Auch Notlügen habe kurze Beine
Heute morgen hat mich vor allem dieser Artikel bei Focus Online beschäftigt:
Notlüge bei Schwangerschaft
Wenn man also im Bewerbungsgespräch gefragt wird, ob man den schwanger sei, darf man ganz offiziell zu einer Notlüge greifen. Par definitionem ist eine “Notlüge” aber dennoch eine “Lüge”, und wenn man sagt: “Nein, im Moment bin ich nicht schwanger“, obwohl man dennoch sehr wohl weiß, dass man schwanger ist, dann lügt man doch den potentiellen neuen Arbeitgeber an! Die für den Einsatz der Notlüge essentielle Not ist demzufolge die eigene Arbeitslosigkeit, die man ja durch eben jenes belügen zu beenden versucht. Aber ist das nicht total unfair? Immerhin sucht der Arbeitgeber (wahrscheinlich händerringend) nach einer neuen Arbeitskraft, die er aber letztendlich garnicht bekommt, weil sie bereits ein paar Wochen oder Monate später schon in Mutterschaftsurlaub geht… also wen er Glück hat, vielleicht wenigstens noch ein paar Wochen nach der Einarbeitungszeit – Bingo! Für den Arbeitgeber geht der Rekruitingprozess also fast sofort nach der Einstellung wieder los – also quasi, wie wenn ich beim Einkaufen einen faulen Apfel gekauft habe, aber halt noch immer für meinen Apfelkuchen ein paar Äpfel benötige – ich muss also sofort wieder in den Supermarkt rennen, Äpfel aussuchen, zur Kasse gehen etc. etc.
Nein nein, ich will jetzt nicht schwangere Frauen mit faulen Äpfeln gleichsetzen, aber der Vergleich stimmt doch, oder? (Bis auf den Fakt, dass ich den faulen Apfel ein Jahr später nicht doch auf einmal wieder zum Kuchen backen verwenden kann
)
Und auch die schwangere Lügnerin hat doch nicht viel vom neuen Job, oder? Sobald sie ihre Notlüge gestehen muss, wird ihr der Arbeitgeber ja nicht gerade freudestrahlend um den Hals fallen (evtl. vielleicht doch um einen Würgegriff anzusetzen…) – Der von Focus Online empfohlene Satz: “Ich war mir nicht sicher, ob Sie mich in meiner Situation einstellen würden” wird ja auch net viel dazu beitragen, dass der Arbeitgeber auf einmal über seine damalige Entscheidung richtig glücklich ist.
Letztendlich verliert man wohl eine Menge Vertrauen in die (ja noch relativ unbekannte) Mitarbeiterin, und sowas ist ja bestimmt nicht gerade förderlich für das spätere Arbeitsverhältnis (also die Zeit nach der Schwangerschaft).
Mir ist durchaus bewußt, dass eine schwangere Bewerberin durchaus weniger Chancen auf einen Job hat, aber rechtfertigt dies eine Lüge? Mein eigentlicher Punkt ist einfach, dass man im Bewerbungsgespräch generell nicht lügen sollte, weil letztendlich alles irgendwann mal raus kommt (und im Fall der Schwangerschaft sogar 100%ig
) – denn jede Lüge wird einfach auf kurz oder lang das Arbeitsverhältnis unnötig belasten! Ein Arbeitgeber sollte viel eher die Ehrlichkeit honorieren, gerade wenn man arbeitsrechtlich sogar eine Notlüge verwenden dürfte!
Und wem jetzt missverständlicherweise vor lauter Hass auf den frauenfeindlichen JOBlogger das vor-Wochenendliche Grinsen vergangen ist, für den hab ich noch ne richtig coole Stellenanzeige für einen Softwareentwickler in Jena – Kudos an Nadia – wirklich ne lustige Idee!









[...] 8;ch – etwa, weil man schwanger ist – zulässig? Der Focus meint “Ja”, Marcus sagt “Nein” – und hat dazu auch ein paar passende Argumente: Letzte [...]
Du vergisst eines zu erwähnen: Immerhin ist schon die Frage nach der Schwangerschaft unzulässig. Vielleicht sollte man sie dann einfach nicht stellen, dann gibt’s auch keinen Grund zu lügen.
Genau bei der Frage bin ich auch sehr hin und her gerissen.
