Marcus Tandler

Bewegung im Jobbörsen-Ranking: Über 10.000 Stellensuchende beurteilen Jobportale

Gastbeitrag von Gerhard Kenk (Crosswater Systems)

In das Jobbörsen-Ranking kommt Bewegung. Stellensuchende beurteilen die Angebote der Jobbörsen insgesamt zusehends kritischer, doch einige namhafte Karriereportale konnten sich verbessern. So beurteilen insgesamt über 10.000 Stellensuchende (Stichtag 30.9.2010) den durchschnittlichen Zufriedenheitsgrad von allgemeinen Jobbörsen, also Karriereportale für alle Branchen, Berufe und Regionen, mit 2,03 (auf einer Skala von 1=sehr gut bis 4=überhaupt nicht zufrieden). Im Vorjahr per 30.9.2009 lag der Zufriedenheitsgrad noch bei 1,92. Spezialjobbörsen, die spezifische Geschäftsmodelle verfolgen, erzielten einen durchschnittlichen Zufriedenheitsgrad von 2,06. Dies sind die Ergebnisse einer Nutzer-Umfrage, die durch CrossPro-Research, einem Gemeinschaftsprojekt von PROFILO Rating-Agentur und Crosswater Systems, seit dem 1.10.2008 als Dauerumfrage durchgeführt wird. Erstmals wurden dabei zum Stichtag 30.9.2010 insgesamt 10.230 Bewertungen verzeichnet, was eine hohe empirische Basis für die Beurteilungen darstellt. Dabei wurden 34 Jobbörsen, Jobsuchmaschinen und Spezial-Jobbörsen mit 30 oder mehr Bewertungen beurteilt.

Karriereportale
Bei den klassischen Jobbörsen landete Stepstone Deutschland mit einer durchschnittlichen Zufriedenheit von 1,71 bei 920 Beurteilungen auf dem vordersten Platz. Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit erzielte insgesamt über 1.800 Bewertungen und verbesserte nach ihrem Relaunch den Zufriedenheitsgrad von 2,22 im Vorjahr auf nunmehr 2,13. Monster Deutschland investierte erheblich in die Verbesserung ihres Karriereportals und in neue Funktionalitäten für Bewerber und konnte in der Folge den Zufriedenheitsgrad gegenüber dem Vorjahr auf 1,96 steigern.

Nach wie vor ergibt sich bei den Zufriedenheitsgraden eine Drei-Klassen-Gesellschaft unter Deutschlands Jobbörsen. In der Spitzengruppe liegen die Karriereportale Stepstone, Jobware, Kalaydo, FAZjob.net, Jobstairs, Jobpilot, und Meinestadt.de relativ eng zusammen. Im Mittelfeld der Beurteilungen finden sich Stellenanzeigen.de, Jobscout24 und Monster. Die dritte Gruppe umfasst Careerbuilder Deutschland, die erstmals den Sprung über 30 Bewertungen geschafft hat, Job24, Jobboerse.de sowie die Arbeitsagentur.

Abbildung 1: Allgemeine Jobbörsen – Durchschnittlicher Zufriedenheitsgrad ->
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Spezial-Jobbörsen
Stellensuchende frequentieren zusehends Spezialjobbörsen, die sich gegenüber den allgemeinen Karriereportalen durch ein enger fokussiertes Geschäftsmodell (z.B. Spezialisierung auf einzelne Branchen, Berufe, Regionen oder Kandidaten-Jobnetzwerke) unterscheidet. Diese Spezialisten werden von Stellensuchenden zusehends frequentiert und beurteilt. Nun liegen Zufriedenheitsbewertungen für Branchen-Spezialisten wie Stellen-Online.de, Hotel-Career.de aus der Hotel- und Gastronomie-Branche, Ingenieurkarriere.de aus dem Technik-Bereich und WuV Werben & Verkaufen für Experten in Werbung, Vertrieb, Verkauf oder Marketing vor. Mit Absolventa.de und alma mater sind zwei Karrierephasen-Spezialisten bewertet worden, die sich auf Studenten, Absolventen und Young Professionals fokussieren, während Experteer, XING Jobs und Placement24 ein Geschäftsmodell der Kandidaten-basierten Karrierenetzwerke verfolgen.

