Marcus Tandler

Ausbildung braucht Schulbildung!

Fast 50.000 Jugendliche ohne Stellstelle zählt die Bundesagentur für Arbeit in diesem Herbst. Höchste Zeit, dass sich euer JOBlogger mal ein paar Gedanken diesbezüglich macht 🙂
Suchen wir erstmal nach ein paar aussagekräftigen Statistiken…

Im Septeber 2006 konnten insgesamt 49.487 Bewerber für eine Lehrstelle nicht vermittelt werden, wo hingegen es im September des vergangenen Jahres noch 40.504 waren. Die Aufteilung der nicht vermittelten Bewerber nach Schulabschluß sieht wie folgt aus:

Schulabschluß September 2006 September 2005 Veränderung
Hochschulreife 2.352 3.605 – 35%
Fachhochschulreife 2.760 1.825 + 51%
Mittlerer Bildungsabschluß 20.130 19.445 + 3%
mit Hauptschulabschluß 20.081 15.616 + 29%
kein Hauptschulabschluß 2.907 1.266 + 130%

Damit zeigt sich sehr deutlich, dass sich gerade die Bewerber mit geringerer Schulbildung in alamierender Weise vermehren! Ein Punkt, der ja auch schon des öfteren durch die Medien geistert.

Aber die Zahl der nicht vermittelten Bewerber sagt keineswegs aus, dass insgesamt auch über 49.000 Lehrstellen fehlen – mitnichten! Denn derzeit finden sich auch 15.401 unbesetzte Lehrstellen, also Lehrstellen, die sofort besetzt werden könnten! Hier lohnt ein Blick auf zwei interessante Statistiken ->

Hier gibt es den größten Bewerberüberschuß (entschuldigt bitte die etwas antiquierten Bezeichnungen, aber die Zahlen kommen direkt von der Bundesagentur für Arbeit, und die sind ja net gerade für Ihre hippe Arbeitsweise bekannt :-)):

Warenkaufleute

6.966

Bürofach-, Bürohilfskräfte 4.512
Mechaniker 2.797
Körperpfleger 1.894
Maler, Lackierer 1.671
Elektriker 1.358
Schlosser 1.247
Gartenbauer 1.234
Speisenbereiter 1.207
Tischler, Modellbauer 1.052

Und in Abrenzung dazu, eine Aufstellung der Berufe, wo es mehr Stellen als Bewerber gibt:

Mineralaufbereiter

3

Textilveredler 3
Geistes- und naturw. Berufe 5
Baustoffhersteller 7
Holzaufbereiter 7
Ingenieure 7
Leder- und Fellverarbeiter 11
Metalloberflächenverarbeiter 12
Fleisch-, Fischverarbeiter 66
Reinigungsberufe 116

Ich würde mich jetzt da auch nicht gerade wiederfinden… Vor allem die Reinigungsberufe sind für die Mehrzahl verständlicherweise nicht wirklich die erstrebenswerteste Ausbildung.

Die interessanteste Statistik habe ich mir aber für den Schluß aufgehoben, nämlich die historische Entwicklung des Lehrstellenmangels:

Lehrstellenmangel

Hier zeigt sich nämlich das eigentliche Problem am Lehrstellenmarkt. Rund die Hälfte der Bewerber sind mittlerweile sogenannte “Altbewerber” aus vergangenen Jahren. Diese Altbewerber werden jedes Jahr wie eine Bugweille vor dem Ausbildungsmarkt hergeschoben. Zu viele verlassen die Schule mit schlechten Noten oder gar ganz ohne Schulabschluß – und wer nicht richtig lesen und schreiben kann, kann in meinen Augen auch keinen Beruf erlernen!
Der Ausbildungspakt sollte also schon in der Schule ansetzen und versuchen zwischen Schule und den Betrieben eine engere Verknüpfung herzustellen. Schwachen Schülern muss besser und vor allem gezielter geholfen werden, denn was Lehrer, und zumeist auch die Eltern versäumt haben, dass kann kein Betrieb nachholen!

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