Marcus Tandler

Der verkorkste Glassdoor Deutschland-Start

Die kalifornische Job-Community Glassdoor hat Ende letzter Woche eine deutsche Plattform gelauncht. Neben Stellenangeboten ist der besondere Twist an Glassdoor die Möglichkeit der Bewertung von Unternehmen, sowie die Aggregation von Gehältern, die Community-Mitglieder anonym auf der Plattform offenbaren können.

Glassdoor ist geradezu feudal finanziert, so haben 7 Investoren (u.a. Google und Benchmark) in satten 6 Finanzierungsrunden über 160 Millionen Dollar für das Wachstum der 2007 gegründeten Firma bereitgestellt.

Das Blog- & Medienecho für den Deutschlandstart fällt eher ernüchternd aus – Henner, Jan, Marcus, Eva und vor allem Stefan malen allesamt recht düstere Szenarien. Aber auch zurecht, so ist das offenlegen von Gehältern in Deutschland ja geradezu verpönt und kann flächendeckend ausgerollt einen wahren Flächenbrand verursachen. Wer liest schon gerne, dass das eigene Gehalt deutlich niedriger als das geschätzter Kollegen ist?

Ob das Ganze in Deutschland so gut wie in anderen Ländern funktioniert – I guess only time will tell… Ich glaube, dass GD es schwer haben wird gegen das sympathische Team von Kununu, die vor ziemlich genau zwei Jahren von XING gekauft worden und dort bereits vielerortens integriert sind. Bei der (möglichst objektiven) Bewertung von Unternehmen ist das wichtigste Kriterium ja immer noch die Anzahl entsprechender Bewertungen und die muss GD erstmal mühsam aufbauen.

Die deutsche Glassdoor Seite lädt auch nicht gerade zu übermässiger Interaktion ein. Teilweise dilettantisch lokalisiert und unendlich viel Schrott unter den dargebotenen Stellenangeboten. Mal schnell ne XML Schnittstelle andocken macht halt noch keine Jobbörse. Gerade die vielen fehlerhaft integrierten Jobs und Weiterleitungen auf Portale, die das Anschauen der Stellenanzeige erst nach Anmeldung erlauben, vermiesen den Spaß an der Jobsuche und vergraulen neugierige Jobsuchende.

Insgesamt ist man einfach ohne viel Liebe zu Werke gegangen – bis hin zu den AdWords Anzeigen, die bei einer Brand-Search nach “Glassdoor” den Titel “Glassdoor.de Offiziellen” haben… aha… auch die Anzeigen sind also wohl nur schnell-schnell lokalisiert worden.

Nicht umsonst fragt Eva, ob GD den Deutschlandstart nicht bereits total vermasselt hat. Meiner Meinung nach ein eindeutiges Ja – lieblose Lokalisierung, billig hingerotzte aggregierte Stellenanzeigen – mit so vielen Millionen hätte man das sicherlich sauberer exekutieren können. Das aktuelle GD braucht kein Mensch.

3 Reaktionen zu “Der verkorkste Glassdoor Deutschland-Start”

  1. Hallo,

    ich frage mich, ob das Konzept insgesamt angenommen wird -egal ob kununu oder Glassdoor.

    Im Moment sind die Gehaltsangaben sehr amüsant – als Senior bei EY verdient man angeblich 40K…. und weniger als ein Junior. Da müssen noch etliche Zahlen her.

    Zur Qualität: Die regionalisierte Seite hat sicherlich noch Arbeit vor sich, aber Facebook ist auch nicht mit guter Qualität groß geworden :-)

    lG
    Stephan

    Stephan am 23. January 2015 um 09:30 Uhr
  2. Zitat:
    “Die deutsche Glassdoor Seite lädt auch nicht gerade zu übermässiger Interaktion ein. Teilweise dilettantisch lokalisiert und unendlich viel Schrott unter den dargebotenen Stellenangeboten.”
    Da stimme ich 100 % zu.Man sollte niemandem raten, mit solchen unsinningen “Benchmarks” (s. Kommentar Stephan), (z.B. auch von Personalmarkt oder Kienbaum) in eine Gehaltsverhandlung zu gehen.Das geht garantiert schief. Zum angeblichen Gehälter-Tabu habe ich hier einen Link gefunden:
    http://www.sueddeutsche.de/karriere/gehaeltervergleich-verdienst-der-kollegen-kein-tabu-mehr-1.987756
    Beste Grüsse
    Walter F.W. Michelmann

    Walter Michelmann am 23. January 2015 um 11:39 Uhr
  3. Nachtrag zum Stichwort “Interaktion”. Zitat:
    “Die deutsche Glassdoor Seite lädt auch nicht gerade zu übermässiger Interaktion ein. Teilweise dilettantisch lokalisiert und unendlich viel Schrott unter den dargebotenen Stellenangeboten.”
    Z.Zt. gibt es weder national noch international Plattformen bzw. “geschlossene Usergroups”, die sich anonym über ihre Gehälter-Daten austauschen können. Weder Xing noch LinkedIn bieten dazu Möglichkeiten an.Das fehlt absolut.Es herrscht immer noch die irrige Meinung, das dürfe man nicht.Die Zeiten sind aber vorbei.
    Beste Grüsse
    Walter.F.W. Michelmann
    http://salarydataexchange.net

    Walter Michelmann am 23. January 2015 um 12:01 Uhr

Ihre Meinung dazu:

Bitte lesen Sie vorm kommentieren meine Nutzungsbedingungen!





Hinweis: Ihre E-Mail-Adresse wird später nicht angezeigt. Kommentare können mit den üblichen HTML-Befehlen formatiert werden. Der Blogbetreiber behält sich allerdings vor, diese ungefragt zu löschen. Kommentare, die eine werbliche Absicht verfolgen – vor allem wenn diese als Werbung nicht kenntlich gemacht oder in der Absicht erstellt wurden, Betreiber und Leser über die wahre Absicht zu täuschen, werden ggf. in Rechnung gestellt.