Das „Big Business“ der Headhunter
Zum Wochenausklang, heute mal ein hervorragender Gastartikel von Yvonne Wirsing, der Geschäftsführerin von ExecutiveSearchConsultants.de.
Der Markt der Headhunter ist bislang ein sehr undurchsichtiger Markt. Wer als Angestellter Karriere machen will, sollte über die Entwicklungen im „verdeckten Stellenmarkt“ ganz genau Bescheid wissen.
Was genau ist der verdeckte Stellenmarkt?
Man bezeichnet damit den Markt der Besetzungen von Fach- und Führungspositionen, welche ganz diskret über Headhunter, Personalberater oder Executive Search Consultants besetzt werden. Bis dato ein Bereich, welcher sehr wenig transparent ist und bislang kaum von den strukturellen Entwicklungen des Internets erfasst wurde. Im Bereich der Fach- und Führungspositionen werden circa nur ein Drittel über den offenen Stellenmarkt besetzt – also mithilfe von Stellenausschreibungen in Printmedien, elektronischen Medien, Internetseiten des Arbeitgebers, Jobbörsen oder Business Networks. Der größere Teil, circa zwei Drittel der Besetzungen, kommt ganz diskret über eine Direktsuche also über einen Headhunter zustande.
Seit wann gibt es Headhunter und welche Bedeutung hat die Suche mithilfe eines Headhunters im Vergleich zum ausgeschriebenen Stellenmarkt?
Die Dienstleistung des Headhuntings ist in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs in USA bereits Anfang der 50er Jahre entwickelt worden – in Deutschland verzögert, bedingt durch das 1952 in Kraft getretene Arbeitsvermittlungsmonopol der Bundesanstalt für Arbeit. Das Headhunting hat sich mittlerweile zu einer eigenen Branche etabliert. In Deutschland generieren alleine die Top 20 Executive Search Firmen ein Umsatzvolumen von ca. 320 Mio. € in 2007. Die Zahlen für 2008 lagen bei 336 Mio. € – erneut ein Rekordergebnis nach dem starken Wachstum der vergangenen Jahre. Der Gesamtmarkt über alle Berater hinweg wird mit rund einer Mrd. veranschlagt.
Wie gehen Headhunter bei der Direktsuche vor?
Ein Personalberatungs-Unternehmen wird von seinem Klienten, dem suchenden Unter-nehmen beauftragt, einen Kandidaten eines bestimmten Erfahrungs- und Branchenprofils zu suchen. Zunächst beschreibt der Klient das Profil. Der Researcher stellt eine Zielfirmenliste zusammen, analysiert die Zielfirmen, in denen potenzielle Kandidaten vermutet werden, spricht diese telefonisch, via Mail, über Social- oder Business Network an und selektiert diese grob vor. Dieser Teil des Prozesses wird gelegentlich auch durch externe Dienstleister (Executive Researcher) vorgenommen.
Bei Eignung und Interesse findet ein persönliches Gespräch, das “Interview”, mit dem Kandidaten statt. Das Ergebnis dieses Interviews wird in einem “Vertraulichen Bericht” (auch: confidential report, personal paper, candidate letter) zusammengefasst. Die geeigneten Kandidaten werden dem Klienten später persönlich in der “Präsentation” vorgestellt. Aus dem Gespräch heraus ergibt sich dann, welche Kandidaten zum gemeinsamen Gespräch eingeladen werden.
Warum beauftragt man einen Headhunter überhaupt?
Es gibt vier Gründe um einen Executive Search Auftrag zu vergeben, also in die Direktansprache zu gehen.
- Erstens weil der Kunde eine bestimmte Person im Auge hat oder ein bestimmtes Unternehmen, wo gute Leute arbeiten, die in sein Profil oder Branche passen.
- Zweitens weil der Kunde vielleicht im Vorfeld schon selbst gesucht und niemanden gefunden hat.
- Zum Dritten weil es vielleicht eine Spezialistenposition ist, für die es am verfügbaren Markt kaum/keine Leute gibt.
- Viertens, weil der Auftraggeber so diskret wie möglich die Einstellung vornehmen muss/will, ohne dass Mitarbeiter, Wettbewerber oder ggf. der aktuelle Stelleninhaber davon Kenntnis bekommen soll.
Wie sehen die Interessenkonstellationen bei Headhunter-Positionen aus?
Die drei am Headhunting teilnehmenden Parteien haben gegensätzliche Interessen:
- Der Headhunter will im Allgemeinen mit möglichst geringem Aufwand das höchste Honorar erhalten
- Der Klient will den besten Kandidaten für das geringste Honorar und das geringste Gehalt erhalten
- Der Kandidat will den besten Job, bezüglich der Aufgabe, seiner Kompetenz und dem Gehalt.
Das gemeinsame Ziel: so schnell wie möglich den Kandidaten zu platzieren.
Rechtliche Aspekte beim Anruf des Headhunters am Arbeitsplatz
In Deutschland hat es in der Vergangenheit rechtliche Unsicherheit bezüglich Executive-Search-Dienstleistungen gegeben. Laut Urteil (Az.:I ZR 221/01) des für Wettbewerbsrecht zuständigen ersten Zivilsenats des Bundesgerichtshof ist der Erstkontakt zu fremden Mitarbeitern per telefonischer Ansprache am Arbeitsplatz als Teil des freien Wettbewerbs grundsätzlich erlaubt.
