Marcus Tandler

Freiberufliche Sternsinger?

Gestern Abend war ich mit zwei Mädels aus meinem ehemaligen Abi-Jahrgang im Münchner Glockenbachviertel etwas trinken, und dabei ist uns etwas lustiges passiert… so gegen 21 Uhr betraten 2 als Nikoläuse verkleidete Kinder (so zwischen 10 und 12) in Begleitung eines etwas älteren Mädels das Café in dem wir saßen, und fingen an ein Weihnachtslied zum Besten zu geben. Ok, Ok – berichtigen wir gleich mal die Key-Elemente dieser Story:

-> “als Nikolaus verkleidet” – die beiden Kids hatten ein schnödes Cape an, und eine billige Nikolausmütze auf.
-> “ein Weihnachtslied” – das “Weihnachtslied” war eine dahingerotzte 10 Sekunden Strophe

… nach dem “Weihnachtslied” ging der jüngere der beiden Kids an die Tische im Café heran, und hielt den Gästen eine billige mit Alufolie umwickelte Tasse vor die Nase, woraufhin sich fast jeder der Gäste mit einem Lächeln etwas Kleingeld spendete. Ich würde mal davon ausgehen, dass mindestens 40 der Gäste etwas in die Tasse geworfen haben, ein paar Omis hatten sogar vor Rührung Tränen in den Augen und ließen gleich nen Schein springen!

Ich hatte mir bis zu diesem Zeitpunkt noch gar keine großartigen Gedanken hinsichtlich der Situation gemacht, da ich der ganzen Sachen keine wirkliche Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Dann aber bekam ich mit, wie einer der Gäste den kleinen Jungen fragte, von welcher Gemeinde er käme, woraufhin dieser etwas erstaunt angab zu keiner Gemeinde zu gehören, und dieses Sternensingen nur privat mache! Wie krass ist das denn bitte?

Laut Wikipedia, sind Sternsinger

als Heilige Drei Könige gekleidete Menschen, die in der Zeit vom 27. Dezember bis zum 6. Januar Geld für wohltätige Zwecke sammeln.

Am gestrigen 6.Dezember, also dem Nikolaustag, gibt es also normalerweise gar keine Sternsinger, und ich nehme auch nicht an, dass diese Kids den gesammelten Betrag irgendeiner wohltätigen Organisation spenden!

Und an so einem Abend kommt sicherlich ein nettes Sümmchen zusammen, vor allem, wenn man durch ein so gut mit Bars, Kneipen und Cafés gespicktes Viertel wie dem Münchner Glockenbachviertel zieht. Die ganze Aktion hat sowieso gerade mal 5 Minuten gedauert -> 10 Sekunden “singen”, und dann das Geld einsammeln… Allein in unserem Café waren es wohl bestimmt an die 50 Euro Gewinn – das multipliziert mit sagen wir mal 10 bis 15 Bars => BINGO! Mindestens 500 Euro Gewinn (minus der 2 Euro für die Nikolausmützen ein netter Ertrag!).

Das nenne ich mal geschäftstüchtig – und die Steuer bekommt davon sowieso nix mit (hierzu gibt´s bei Thorsten übrigens eine etwas ähnliche Story). Wirklich eine dreiste Sache!!

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