Marcus Tandler

Eva´s Welt – Europapolitik à la Careerbuilder

Eigentlich könnte ich es mir leicht machen und hier auf die Careerbuilder Story verweisen. Wer möchte, kann sich das auch gerne durchlesen. Aber meistens sind solche About-Seiten werbe- und PR-lastig, und es geht doch nichts über ein paar hausgemachte, wohlgemeinte Anmerkungen, um die Gegebenheiten ins wahre Licht zu rücken 😉

Wie ich erst kürzlich durch den Gründer der lateinamerikanischen Jobbörse LatPro, Eric Shannon, dank seines Kommentars erfuhr, startete careerbuilder in den USA anscheinend genauso wie in Deutschland: Stellenanzeigen wurden aus anderen Stellenmärkten ins eigene Board kopiert.

Zwischen 2000 und 2003 wurde in den USA mächtig ausgebaut, vor allem da die Verlage Tribune Company, Knight Ridder und Gannett kräftig Anteile erwarben. 2006 und 2007 teilen der Verlag McClatchy und Microsoft die restlichen Prozentanteile von careerbuilder unter sich auf – und vergangenes Jahr dachte McClatchy über einen möglichen Rückverkauf seiner Aktien.

Der europäische Markt wird 2003 in Form von Kooperationen angegangen (das scheint Usus zu werden, wenn man sich z.B. die aktuellen Aktivitäten von Totaljobs ansieht… aber mehr wird noch nicht verraten): Zuerst wird eine Partnerschaft mit der britischen Seite Jobsite eingegangen, dann gibt es die Zugehörigkeit zur European Recruitment Alliance (ERA), ein internationales Jobbörsen-Netzwerk, das übrigens seit seiner Gründung eher durch Inaktivität statt Initiative brilliert (kommt da mal wieder was?).

Vor zwei Jahren werden dann nationale Careerbuilder Boards in den UK, Kanada und Indien und lanciert gleichzeitig Partnerschaften mit dem chinesischen Stellenmarkt 51job.com und dem indischen Marktführer Naukri geschlossen. Naukri ist übrigens seit vielen Jahren Partner in The Network, aber exklusive Deals scheint es in der Online-Jobbörsenwelt sowieso kaum zu geben. Jede Kooperation könnte ja noch etwas mehr Traffic und Gewinn bringen. Durchaus verständlich im Sinne der Anbieter, aber verwirrend für den Endkunden.

Ab 2006 geht alles schneller: Die deutsche Version wird gelauncht, in den Niederlanden wird die Seite Jobbingmall.nl übernommen, in Schweden Jobbuiden.se. Da beide Marken an den jeweiligen Märkten bekannt sind, wird die Seite lediglich in careerbuilder Farben getaucht, aber nicht komplett plattgewalzt. Gute Entscheidung. Gleiches Vorgehen beim Kauf der griechischen Kariera.gr, auch wenn die Umgestaltung der Website Ewigkeiten dauert (seit einer Woche können dort endlich wieder Anzeigen gepostet werden. Hat ja nur drei Wochen länger gedauert als angekündigt…!). Ende 2007 dann der französische Start. Laut einem Blogger werden zum Launch wieder einmal Anzeigen von anderen Jobbörsen „eingesaugt“, was careerbuilder zunächst eher als Jobsuchmaschine erscheinen lässt als eine Vollblut-Jobbörse.

Dieses Jahr fällt der US-Gigant vor allem durch schlechte Werbevideos:

und technologische Neuerungen (die nicht unbedingt immer gelungen sind) auf.

Und dann war da natürlich noch die Sache mit Frankreichs LesJeudis, der Gruppe, die ihre Finanzspritze dank der Mutter des CEOs erhält 😉

Und da habe ich gerade noch bei meiner Recherche entdeckt, dass eine norwegische Dependance ins Netz gestellt wurde. Die Anzeigen werden teilweise recht abenteuerlich dargestellt. Auch hier scheint der Kick-off etwas verfrüht kommuniziert worden zu sein.

Jedenfalls scheint sich careerbuilder nun etwas mehr Mühe zu geben, um in Europa groß zu werden. Schaun mer mal.

Zum Schluss die News aus Frankreich/ Lyon:

Ganz Gallien wird vom Ferienschlaf besetzt. Ganz Gallien? Nein, die unbeugsame internationale Abteilung der Lyoner HR-Agentur arbeitet unermüdlich und trotzt der französischen Sommerfaulheit (diesmal mit Klimaanlage *bibber* 😉

Falls Sie dieses Thema interessiert, sollten Sie auch lesen: