Marcus Tandler

Doktortitel



In Europa hat Deutschland den Ruf, ein Land der Titel zu sein. Und allen Titeln voran steht der Doktortitel. Es gibt wahrlich in keinem anderen Land eine solche Fülle an Titeln, seien es akademische oder adelige. Dementsprechend angesehen ist ein solcher Titelträger auch in der Gesellschaft. Und auch in der Arbeitswelt kann ein Doktortitel einen wahren Sprung auf der Karriereleiter auslösen, und einen sogleich einen Karriereschritt weiter bringen. Doch nicht jeder hat die Begabung, die Chance oder die Zeit, zurück zur Universität zu gehen, um eine Doktorarbeit zu schreiben.
Deshalb hat sich in den vergangenen Jahren ein ganzer Industriezweig entwickelt, der eben mit diesem Klientel sein Brot verdient. Das Ghostwirtertum.

Ein Ghostwriter ist ein Autor, der unter fremdem Name, für eben diese Person und mit dessen Zustimmung Texte verfasst. Das sogenannte Ghostwriting wird oft angewendet, wenn Berühmtheiten ihre Autobiographien veröffentlichen wollen, es bei ihnen aber an Talent zum Schreiben mangelt, oder aber an Zeit. Ghostwriter kommen auch dann zum Einsatz, wenn sich ein Buch alleine durch den starken Namen eines berühmten Autors verkaufen ließe. Der Verlag benutzt dann eben diesen berühmten Namen um von anderen Autoren geschriebene Werke zu verkaufen. Ghostwirter können aber auch eine unterstützende Funktion innehaben, und etwa einen Autor mit Recherchetätigkeiten unter die Arme greifen, oder ihm aber bei einfacheren Passagen zur Seite stehen. Dieses Beispiel kommt of in der Wissenschaft zur Anwendung, wenn wissenschaftliche Mitarbeiter ihrem Professor bei dessen Werk unterstützen. Meist finden diese Ghostwriter dann eine Erwähnung im Vorwort, im Abspann oder in der Danksagung. Nur weil ein Buch durch, oder mit Hilfe eines Ghostwriters geschrieben wurde bedeutet die nicht unbedingt, dass der eigentliche Autor keine wesentliche Arbeit gemacht hat. Manchmal ist ein Ghostwriter auch nur dafür zuständig, dass Werk am Ende in eine reine und anschauliche Form zu bringen.

Im Falle einer Arbeit zur Erlangung eines Doktortitels ist dies jedoch offiziell nicht zulässig, da sie vollkommen selbständig verfasst werden muss. In der Wissenschaft stellt eine Doktorarbeit oder auch Dissertation ein Dokument dar, durch das sich der Autor befähigt, ein Forschungsthema innerhalb seines Forschungsschwerpunkts in einer angemessenen Art und Weise so tiefgründig zu bearbeiten, dass er quasi Neuland in der Forschung betritt. Am Ende seiner Forschungszeit veröffentlicht er seine Arbeit und muss sie vor einem Ausschuss “verteidigen”. Dadurch werden die erarbeiteten Thesen und Erkenntnisse noch mal in mündlicher Form abgeprüft und es wird sicher gegangen, dass der Doktorand auch wirklich eine fachlich fundierte Ausbildung in seinem Forschungsgebiet genossen hat, und sich den Doktortitel quasi verdient hat.
In der Regel benötigt ein Doktorand für seine Doktorarbeit einen Zeitraum von 2-3 Jahren, wobei er sich noch mal fast die Hälfte seiner Regelstudienzeit mit einem bestimmten Thema befasst.
Zwar kann man durch aus über das Internet an fähige Autoren kommen, die einem die Arbeit abnehmen könnten, dennoch wird es immer auffallen, wenn man die Arbeit nicht selber abgeliefert hat.

Das Geschäft mit den Doktortiteln ist nicht erst seit Konsul Weyer jedem Personalschef ein Begriff und da es sehr schwierig ist, mit “nicht ganz koscheren” Mitteln an einen erschlichenen Doktortitel einer deutschen Universität zu kommen, haben eben diese auch oft eine Verbindung zu exotisch anmutenden Bildungseinrichtungen. Und eben da werden die Personalchefs hellhörig.
Ein ebenso wichtiger Punkt ist der eigentliche Sinn eines Doktortitels. Er attestiert einem, ein Experte einer bestimmten Fachrichtung zu sein, weswegen man auch für bestimmte Posten ausgewählt wird. Ist dann das erhoffet Fachwissen nicht vorhanden, kann man sich sehr schnell blamieren und ins Abseits befördern.