Marcus Tandler

Das Gehalt der Anderen

Seit dem Jahreswechsel müssen österreichische Stellenangebote ja Angaben zum Gehalt beinhalten – gesetzlich ist das wie folgt geregelt ->

Im Stelleninserat ist das für den ausgeschriebenen Arbeitsplatz geltende kollektivvertragliche oder durch Gesetz oder andere Normen der kollektiven Rechtsgestaltung festgelegte Mindestentgelt anzugeben. Diese Angabe hat

  • betragsmäßig,
  • unter Anführung der Zeiteinheit von Stunde/Woche/Monat,
  • ohne anteilige Sonderzahlungen,
  • unter Einrechnung personenbezogener Zulagen, die bereits zum Zeitpunkt der Ausschreibung bekannt sind (z.B. bei Vorarbeitern).

zu erfolgen.

Der Arbeitgeber kann im Stelleninserat auf seine Bereitschaft zur kollektivvertraglichen Überzahlung hinweisen.

Das Ganze ist natürlich etwas tricky, vor allem, wenn für den jeweiligen Beruf kein Kollektivvertrag vorliegt, in dem ja der jeweilige gesetzliche Mindestlohn aufgeführt ist. Für Jobs um die sich Personaler und Headhunter kloppen, wie bspl. talentierte Software- und Web-Developer, ist die Angabe eines Mindestgehalts mitunter eher abschreckend, auch wenn die meisten Stellenanzeigen Phrasen wie “Für Berufseinsteiger bieten wir ein Mindestbruttogehalt von € XX.XXX pro Jahr; darüber hinaus ist das Gehalt abhängig von Erfahrung und Eignung verhandelbar” verwenden, um zu signalisieren, dass gute Leute mit Erfahrung auch durchaus mehr verdienen können, als wie in der Anzeige angegeben.

Was meint Ihr – sollte die deutsche Bundesregierung hier mitziehen, und ebenfalls eine gesetzliche Pflicht für Gehaltsangaben in Stellenanzeigen schaffen? Ich hatte ja vor etwas längerer Zeit über eine vom Monster initiierte Umfrage gebloggt, die ergeben hat, dass sich immerhin satte 91% der Befragten eine Gehaltsangabe in Stellenanzeigen wünschen würden. Auch eine ähnliche Umfrage vom Bewerberblog ergab ein vergleichbares Ergebnis – wenigstens ein Mindestgehalt würde sich der Großteil der Befragten schon wünschen.

Ich bin mal gespannt, wie sich das Ganze entwickelt, und wie österreichische Personaler die Situation beurteilen, wenn ein paar Monate ins Land gezogen sind – es bleibt spannend!

Oh, und dann hab ich noch diese Social Interview Geschichte entdeckt – hier die Case Study kurz via YouTube visualisiert. Nette Idee der US amerikanischen Agentur R/GA, die auf den Facebook-Pinnwänden vorselektierter Bewerber Fragen über die Fähigkeiten ebendieser gepostet haben, um somit wertvolles und authentisches Feedback von deren Freunden einzusammeln. Schon eine Überwindung, einem potentiellen Arbeitgeber zu erlauben die eigene Pinnwand als Recruiting-Instrument zu verwenden… Aber die Frage ist, ob so wirklich ein authentisches Bild zustande kommt, denn welcher Freund grätscht einem schon in den Bewerbungsprozess, und äußert sich negativ… ?! Immerhin sind die Kommentare ja auch für den Bewerber sichtbar, und damit ein Streit vorprogrammiert, sofern negative Dinge geäußert werden… trotzdem natürlich durchaus spannend!