Marcus Tandler

Chef, ich find Dich scheiße!

Heute mal wieder etwas für die Chefs & Führungskräfte unter euch – ich habe ein spannendes Buch in die Finger bekommen -> “Was Ihre Mitarbeiter wirklich von Ihnen erwarten: Die Übersetzungshilfe für Führungskräfte” von Maren Lehky

Seien wir mal ganz ehrlich -> es gibt eine Menge ziemlich beschissene Chefs da draußen! Vom selbstverliebten Patriarchen, der bis zum 95sten Lebensjahr im Betrieb umherwuselt, und niemanden für gut genug hält, das aus dem Dreck aufgebaute Unternehmen nach seinem Abgang zu leiten, bis hin zum 24-jährigen frisch MBA diplomierten Start-Up Überflieger, der außer in der Kiste bisher noch keine wirkliche Führungserfahrung gemacht hat… Jaja, ich weiß – da ist ne Menge in between, aber ich glaube wirklich, dass die meisten Chefs totale Pfeifen auf dem Gebiet der Mitarbeiterführung sind, und genau all denen lege ich das Buch wärmstens ans Herz *hihi*

Ich fand das Buch wirklich sehr spannend, und ich hab Maren gebeten, mir 3 schnelle Fragen für ein JOBlogger´sches Quick & Dirty Interview zu beantworten:

1) Was zeichnet heutzutage einen guten Chef aus?

Als erstes, dass er sich der Führungsrolle mit Offenheit und Freude stellt. Einer meiner Leitsätze lautet: „Wer Menschen beschäftigt, kommt nicht umhin, sich mit Menschen zu beschäftigen.“ Wer keine Lust auf Kommunikation, Nähe, Emotionen, Verantwortung, das Treffen von Entscheidungen und das Leben von Konsequenzen hat, der sollte die Finger von einer Führungslaufbahn lassen und lieber ein Top Experte in seinem Fachgebiet werden. Wer jedoch die Bereitschaft für alle diese Themen mitbringt, kann die Techniken und Methodiken des Führens lernen und wird sicher ein guter Chef – jeder auf seine Art und jeder nach seinen Möglichkeiten.

Ein guter Chef hört zu, setzt den richtigen Mitarbeiter am richtigen Platz ein, gibt Feedback, sowohl positives als auch kritisches, geht konsequent mit Regelverletzungen im Team um, setzt Ziele und sorgt für ein Klima und eine Struktur, in der Ziele überhaupt erreichbar sind. Er stellt sich hinter sein Team, lebt die Unternehmensleitsätze und Grundregeln vor, delegiert angemessen, vertraut und agiert so, dass man ihm vertrauen kann.

2) In Ihrem Buch schreiben Sie, dass 19% der deutschen Arbeitnehmer keine “emotionale Bindung” zum ihrer Arbeit mehr haben, und innerlich bereits gekündigt haben. 68% machen nur noch den gefürchteten “Dienst nach Vorschrift”, und gerade mal 13% engagieren sich wirklich im Job. Wie kann man die emotionale Bindung an ein Unternehmen verbessern, und das Engagement seiner Mitarbeiter erhöhen?

Sie zitieren die Gallup-Studien, die jedes Jahr in großem Stil wieder durchgeführt werden. Und wenn man den Erhebungen folgt, dann ist viel gewonnen, wenn im oben beschriebenen Sinne geführt wird. Darüber hinaus trägt zur hohen Identifikation mit meinem Unternehmen bei, wenn ich verstehe, warum was wie gemacht wird, wohin wir wollen und was das Ganze mit mir zu tun hat. Es braucht die Übersetzung und Beantwortung all dieser Fragen – eine klare Führungsaufgabe, die gerade in Zeiten der ständigen Veränderungen häufig zu kurz kommt. Die umfassenden Übersetzungen aller Informationen kostet leider Zeit, die man sich selten nimmt. Und das wiederum führt dazu, dass man ganze Teile der Belegschaft verliert und die Lok immer schneller weiter fährt und niemand merkt, dass ein paar Waggons auf den Gleisen stehen bleiben. Die Lücke ist dann irgendwann nur noch mit großem Aufwand zu schließen.

3) Wer ist der bessere Chef – eine Frau oder ein Mann?

Beide haben per se vieles, was der Führungsrolle dient und können wunderbar voneinander lernen. Frauen hören mehr zu und genauer hin, sie gehen mehr auf Emotionen ein, sie kommunizieren und informieren umfangreicher und lassen mehr Meinungen gelten, lösen Konflikte frühzeitiger. Männer sind eindeutiger in klaren Ansagen, haben keine Scheu, sich auch einmal mit unpopulären Entscheidungen unbeliebt zu machen, nehmen ihre Führungsrolle und damit verbundene Statussymbole leichter an und investieren mehr Zeit in Netzwerke. Wer beides in sich vereint, ist sicher der beste Chef – unabhängig vom Geschlecht.

Lieben Dank Maren für das kleine aber feine Interview!

Maren Lehky

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3 Reaktionen zu “Chef, ich find Dich scheiße!”

  1. [...] Sie sind hier: Startseite » Lesetipps » Sei dein eigener Chef – Karrieretipps am Sonntag Vor einiger Zeit hatte ich schon über ein gutes Buch berichtet, welches ich jedem, der irgendwie für IT-Projekte verantwortlich ist, ans Herz lege. Heute hat Marcus im JOBlog einen guten Buchvorschlag gepostet. Schaut auf jeden Fall mal rein: Chef, ich find Dich scheiße! [...]

    Sei dein eigener Chef – Karrieretipps am Sonntag at webCONSUL am 7. February 2010 um 16:20 Uhr
  2. [...] Herr Mediadonis stellt in seinem Joblog ein Buch für Chefs vor, “Was Ihre Mitarbeiter wirklich von Ihnen erwarten: Die [...]

    Wochenend-Links für Angestellte | bo! hu? co. am 7. February 2010 um 22:47 Uhr
  3. Herr Mediadonis ist ganz weit vorne :-)

    Ich hatte schon beides Mann und Frau als Cheffe, jeweils im Vertrieb und es ist beides okay. Je nachdem wieviel Führungskompetenz die Personen mitbringen.

    Ein guter Chef schafft es das GANZE TEAM zu motivieren und keinen Neid und Missgunst aufkommen zu lassen. Damit die ganze Firma voran kommt.

    Und das kann auch der 80- Jährige Firmengründer mit Charisma sein, wenn er zeitig genug seine Nachfolge regelt.

    Tom am 8. February 2010 um 15:01 Uhr

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