Abbildung 2: Durchschnittlicher Zufriedenheitsgrad Spezial-Jobbörsen
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Insgesamt sind für die Spezialjobbörsen die Anzahl der abgegebenen Bewertungen noch auf einem niedrigen Stand, zudem ist die umfangreiche und differenzierte Bandbreite der Spezialjobbörsen zum jetzigen Stand der Umfrage noch nicht ausreichend abgedeckt – dies sollte sich jedoch in Zukunft noch ändern.

Jobsuchmaschinen
Jobsuchmaschinen schneiden in der Gunst der Stellensuchenden besser ab, der durchschnittliche Zufriedenheitsgrad verbesserte sich von 1,79 im Vorjahr auf 1,73. Jobsuchmaschinen werden für Stellensuchende zusehends eine gute Alternative gegenüber der Stellensuche in den zahlreichen allgemeinen Karriereportalen oder Spezial-Jobbörsen. Sie bieten zeitökonomische Vorteile bei der Stellensuche: eine hohe Anzahl von Stellenangeboten, die aus den Karriereseiten der Arbeitgeber sowie aus einigen Jobbörsen aggregiert werden, verbunden mit einer guten Suchqualität und hohen Zufriedenheitswerten. Nach wie vor liegen Kimeta und iCjobs.de ganz vorne in der Gunst der Stellensuchenden.

Die von Marcus Tandler entwickelte Jobsuchmaschine Stellenanzeigen.net liegt aus Nutzersicht mit einer durchschnittlichen Zufriedenheisquote von 1,75 eigentlich ganz gut im Rennen, jedoch ist mit 20 Bewertungen noch nicht die „empirische Schallgrenze“ von mindestens 30 Bewertungen erreich – die Nutzer müssen also noch etwas Gas geben und weitere Bewertungen abgeben.

Internet-Recruiting boomt – und wird differenzierter
Zahlreiche Studien haben den Vormarsch der Internet-basierten Jobbörsen gegenüber den Print-basierten Stellenanzeigen untermauert. Nach wie vor ist der Recruiting-Markt der Jobbörsen und Jobsuchmaschinen – einmal abgesehen von einigen großen und bekannten Karriereportalen – auf zahlreiche Spezialjobbörsen fragmentiert und differenziert. Stellensuchende haben auf diese intransparente Situation mit bemerkenswerter Geduld reagiert: So nutzen über 91% der Umfrage-Teilnehmer bis zu sechs unterschiedliche Jobbörsen gleichzeitig, um möglichst keine interessanten Karrierechancen zu verpassen.

Die Ergebnisse der Umfrage stehen für teilnehmende Stellensuchende auszugsweise zur Verfügung: sie können die für Ihre Wunschbranche abgegebenen Bewertungen anderer Kandidaten abfragen und so eine Peer-to-Peer-Einschätzung der für ihre Karriereplanung am besten geeignete Jobbörse erhalten.

Den Betreibern von Jobbörsen und Jobsuchmaschinen stehen auf Abonnements-Basis sämtliche Ergebnisse der Nutzerumfrage zur Verfügung. Auf dieser breiten empirischen Basis werden Analysen zur Produkt- und Funktionsverbesserung oder Markt- und Wettbewerbsanalysen ermöglicht.

Arbeitgeber können für Recruiting-Kampagnen ihre Medienplanung und Anzeigenschaltung auf empirisch fundierten Ergebnissen aufbauen und so die Details der Nutzerprofile (demoskopische Daten, Ausbildungsschwerpunkte, Tätigkeitsgebiete und Wunschbranchen der Zielgruppe) besser und differenzierter berücksichtigen.

Über CrossPro-Research
Die Jobbörsen-Nutzer-Umfrage (www.crosspro-research.com) wird als Gemeinschaftsprojekt von Crosswater Job Guide Ltd. und PROFILO Rating-Agentur GmbH durchgeführt. Die wissenschaftliche Betreuung der Online-Umfrage erfolgt durch Prof. Dr. Carsten Steinert, Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre insbesondere Personalmanagement an der Fachhochschule Osnabrück (University of Applied Science).