Marcus Tandler

Das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint!

Ui, schon wieder ein Jobbörsen-Vergleich- und dann auch gleich ein “Insider Bericht” mit dem reißerischen Titel “Dichtung und Wahrheit über deutsche Online Stellenmärkte“! Na für sowas bin ich doch immer zu haben, lechze ich doch stets nach neuen unabhängigen Vergleichen meiner Lieblingsbranche im Internet.
Was Roland Schatz uns da aber als Vergleich deutscher Stellenmärkte verkaufen will, ist nicht mehr als eine gutgemeinte, aber schlecht recherchierte PR-Aktion für die von Ihm gegründete Online-Jobbörse Jobmonitor.com (sie wissen schon, die mit dem fast identischen Logo wie IBM 🙂 ). Das sagt dann auch schon alles über die “Unabhängigkeit” dieser “Studie” aus 🙂

So verwundert es den aufmerksamen Leser dann auch kaum, dass Jobmonitor.com, zusammen mit den Jobbörsen der Bundesagentur für Arbeit (!!), Stellenmarkt.de und Stellenanzeigen.de von der Studie zu den innovativsten Jobsites mit den besten Ergebnissen für den Jobsuchenden gekürt werden. Na klar, wenn ich schon ne Studie für meine eigene Jobverticker-Bude schreibe, dann muss sie natürlich auch auf den vordersten Plätzen landen 🙂

Dennoch musste ich fast mehr über das Prädikat “Innovativ” im Zusammenhang mit der Nennung der wohl schlechtesten Jobbörse überhaupt – der Bundesagentur für Arbeit – herzlich lachen, so ist deren Suche für mich persönlich wirklich die schlechteste im weiten Feld der Online-Jobbörsen (mich würde wirklich mal interessieren, wieviel Prozent der Jobsuchenden dort Ihren Jobwunsch in die “Stichwortsuche” tippen 🙂 )

Worauf sich der Herr Schatz beruft, ist die Möglichkeit einer kombinierten Stichwort / Ort Suche, die seiner Meinung nach die besten Suchergebnisse auswirft.

Einige wenige innovative Stellenmärkte haben dieses Problem nicht nur erkannt, sondern auch schon praktisch gelöst. Die selbsternannten Marktführer sind hier jedoch nicht darunter.

Also zählt beispielsweise Monster nicht zu den “selbsternannten Marktführern“? Bei Monster findet sich exakt diesselbe Suchfunktionalität wie bei Jobmonitor.com – ebenfalls direkt auf der Startseite!
Da die “Studie” auch erst gerade erst vergangene Woche veröffentlicht wurde, bin ich mir ziemlich sicher, dass dies auch damals der Fall war!

Auch die Pseudo-wissenschaftliche Aufzählung der derzeit üblichen Suchfunktionen bei Online-Jobbörsen birgt einen Lacher: Browsing, Volltextsuche, und eine Erweiterte, kombinierte Suche sind also die gängigsten Suchfunktionalitäten – aha, ok – und dann gibt es noch “Versteckfunktionen” – bitte was? “Versteckfunktionen“?? Ah – “Usabilty Fehler (sic!) oder absichtliche Anwendung von Browsing oder Volltextsuche um alte Stellenanzeigen zu verstecken“. Die bösen Marktführer verstecken also alte Stellenanzeigen, um künstlich die Anzahl der Stellenangebote hoch zu halten. Schon wieder was gelernt!

Insgesamt ist die “Studie” aber dennoch lesenswert, was aber nicht an den wirklich lachhaften Ergebnissen und Schlußfolgerungen, sondern eher an der selbstverliebten Schreibweise liegt:

Aufgrund seines Insiderwissens behauptet Roland Schatz: „Ein Stellenmarkt ist nur dann erfolgreich, wenn Du als Bewerber tatsächlich die für Dich persönlich interessanten Jobs findest“.”

Im Sommer1995 brachte er mit dem Vorläufer von Jobmonitor.com den ersten Internet-Stellenmarkt im deutschen Sprachraum online. Heute wohnt und arbeitet Roland Schatz abwechselnd in Indien und Dubai.

Einfach geil 🙂

Sorry, wenn ich heut mal wieder ein wenig fies unterwegs bin, aber bei so einem Grandslam-Schmarrn kann ich einfach nicht anders 🙂

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