleichen Themen haben. Die Frauen sind allerdings meiner Erfahrung nach das Karriere-Thema in der oben beschriebenen Art und Weise früher und etwas aktiver angegangen.

Was ist denn deiner Meinung nach die größte Karriere-Falle?

Da gibt es eine ganze Menge Fallen, aber eine ganz wesentliche ist meiner Ansicht nach die Sache mit den verschiedenen Leistungstypen. Denn wenn man nicht typgerecht arbeitet, kann das eine böse Karriere-Falle sein. Ich greife bei diesem Thema immer auf Leistungstypen aus der Natur zurück. Ein Gepard z.B. jagt im Alleingang und ist beim Sprint das schnellste Säugetier der Welt. Nach der Jagd muss er aber eine Pause einlegen. Er kann auf Dauer nur Höchstleistungen bringen, wenn er sie mit Pausen kombiniert. Dieses Beispiel soll zeigen, dass man nicht faul ist, nur weil man Pausen macht.

Der zweite Leistungstyp ist der Löwe, der weder besonders schnell noch besonders ausdauernd ist. Ein Löwe würde niemals auf die Idee kommen, allein zu jagen. Er erkennt seine Schwächen und arbeitet wie ein Dauerläufer im Team. Es gibt keine bessere oder schlechtere Art zu arbeiten. Wichtig ist, dass man typgerecht arbeitet, sonst wird es kaum gelingen, mit den extrem hohen Anforderungen umzugehen und auf Dauer Höchstleistung zu erbringen.

Vielen Dank für das Interview Gudrun!

Mehr Infos zum Buch & Leseproben gibt´s hier direkt bei Gudrun im Blog. Viel Spaß beim lesen!

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