Marcus Tandler

Richtig bewerben



Viel hilft viel. Bewerber legen darum viel drauf Info-Reduktion ist gute Bewerber-Praxis. Verstehen Sie Bewerben als Zuarbeiten. Liefern Sie nur das Notwendige. Die Übererfüller sammeln keine Fleißpunkte; sie folgen dem falschen Konzept. Zur Erinnerung:

Anschreiben und Lebenslauf sind zwei vollständige, in sich abgeschlossene Kurz-Präsentationen. Die Infomenge überschneidet sich. Die Kernfakten sind identisch. Das Anschreiben ist ein Briefing, der Lebenslauf eine ideale Liste. Um jemanden einzuladen, reicht in der besten aller Bewerberwelten der Lebenslauf oder das Anschreiben. In der Kombination decken sie jedes Informationsbedürfnis ab. Wer Ihnen erzählt, dass man zum Bewerben mehr braucht, verkauft Ihnen Luftschlangen. Ihr Motto: A + L statt Bewerber-Lala. Was Sie noch beilegen, soll nicht den Faktenbestand erweitern, sondern ihn belegen.

Ihnen allein ist die Informationsauswahl und -zusammenstellung aufgetragen. Für Anschreiben und Lebenslauf gilt gleichermaßen: alle Schlüsselwörter einbauen. Nur darauf konzentriert sich das erste Screening. Zwischen 1500 und 1700 Anschlägen inklusive Leerzeichen für Einsteiger, 2000 bis 2100 Zeichen für Jobwechsler, mehr braucht Ihr Anschreiben nicht. Streichen Sie die Bezugnahme, die Höflichkeiten, das Verkäufer-Plappern, das alberne Begeistert-Sein und jede Art von Small-Talk. Auf engem Raum schaffen sie eine Kaskade an Argumenten. Das stärkste Argument, das für Sie spricht, kommt ohne Einleitung gleich nach der Anrede. Denken Sie sich Ihr Anschreiben als ein Geviert, das Sie so dicht es geht mit Fakten pflastern. Keine Angst: Sie überfordern damit keinen Jobanbieter. Je geringer das Schreibtalent, desto angesagter sind übrigens • Bullet-Aufzählungen und die Beschränkung auf 7-Worte-Sätze.

Die Kurzvorstellung im Anschreiben, so raten manche Kollegen, soll man noch auf einer Persönlichen Seite 3 ausweiten, auf der man dann dem Adressaten mehr über sich erzählt oder ihn über die eigene Motivation und Arbeitsweise informiert. Eine beliebte Überschriftensequenz lautet: Wer ich bin – Was ich kann – Was ich möchte. Dort, wo man so was propagiert (Maßnahmen des Arbeitsamts) herrscht meist ein irgendwie fröhliches Kinderhorttreiben. Wenn Sie Ihr Anliegen nicht auf einer Seite vermitteln können, dann bewerben Sie sich halt nicht schriftlich oder Sie beauftragen mich.

Manche Ausbildungsstätten und Firmen verlangen ein Motivationsschreiben: Bitte begründen Sie Ihr Interesse an einer Einstellung bei uns. Die Aufgabe lässt sich leicht lösen, aber nicht, indem Sie Ihrer Bewerbung ein Motivationsschreiben beilegen.

Ihr Lebenslauf ist Ihr Werdegang in seinem Jetzt-Zustand. Von heute aus betrachtet, sind manche Daten völlig unerheblich. Streichen Sie Praktika und ausbildungsbegleitende Jobs, wenn Sie schon im Beruf stehen. Verkürzen Sie die Einträge unter Ihren längst verblichenen Positionen. Wirklich relevant ist ja doch nur die Joberfahrung der letzten paar Jahre. Info-Reduktion heißt ganz banal: Wörter streichen. Setzen Sie den Rotstift an. Notieren Sie statt „Erstellung von Direktmailings“ einfach nur „Direktmailings“. Ihr Lebenslauf ist OK, wenn Sie weder Halbsätze noch Adjektive, sondern (so gut wie) nur Hauptwörter auflisten. Erläutern und Erklären hat noch keinen Bewerber ins Jobinterview gebracht. Vertrauen Sie den Fakten.

Ein separates Deckblatt und ein weiteres Inhaltsverzeichnis der Anlagen folgen der Idee, dass eine Bewerbung ein ganzes Dossier ist. Bewerben Sie sich mit einem kompletten und umfangreichen Dossier beim Kurfürstlichen Rentenamt von Hesse-Nassau. Verschonen Sie damit die Wirtschaft.

Gerhard Winkler, www.jova-nova.com