Marcus Tandler

Der Cyber-Cyrano

Leute mit viel Geld und wenig Zeit geben mitunter viel Geld dafür aus, eben jene kostbare Zeit zu sparen. Personal Assistents sparen Zeit, dadurch, dass sie einem lästige Dinge des Alltags abnehmen, ein teuer erflogener hoher Status bei einer Luftlinie erspart lästiges Anstehen und Early Check-ins (Superreiche können da mit einem eigenen Privatjet selbstverständlich nochmal ne Schippe Zeitersparnis drauf legen), und eine Fettabsaugung erspart dem ein oder anderen den Gang ins Fitnessstudio…

Nur eine mitunter durchaus zeitintensive Sache lässt sich nur schwer outsourcen -> die Partnersuche! Natürlich gibt es Speed-Dating, was vom Namen her zwar schnelles Glück verspricht, aber am Ende trifft man doch nur einfach in sehr kurzer Zeit viele Leute, die ebenfalls nicht viel Zeit haben. So hat man zwar schon mal eine Sache gemeinsam, aber nicht gerade etwas, was eine glückliche Zukunft miteinander abseits aufwendiger Outlook-Terminsynchronisationen verspricht…

Wenn´s auf mehr als ein attraktives Äußeres ankommt, kommt man nicht wirklich drumherum den Anderen entsprechend näher kennenzulernen – und sowas erfordert nun mal viel Zeit. Eine gute Abhilfe ist da schon mal Online-Dating, ein florierender Markt im Internet, der das kennenlernen und bezirzen wenigstens schon mal lokal & zeitlich unabhängig macht. Aber trotzdem, oder gerade weil das erste Beschnuppern nur virtuell stattfindet, muss dennoch noch immer viel Zeit für eMail hin & her investiert werden. Und weil man auch nicht darauf vertrauen kann, dass das angezeigte Foto auch wirklich die Dame des Herzens, und darüber hinaus auch aktuell (!) ist, macht es auch Sinn die Zeit zu investieren, um auch die vielbesagten inneren Werte zu ergründen – außer es geht halt doch nur ums Äußere, aber dann ist man als Investmentbanker mit chronischen Zeitmangel sowieso besser in einer After-Work Location mit großer Chef-Sektretärinnen-Dichte aufgehoben, als beim Online-Dating -> Mann mit Geld sucht Frau, die Mann mit Geld sucht.

Ok ok – der große Bogen ist gespannt, um endlich auf den Punkt zu kommen -> auf Spiegel Online habe ich nämlich heute einen sehr interessanten Artikel über einen Herrn mit einem ziemlich kreativen und ungewöhnlichen Job gefunden – darf ich vorstellen: Matt Prager, von Beruf “Cyber-Cyrano

Herr Prager nimmt Managern mit wenig Zeit die lästige Online Anbandelei ab, und erspart diesen zeitaufwändiges Online-Dating. Das klingt irgendwie wie eine stinknormale Partnervermittlung, aber weit gefehlt – Mr. Prager findet nicht nur den geeigneten Deckel für jeden Topf, sondern übernimmt auch gleich das Kennenlernen und Bezirzen! Quasi wie ein Personal Assistent, der in einer Bar die Frauen vorqualifiziert. Nur was im realen Leben wohl eher creepy wäre (außer vielleicht es handelt sich um einen Hollywood-Star), funktioniert im Internet ganz wunderbar.

Ist eine geeignete Frau dann identifiziert, und auch bereit für ein persönliches Meet & Greet, bekommt der Auftraggeber einen Spickzettel – quasi ein Executive Dating Summary – damit man auch genau weiß, wen man nun eigentlich vor sich sitzen hat. Mit Spickzettel, ein paar Tipps (bspl. mit welchem Thema & wie man am besten das Gespräch startet etc.) und ein wenig Coaching a´la “Hitch, der Date Doktor” kann dann ja nicht mehr viel schief gehen…

Laut Spiegel-Artikel verdient Prager für das Erstellen von Profilen und Date-Suche pro Kunde ca. 2.000 Dollar im Monat – da man leicht ein paar Kunden im Monat parallel betreuen kann, kann sowas schnell ein sehr attraktives Einkommen bedeuten. Und da man sich ja auch nie mit Frauen treffen muss, auch ein idealer Job, den man lediglich mit Laptop bewaffnet von überall auf der Welt aus erledigen kann.

Wirklich eine sehr coole und kreative Geschäftsidee, die das Date-Doktor & Personal Date Coaching Konzept noch einen Schritt weiterführt. Gut, das Marketing für diese doch recht unique Dienstleistung ist vielleicht etwas schwer, da die meisten Neukunden wohl eher durch Word-of-Mouth Marketing generiert werden, was wiederum erstmal glückliche und zufriedene Kunden voraussetzt, aber welche Geschäftsidee skaliert schon beim Start von 0 auf 100? Ich glaube, dass wenn man gut zuhört, und wirklich herausfindet, was derjenige eigentlich sucht, dann wird es auch nicht so schwer sein einen halbwegs passenden Deckel zu finden. Neu.de beispielsweise, eine der größten Singlebörsen in Deutschland wirbt mit über 5 Millionen Singles aus Deutschland – da findet sich bestimmt das ein oder andere halbwegs passende Date für den Auftraggeber – das Einzige was es wirklich kostet ist Zeit, und für genau die lässt man sich ja bezahlen!

Bitte keine Kommentare a´la -> “Wo bleibt da die Romantik” & “Ist doch alles nur fake” etc. – alles was hier fake ist, ist ja lediglich das im Online-Dating deutlich aufwendigere Kennenlernen – am Ende des Tages (bzw. am Ende der Dienstleistung) muss man immer noch selber der Dame gegenübersitzen, und sie von der eigenen Persönlichkeit begeistern – da hilft auch kein Date-Doktor!

Also -> Erster sein in Deutschland mit diesem Konzept -> ein paar glückliche & zufriedene Kunden -> ein Schuss gute PR-Arbeit, und schon ist der Drops gelutscht – Mr. Prager wird sich dank solcher Pressestimmen wohl auch kaum noch vor Neukunden retten können – all you need is Love!

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