Marcus Tandler

Auch Notlügen habe kurze Beine

Heute morgen hat mich vor allem dieser Artikel bei Focus Online beschäftigt:
Notlüge bei Schwangerschaft

Wenn man also im Bewerbungsgespräch gefragt wird, ob man den schwanger sei, darf man ganz offiziell zu einer Notlüge greifen. Par definitionem ist eine “Notlüge” aber dennoch eine “Lüge”, und wenn man sagt: “Nein, im Moment bin ich nicht schwanger“, obwohl man dennoch sehr wohl weiß, dass man schwanger ist, dann lügt man doch den potentiellen neuen Arbeitgeber an! Die für den Einsatz der Notlüge essentielle Not ist demzufolge die eigene Arbeitslosigkeit, die man ja durch eben jenes belügen zu beenden versucht. Aber ist das nicht total unfair? Immerhin sucht der Arbeitgeber (wahrscheinlich händerringend) nach einer neuen Arbeitskraft, die er aber letztendlich garnicht bekommt, weil sie bereits ein paar Wochen oder Monate später schon in Mutterschaftsurlaub geht… also wen er Glück hat, vielleicht wenigstens noch ein paar Wochen nach der Einarbeitungszeit – Bingo! Für den Arbeitgeber geht der Rekruitingprozess also fast sofort nach der Einstellung wieder los – also quasi, wie wenn ich beim Einkaufen einen faulen Apfel gekauft habe, aber halt noch immer für meinen Apfelkuchen ein paar Äpfel benötige – ich muss also sofort wieder in den Supermarkt rennen, Äpfel aussuchen, zur Kasse gehen etc. etc.
Nein nein, ich will jetzt nicht schwangere Frauen mit faulen Äpfeln gleichsetzen, aber der Vergleich stimmt doch, oder? (Bis auf den Fakt, dass ich den faulen Apfel ein Jahr später nicht doch auf einmal wieder zum Kuchen backen verwenden kann :-))

Und auch die schwangere Lügnerin hat doch nicht viel vom neuen Job, oder? Sobald sie ihre Notlüge gestehen muss, wird ihr der Arbeitgeber ja nicht gerade freudestrahlend um den Hals fallen (evtl. vielleicht doch um einen Würgegriff anzusetzen…) – Der von Focus Online empfohlene Satz: “Ich war mir nicht sicher, ob Sie mich in meiner Situation einstellen würden” wird ja auch net viel dazu beitragen, dass der Arbeitgeber auf einmal über seine damalige Entscheidung richtig glücklich ist.

Letztendlich verliert man wohl eine Menge Vertrauen in die (ja noch relativ unbekannte) Mitarbeiterin, und sowas ist ja bestimmt nicht gerade förderlich für das spätere Arbeitsverhältnis (also die Zeit nach der Schwangerschaft).
Mir ist durchaus bewußt, dass eine schwangere Bewerberin durchaus weniger Chancen auf einen Job hat, aber rechtfertigt dies eine Lüge? Mein eigentlicher Punkt ist einfach, dass man im Bewerbungsgespräch generell nicht lügen sollte, weil letztendlich alles irgendwann mal raus kommt (und im Fall der Schwangerschaft sogar 100%ig :-)) – denn jede Lüge wird einfach auf kurz oder lang das Arbeitsverhältnis unnötig belasten! Ein Arbeitgeber sollte viel eher die Ehrlichkeit honorieren, gerade wenn man arbeitsrechtlich sogar eine Notlüge verwenden dürfte!

Und wem jetzt missverständlicherweise vor lauter Hass auf den frauenfeindlichen JOBlogger das vor-Wochenendliche Grinsen vergangen ist, für den hab ich noch ne richtig coole Stellenanzeige für einen Softwareentwickler in Jena – Kudos an Nadia – wirklich ne lustige Idee!

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