Natürlich ist es nicht schön wenn man so handelt wie es erlaubt wäre. Aber mal ehrlich was ist denn die Alternative?
Wir kehren zur “alten” Ordnung zurück und für die Frau reicht der Weg zwischen Küche und Kinderzimmer…
Mal davon abgesehen das ich es eher nicht glaube, vielleicht aus Unwissenheit, das die meisten Frauen mit voller Absicht das Unternehmen “schädigen” wollen.
Vielleicht sollte man lieber überlegen wie es denn anders ginge und wie man in solcher Situation auch als Unternehmen besser reagiert.
Falls an der Stelle nicht bald ein Um-/Weiterdenken stattfindet dann bleibt das Gefühl vom Kinder unfreundlichem Umfeld.
Also versuchen wir doch mal eine Alternative Aufzuzeigen, die auch realisierbar ist!
…dann möchte ich mal einen Frauenkommentar zum Thema abgeben
Jan hat vollkommen Recht, denn bereits die Frage des Personalers/ Rekruters, ob die Bewerberin vorhabe, in den kommenden 2-3 Jahren Kinder zu bekommen, ist unzulässig und sollte daher schon mal in gar keinem Bewerbungsgespräch vorkommen.
Ich denke, das Beste, was eine Bewerberin in dem Fall tun kann ist gegenzufragen: In welcher Weise ist die Beantwortung dieser Frage wichtig für ihre Funktion als neue Mitarbeiterin und in welchem Sinnzusammenhang steht diese Frage mit der ausgeschriebenen Stelle überhaupt?
Würde wirklich mal gerne sehen, wie da ein Personaler drauf reagiert…
Lieber Gonzo (oder cguenzl), ich kann mir schwer vorstellen, dass Frauen wirklich so tief sinken, um einem Unternehmen im Vorhinein schädigen zu wollen. Das würden sie wahrscheinlich eher dann tun, wenn sie bereits einige Jahre in einem Unternehmen gearbeitet haben und sich nach einem spektakulären Abgang sehnen
))
In diesem Sinne, ein schönes Wochenende
Hallo Eva,
So war das doch nicht gemeint … gut ich hab es sehr unglücklich formuliert, aber wollte eher aus dem Text diese Quintessenz abgeleiten, denn in einem gebe ich Marcus vollkommen recht, Lügen schadet … und um es scharf zu formulieren wollte ich es so ausdrücken. Man sehe mir es bitte nach
Ich hab grad so einen Fall, konnte aber noch nicht mit meinem Anwalt sprechen. Eine Dame hat sich bei mir beweorben, kam einen Tag arbeiten und hat sich dann ein Beschäftigungsverbot von ihrem Arzt ausschreiben lassen. Kann ich sie nicht kündigen? Probezeit, arglistige Täuschung, was auch immer? Ich meine das hat sie doch mit Absicht gemacht um ihre Schwangerschaft zu finanzieren.
Haben wir Arbeitgeber denn keine Rechte?
Ich finde das Lügen legitim. Schwangerschaft ist einfach privat. Außerdem lügen beide Seiten bei Bewerbungsgesprächen: die Bewerber, schwanger oder nicht, und auch die Personaler, die von tollem Arbeitsklima, außergewöhnlichen Kollegen und spannenden Projekten faseln und derweil nur ein Laden wie jeder andere sind.
Hallo zusammen,
bei dieser Frage bin ich weder hin noch hergerissen. In diesem Fall ein offenes JA zur Lüge.
Die Not bei dieser Lüge besteht allerdings nicht in der Arbeitslosigkeit, sondern darin, dass Frauen ansonsten diskriminiert werden. Die Gegenfrage, “in wie weit ist diese Frage für die Stelle auf die ich mich bewerbe relevant?” wird jeder Personaler als ein ja deuten. Weil also auch ein Asuweichen der Frage zur Diskriminierung führt, bleibt nur die Notlüge.
Wann darf denn, nach Meinung der Anwesenden, eine Frau, die einen neuen Job angetreten hat, ein Kind bekommen?
Ehrlich gesagt ist diese Frage rhetorisch, denn ein Arbeitgeber darf nie das Recht haben auf eine solche Entscheidung Einfluss zu nehmen!
Danke Christian, dann werde ich, falls ich jemals die (verbotene) Frage einmal in einem Bewerbungsgespräch gestellt bekomme sollte, zur Notlüge ausweichen
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