Marcus Tandler

Der Gierschlund

Die BILD Zeitung hatte gestern eine “Galerie der Gier-Banker” veröffentlicht, mit neun schmissig lächelnden (Ex-)Bankern, die zwar alle ihren Job verloren, aber eine saftige Abfindung und / oder Rente “verdient” haben.

Wirklich krass, wenn man so liest, was für unterirdische Performances diese Typen abgeliefert haben, aber dennoch so dermassen viel Cash in den Ar*** geschoben bekommen, dass man wirklich an der geistigen Verfassung derjenigen zweifeln muss, die solche Verträge mit diesen Business-Kaspern ausgehandelt haben…

Typen wie Stefan Ortseifen, der als Chef der Mittelstandsbank IKB Milliarden durch dubiose Spekulationen mit Immobilienkrediten verbrannt hat, aber dennoch nun Anspruch auf eine Pension von schier unglaublichen 33.916 Euro im Monat (!!) hat!

Anzugträger wie Georg Funke, der als ehemaliger Hypo Real Estate Chef Mitauslöser der bislang größten deutschen Bankenkrise war, und während seiner Amtszeit Milliarden von Euro aus dem Fenster geschmissen hat – wurde zwar 2008 rausgeschmissen, aber gibt sich nicht mit seiner monatlichen Rente von sagenhaften 46.666 Euro (!!) zufrieden, und streitet sich weiter mit der HRE um 3,5 Millionen Euro, die ihm angeblich auch noch zustehen… Einen Sinn für Moral und Anstand kann er sich zwar nicht mit den Millionen kaufen, aber wer braucht sowas schon, wenn man den Pakt mit dem Teufel bereits eingegangen ist…

Machen wir weiter mit der HRE, denn um dieses Paradebeispiel für Missmanagement will es ja einfach nicht ruhiger werden… Der oben bereits erwähnte Herr Funke wurde nämlich 2008 durch Axel Wieandt ersetzt, der es aber wiederum nur 18 Monate auf dem Chefsessel ausgehalten hat, und sich vor kurzem wegen “unterschiedlicher Auffassungen bezüglich der Geschäftsleitung” wieder gen Deutsche Bank Vorstand verabschiedet hat. Den wahren Grund für dessen Abgang sieht der Stern in seiner bis zuletzt gierigen Beharrlichkeit auf hohe Sonderzahlungen nicht verzichten zu wollen. In einem Interview mit der ZEIT betonte er auch stets, dass Boni im Sinne des Steuerzahlers seien… natürlich sind sie das Du realitätsfremder Gierschlund!

Warum sollte man ihm auch keinen Bonus gönnen, nachdem er die Bank trotz staatlicher Hilfen von mehr als 92 Milliarden Euro (!!) in ein Fass ohne Boden verwandelt hat? Und die reichten ihm noch nicht einmal, so drohte er dem ehemaligen Finanzminister Peer Steinbrück mit Lehmann Brother´esquen Schreckenszenarien, wenn er nicht noch mehr Milliarden Steuergeld in den Rachen geworfen bekommt. Gut, der Punkt ist valide, denn eine mit Steuergeldern prall gefüllte Bank, die einen Börsenwert von gerade mal 318 Millionen hat, ist nun mal ein attraktiver Übernahmekandidat. Und das natürlich nicht für einen Unternehmens-Sanierer, sondern jemanden, der das Ding filetiert, und sich nur die schönsten Stücke nimmt. Glaubt ja sowieso kein Schwein, dass man so ein marodes Ding noch irgendwie in die Gewinnzone bekommt…

Herr Wieandt glaube das jedenfalls auch nicht, und verdrückte sich mit seinem Abschieds-Bonus von 375.000 Euro, und selbstverständlich auch einem dicken fetten Grinsen. Denn ab dem 60sten Lebensjahr zahlt ihm die HRE eine schöne monatliche Rente von 19.840 Euro (!) – wer würde da nicht den ganzen Tag breit grinsen, und sich über die doofen Steuerzahler lustig machen, die ihm seinen Altersruhestand finanzieren. Genau jener doofe Steuerzahler, der bis zum 67sten Lebensjahr schuften muss!

Ich bin echt sauer, und nicht aus Neid, den mir hier jetzt bestimmt ein paar Leser attestieren werden, sondern einfach weil ich es unverantwortlich finde, wie Politiker mit unserem Steuergeld umgehen, und rotzfrechen Bänkern ihr goldenes Klopapier finanzieren, und ihnen damit noch den Hintern abwischen!

Wieso werden in Deutschland Arbeitnehmer wegen Kleinstbeträgen fristlos vor die Tür gesetzt, aber Bänker, die auf ganzer Linie versagt haben, bekommen sogar noch Millionen hinterhergeschmissen? Wieso dürfen Bänker ihre Millionen-Boni behalten, obwohl sie nur Steuergeld verzockt haben? Einen Bonus sollte man doch per definitionem nur erhalten, wenn man für das Unternehmen entsprechende Gewinne erwirtschaftet hat, und nicht solche, die nur auf dem Papier existieren, und das ganze Unternehmen dann schlußendlich sogar in den Ruin treiben…

Naja, die schlechte Presse wird verhallen, und auch dieser Blogpost wird wohl nicht wirklich etwas ändern… wer zuletzt lacht, lacht ja bekanntlich am besten, und das werden wohl auch in Zukunft die Bänker sein.

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3 Reaktionen zu “Der Gierschlund”

  1. ich frage mich auch immer, wie diese Typen an ihre Jobs kommen, viele von denen sind doch einfach total unfähig, die ausgehandelten Verträge unterstützen diese Unfähigkeit noch durch enorme Abfindungen, sofort hartz IV für diese versager

    normen am 9. December 2010 um 19:55 Uhr
  2. geschickt gemacht, der Herr ;-)

    Friday am 9. December 2010 um 20:27 Uhr
  3. Tja, aber nicht nur bei den Banken gibt es sowas. Ich habe letztes Jahr noch in einem prosperierenden Unternehmen gearbeitet und auf einmal wurde es verkauft. Die Herren Vorstände und der Aufsichtsrat hatten sich noch vor dem Übernahmeangebot mit Aktien zu 3.00 Euro je Stück eingedeckt und kurz darauf wurden von dem kaufenden Unternehmen 15.00 Euro dafür geboten. Es war klar, dass das Unternehmen zerschlagen werden sollte und wir vor die Tür gesetzt werden. Mein Chef hat den Vorstand, das war herrlich die Gesichter zu sehen, in einem Meeting dann auf den Insiderhandel angesprochen. Die Herren Vorstände sagten dann, dass sie die Aktien nur gekauft hätten, weil sie in die Zukunft des Unternehmens großes Vertrauen gehabt hätten. (Klar doch!) Aber es sei nun mal alles anders gekommen. Am nächsten Tag wurde mein Chef freigestellt und kurz darauf gekündigt. Naja, ich bin dann mit ihm zu einem anderen Unternehmen gewechselt, aber ich denke, dass Vergleichbares auch hier jeden Tag passieren könnte. Die öffentliche Moral in Deutschland ist am Boden… und das in allen Bereichen.

    Hier ging es zwar nicht um Steuergelder, aber auch hier haben sich die großen Herren auf Kosten der Kleinen die Taschen prall gefüllt. Du hattest mal in einem Interview gesagt, dass deine größte Leistung das Erreichen deiner finanziellen Unabhängigkeit ist. Da hast du verdammt nochmal recht.

    In diesem Sinne… Grüße Thorsten

    Thorsten Dier am 10. December 2010 um 15:20 Uhr

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