Marcus Tandler

Bewerbervideo-Guide: 10 Aspekte für ein erfolgreiches, audio-visuelles Personal Branding

Der erste Eindruck zählt. Das gilt auch und vor allem im Bewerbungsprozess. Doch oftmals sagen Bewerbungsunterlagen auf Papier nicht alles, und ein vielleicht idealer Bewerber wird aufgrund des Lebenslaufes oder der Zeugnisse gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
Individuell produzierte Bewerbervideos bieten eine zeitgemäße Möglichkeit, noch umfassendere Informationen zu einem Kandidaten zu gewinnen. Der Trend Bewegtbild gewinnt in Zeiten von YouTube und Facebook immer mehr an Bedeutung. Die Entscheidung für oder gegen ein Einstellungsgespräch wird einfacher, wenn man den Bewerber vorher audio-visuell kennenlernen kann.

1. Psychologische Einordnung

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Und dieser berühmte erste Eindruck hat mehr Einfluss auf Einschätzungen und Entscheidungen als uns oftmals bewusst ist.  Wissenschaftler der amerikanischen Princeton University fanden heraus, dass der Bewertungsprozess nur eine Zehntelsekunde dauert. Ob bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt – der erste Eindruck, den man von einer Person gewinnt, kann das weitere Handeln beeinflussen. Im Falle eines Bewerbervideos hat man somit die Möglichkeit bei Betrachter einen unmittelbaren Eindruck zu hinterlassen, ohne dass man bereits zum eigentlichen Vorstellungsgespräch vor Ort war.

2. Das innovative Abheben von der Masse

Wie oft kommt es vor, dass Unternehmen hunderte Bewerbungen auf eine Stellenanzeige erhalten? Diese folgen meist dem gleichen Schema: die Unterlagen werden in erster Linie per E-Mail versendet. Aber wo ist das Unterscheidungsmerkmal? Bewerbervideos zählen noch längst nicht zum Standard und bieten damit eine kreative und zielgerichtete Möglichkeit, die Bewerbungsunterlagen durch eine persönliche und einprägsame Note zu ergänzen.

3. Vorbereitung

Ein Bewerbervideo sollte so authentisch wie möglich sein – daher sind auswendig gelernte Antworten eher kontraproduktiv. Die Vorbereitung sollte eher in der Einstimmung liegen, z.B. durch Atemübungen oder ein adäquates und zur Bewerbung passendes Erscheinungsbild. Das Video an sich lebt in erster Linie von der Spontanität der Antworten, denn das ist es, was einen Bewerber einzigartig macht.

4. Der eigene „Bewerbungs-Trailer“ in 2 Minuten

Die Dauer des Bewerbungsvideos sollte ungefähr 2 Minuten betragen – dies reicht für den ersten Eindruck völlig aus. Die hiermit transportierten Eindrücke können die Wahrnehmung von einer Person mehr prägen als 1000 geschriebene Worte. Es bietet sich dabei an, das Video in kleinere Themenblöcke zu unterteilen und auf einzelne Fragen mehr oder weniger kurz zu antworten. Das schafft Abwechslung und weckt das Interesse des Betrachters.

5. Persönlichkeit schlägt Inhalt

In erster Linie geht es darum, im Bewerbungsvideo als Mensch zu wirken. Und man wirkt immer, egal wie. Die Bewertung des Betrachters ist dabei natürlich in höchstem Maße subjektiv. Daher kommt es auch gar nicht so sehr darauf an, was man sagt. Sondern wie man etwas rüberbringt. Die Präsentation der eigenen Person muss nicht glatt sein, Ecken & Kanten sind erwünscht. Dazu zählen auch emotionale Momente wie Lachen, bestimmte Gesten oder auch ein Verhaspeln. Unternehmen suchen Menschen, keine Roboter. Authentizität ist das Schlüsselwort.

6. Produktion

Absolute Professionalität und neuste technische Standards bei der Produktion eines Bewerbervideos sind Voraussetzung – ansonsten geht der Schuss nach hinten los. Das Video sollte in HD-Qualität mit modernem Equipment in einem Filmstudio aufgenommen werden – mit passendem (puristischem) Hintergrund und ohne hektische Schnitte. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Szenerie. Die Nachbearbeitung inklusive Vertonung macht das audio-visuelle Bild „rund“.