Wundern Sie sich aber nicht, wenn bei einem Anruf unter Ihrer Büronummer wenig Details preisgegeben werden. Dies kann juristische Hintergründe haben, da nach einem BGH Urteil zwar Anrufe von Headhuntern unter der Büronummer erlaubt sind, jedoch müssen diese sich auf den Austausch der Informationen beschränken, die für eine erste Kontaktaufnahme notwendig sind (BGH Az. I ZR 221/01).
Hinsichtlich der Notwendigkeit hat der BGH klargestellt: Der Headhunter dürfe die Gesprächspartner nicht auf Details aus dem Lebenslauf oder die bisherige berufliche Tätigkeit ansprechen. Wenn der Headhunter Ihnen erzählt, wie gut Sie auf eine Stelle passen, „umwirbt er Sie” in bereits wettbewerbswidriger Weise (BGH, Az. I ZR 183/04). Ein seriöser Headhunter wird Ihnen deshalb beim Ersttelefonat kaum Fragen stellen, sondern sich darauf beschränken, mit Ihnen ein Telefon-Termin außerhalb Ihres beruflichen Umfeldes zu vereinbaren.









Prima Beitrag! Sehr gelungen, interessant wäre es wenn noch ein paar ( Vermittlungzahlen ) dabei wären, wieviel den pro Berater per Jahr etc. vermittelt werden.
Ein guter Headhunter ist immer fast schon ein Freund/Partner des Bewerbers und betreut diesen ein Arbeitsleben lang.
So profitieren beide davon und man kann ganz strategisch Karrieren planen.
Auch wenn dies derzeit etwas schwieriger ist
- Schönes WE
TS
Hallo Herr Schulze,
danke für das positive Feedback. Wir stimmen vollkommen zu, dass ein guter Headhunter den Kandidaten selbst nach Anstellung nicht aus den Augen lässt, sondern weiterhin den Kontakt hält und mit Rat bei Seite steht.
Im Idealfall ergibt sich daraus eine persönliche Beziehung und ein “Win Win” für beide, denn der “Kandidat” wird selbst im Rahmen von Neueinstellungen als erstes auf die Dienstleistung des Headhunters, welchen er kennt und vertraut, zurück greifen.
Die Anmerkung zu den Vermittlungszahlen, lässt sich nicht so einfach pauschal beantworten, da die Schere von Beratung zu Beratung weit auseinander geht und in der Regel auch Firmen interne Daten sind. Wir haben einiges in unseren Akten und werden schauen, ob wir hier zahlenmässig noch etwas beitragen können.
Schönes Weekend Yvonne Wirsing , http://www.executivesearchconsultants.de
[...] (JOBlog): Yvonne Wirsing, Geschäftsführerin der Executive Search Consultants, gibt Tipps für den [...]
Das diese Branche boomt ist kein Wunder, man kommt kaum noch an qualifiziertes, zuverlässiges Personal ohne es aus anderen Firmen zu “klauen”, besonders wenn man ab mittleres Management aufwärts sucht.
Umsatzdruck bei Headhuntern verführt zu überzogenen Leistungs-Versprechungen
Die gegenwärtige Wirtschaftkrise mit massiven Einstellungsstopps führt bei vielen Headhuntern /Executive Search Beratern zu erheblichen Auftragsrückgängen.
Die Folge ist, dass neben der Freisetzung von Mitarbeitern bei vielen Executive Search Unternehmen Versuche unternommen werden, auch für bisher nicht bearbeitete Branchen oder Funktionen Aufträge zu erhalten. Mit dem Argument, dass Direct-Search im wesentlichen eine „Technik“ sei, mit der man grundsätzlich jeden Auftrag erfolgreich lösen könne, wird versucht, eine mangelnde Branchen- oder Funktionskenntnis zu überspielen.
Ohne Frage ist eine professionelle Search Technik von grundlegender Bedeutung für eine erfolgreiche Identifizierung von geeigneten Kandidaten. Nur allein reicht sie nicht aus, um mit hoher Zuverlässigkeit, tatsächlich die richtigen Kandidaten beim Auftraggeber zu platzieren. Branchen- und Funktionskenntnisse sind entscheidende Faktoren für die Bewertung von Bewerbern und die Beurteilung, ob sie tatsächlich in das neue Umfeld hineinpassen.
Da das Direct Search mit hohen Kosten verbunden ist und eine Fehlbesetzung weitere erhebliche Kosten nach sich zieht, ist bei der Auswahl geeigneter Headhunter daher eine besonders große Sorgfalt angeraten. Hilfestellung bei der Identifizierung besonders gut geeigneter Headhunter für spezifische Suchaufträge leisten Beratungsunternehmen wie z.B. Pabst Consulting/Executive Scout ( http://www.pabstconsulting.de ) Dort beobachtet man den Executive Search Bereich seit über 10 Jahren sehr intensiv, steht in regelmäßigem Kontakt mit einer Vielzahl von Beratern und ist daher in der Lage, gezielt Empfehlungen auszusprechen für Headhunter, die für anstehende Suchaufträge aufgrund ihrer bisherigen erfolgreichen Tätigkeit besonders geeignet sind. Auf diesem Wege ist ein hohes Maß an Sicherheit gegeben, dass ein Suchauftrag zuverlässig in einem angemessenen Zeitrahmen erfolgreich ausgeführt wird.