Frauenmangel in Führungsetagen
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat gestern eine interessante Studie mit dem Namen Frauen an der Spitze: “Vielfältige Ungleichheiten” veröffentlicht. Die Studie belegt, dass in Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten der Frauenanteil in der ersten Führungsebene gerade mal 4% beträgt! Noch gravierender ist die Erkenntnis, dass eben diese 4% Frauen auch noch im Durchschnitt weniger verdienen als die männlichen Führungskräfte.
Das Institut postuliert, dass die geringere Anzahl an Führungskräften darauf zurückzuführen sei, dass sich Frauen weniger für technische Studiengänge entscheiden, sowie auch weniger Wochenstunden arbeiten wie ihre männlichen Kollegen. Dies ist wahrscheinlich auf Frauen mit eigener Familie zurückzuführen, die sobald der Nachwuchs da ist, nur noch halbtags arbeiten können, und sich daher nicht um ihre Karriere kümmern können. Frauen in Führungspositionen haben mehrheitlich auch einen Mann, der selbst Führungskraft ist (starke und erfolgreiche Frauen suchen ebensolche Männer, oder?), und daher überrascht es wenig, dass eben diese Frauen durchschnittlich seltener Familie und Kinder haben, wie die Männer. So lebten 2004 gerade mal 32% der weiblichen Führungskräfte in einer Familie mit Kindern, wohingegen es bei den Männern 53% sind (was ich persönlich aber für sehr wenig empfinde…).
Ein Blick über den großen Teich zeigt ein ähnliches Bild – zwar besteht dort die arbeitende Bevölkerung zu 46% aus Frauen (bei einer Gesamt-Frauenquote von immerhin 59%!), aber nur acht (!) der Fortune500 Unternehmen haben einen weiblichen CEO! Und 67 der 500 Unternehmen haben sogar überhaupt keine Frau in der ersten Führungsebene!
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Die Headline war für mich aber ganz schön verwirrend: “Frauenmangel in Führungsetagen”. Ich habe da spontan an den VW-Konzern gedacht und “befürchtet”, dass die Nachschublogistik für Damen aus dem horizontalen Gewerbe ins Ruckeln gekommen wär …
lol
Hallo Marcus,
dass es so wenig Frauen in Führungspositionen gibt, hat verschiedene Gründe – Frauen sind nicht so gut vernetzt wie Männer, sie haben kein Selbstrekrutierungssystem, um es mal etwas gehässig auszudrücken. Viele Frauen setzen Macht mit Machtmissbrauch gleich und streben deswegen nicht ganz nach oben. Ihnen ist auch der Preis für diese Art der Karriere zu hoch. Dann kommt nach wie vor zum Tragen, dass viele Männer starke Frauen nicht ertragen können. Sie geben es aber nicht zu. Bei Männern wird selbstbewusstes Auftreten viel positiver bewertet. Ist eine Frau selbstbewusst, dann gilt sie als “Emanze” und ihr wird jegliche soziale Kompetenz abgesprochen, sodass die Führungsposition deshalb nicht mit ihr nicht besetzt werden kann. Eine Frau gilt als sozial kompetent, wenn sie sich anpasst, flexibel und diplomatisch ist. Ein Mann gilt als sozial kompetent, wenn er sich durchsetzt. Selbst dann, wenn sich eine Frau für einen typischen Männerberuf entscheidet, wird ihr der Einstieg in den Beruf schwer gemacht – eine Studie des IAB zeigt das. Dass Frauen in ihren Gehaltsvorstellungen zurückhaltender sind, liegt daran, dass sie froh sind, überhaupt den Job zu bekommen und sie wollen sich durch “zu hohe” Gehaltsforderungen ihre Chancen darauf nicht verscherzen. Da man(n) im Grunde genommen die Macht nicht mit Frauen teilen will, schiebt man Scheinargumente vor. Angeblich sind die an einer Führungsposition interessierten Frauen dafür nicht qualifiziert genug. Mit Krokodilstränen in den Augen wird beteuert, wie gerne man die Stelle mit einer Frau besetzen würde, doch leider hätte sich keine einzige qualifizierte Frau darauf beworben.
Wer weiß, wann eine Frau als “zu teuer” und ab welchen Gehaltsvorstellungen ein Mann nicht eingestellt wird, weil dessen Gehaltsvorstellungen dem Arbeitgeber zu hoch sind. Genau weiß ich es nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass Frauen bei einer geringeren Gehaltsvorstellung als zu teuer gelten als Männer mit einer vergleichbaren Qualifikation. Das passt ja gut zu einem Land, das die Versorgungsehe durch das Ehegattensplitting steuerlich fördert, in der Gesellschaft eine Rabenmutterdebatte losgetreten wird und Frauen im Falle der Arbeitslosigkeit in Sachen qualifizierte berufliche Weiterbildung von der Agentur für Arbeit benachteiligt werden.
Erfolgreiche Männer haben Frauen, die ihnen den Rücken freihalten. Frauen haben das nicht (ein Mann, der ihnen den Rücken freihält). Wenn sie in einer Partnerschaft leben, dann kommt es sogar vor, dass ihr Partner ihnen in den Rücken fällt. Will ein Mann sich selbstständig machen, dann hilft oft die Freundin in der ersten Zeit unentgeltlich mit. Will eine Frau sich selbstständig machen, dann fallen dem Partner 100 Gründe ein, warum die Geschäftsidee eine Schnapsidee ist, die niemals funktionieren kann.
Na, jetzt bin ich mal gespannt, wieviel Prügel ich für meine emanzipatorischen “Ausfallerscheinungen” beziehe
Ciau,
Ute