7. Ziel: das Wecken von Neugier & die Einladung zum Vorstellungsgespräch

Der Mensch ist von Natur aus neugierig – und der Personalentscheider muss das sogar von Berufs wegen aus sein! Das systematische Sammeln von Informationen über den potentiell zukünftigen Mitarbeiter ist hier von großer Bedeutung.  Und da kommt das Bewerbervideo ins Spiel: Unternehmen suchen Typen. Neben der fachlichen Qualifikation zählen Soft Skills und die Passung zur Unternehmenskultur zu den wichtigsten Kriterien der Personalauswahl. Die persönliche Note kann nur über ein Bewegtbild transportiert werden, da hier Körpersprache, Mimik & Gestik sowie die Stimme im Vordergrund stehen. Und im positiven Fall eine Einladung zum Gespräch erfolgt.

8. Customizing – konkrete Antworten anstatt üblicher Allgemeinfloskeln

Von 100 Bewerbungsanschreiben sind mindestens 90 in Form und Inhalt ähnlich bis gleich – kein Wunder, dass manche Personaler bei der Auswahl oftmals gelangweilt sind und Unterlagen schnell im Absageordner landen. Das Bewerbervideo bringt hier Abwechslung ins Spiel – und beantwortet im besten Falle direkt Fragen, die im Zusammenhang zwischen der Qualifikation des Bewerbers und den Anforderungen des Unternehmens stehen. So kann z.B. der Softwareentwickler kurz seine Fachkenntnisse in speziellen Programmiersprachen ansprechen – ohne direkt ins kleinste Detail zu gehen. Oder der Controller spricht über sein Know-how in Excel. Damit wird direkt signalisiert: ich bin Experte, und hier können Sie etwas von mir erwarten. Die Basis für das eigentliche Vorstellungsgespräch ist gelegt.

9. Datensicherheit & Nutzungsrechte

Der Schutz der eigenen Daten ist ein wichtiges Gut – daher sollte auch ein konkreter Hinweis zur Nutzung des Bewerbervideos mit angegeben werden. Egal, ob die Übermittlung via CD-ROM oder über einen Link stattfindet, man sollte den Empfänger darauf aufmerksam machen, dass er dazu verpflichtet ist, über Daten und Informationen, die er durch das Bewerbervideo erhalten hat, Stillschweigen bewahren muss und sie nicht an Dritte weitergeben darf. Derartige Video- und Tonaufnahmen sollten ausschließlich zur Auswertung im Hinblick auf die konkrete Bewerbung verwendet werden dürfen. Damit sichert man sich rechtlich ab und kann vermeiden, dass Videos plötzlich bei YouTube, Vimeo oder ähnlichen Portalen auftauchen.

10. Alleinstellungsmerkmal

Fragt man im Bekannten- und Kollegenkreis einmal nach, so trifft man mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum jemanden an, der sich bereits mit einem Video beworben hat bzw. dieses als Ergänzung zur Bewerbung genutzt hat. Also ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um damit zu starten! Denn die technische Machbarkeit ist heute so gut, dass ohne allzu viel Aufwand ein tolles Ergebnis möglich ist. Als Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb gegen unzählige Kandidaten kann dies der Bewerbung den nötigen Kick geben. Und man signalisiert damit dem Wunschunternehmen: ich bin innovativ, gehe nicht mit der Masse und präsentiere mich und meine Persönlichkeit offensiv und transparent!

Über den Autor:
Frank Redenius ist Gründer und Gesellschafter der Personalberatung HUMANIAX in Köln. Nach einem Studium mit dem Schwerpunkt Arbeitsmarktmanagement an der Fachhochschule Mannheim war er mehrere Jahre als Arbeitsvermittler bei der Arbeitsagentur sowie internationaler Europaberater bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit tätig. Nach dem Wechsel in die Personalberatungsbranche folgte die Gründung von HUMANIAX mit zwei Geschäftspartnern. Durch die langjährige Expertise im Human Resources Consulting mit umfassenden Branchenkenntnissen verfügt Frank Redenius über ein umfassendes Know-how im Bereich Recruiting und Personalmarketing.