Für eine Handvoll Euro extra | Eine Case-Study
Anja hat im Personalmarketing Blog einen hervorragenden Artikel veröffentlicht -> Arbeitgeberbewertungsportale aus der Sicht einer Studentin – wirklich eine nette Idee!
Stammleser meines Blogs werden ja sicher wissen, dass ich diesen Arbeitgeberbewertungsportalen eher skeptisch gegenüber stehe. Unter “Meinungen, die nicht interessieren” habe ich mich ja schon vor längerer Zeit über diese Portale aufgeregt – meiner Meinung nach ist das ganze Konzept total für´n Arsch! Denn bei solchen Portalen bewerten halt entweder angepisste & gedisste Ex-Arbeitnehmer, oder halt die Personalabteilung selber – welcher normal zufriedene Mitarbeiter nimmt sich schon die Zeit und bewertet seinen Arbeitgeber?? Wirkliche statistische Relevanz kommt dabei auch nicht auf, wenn man z.B. mal die Zahlen von Quasi-Marktführer Kununu betrachtet ->
In Deutschland wurden insgesamt 11.606 Firmen bewertet, aber lediglich mit 24.695 Bewertungen – ergo bekommt die Durchschnittsfirma also gerade mal mickrige 2.1 Bewertungen! Da ne Menge der Firmen auch mehrere Bewertungen haben, bleiben dann ne Menge One-Hit-Wonder auf der Straße, deren Bewertung somit total für die Katz ist.
Und außerdem – wer weiß, ob man der bewertenden Person überhaupt irgendeine Beachtung schenken will? Nur weil so ne Flachzange in dem Job nicht klargekommen ist, heißt es ja nicht, dass man selber in dem Unternehmen keine Freude haben wird… Eine Empfehlung via Social Networks, also von einer Person, die ich wirklich kenne, ist das eine ganz andere Geschichte! Aber nur so quasi-anonym kann ich auf die Beurteilung verzichten.
Naja, bleiben wir weiter bei Kununu – die hatte ich ja sowieso schon öfters auf dem Kieker, vor allem nachdem diese scheinbar mit anonymen positiven Kommentaren ein wenig Online-Reputationsmanagement betrieben haben… Kununu Cheffe Martin Poreda hat sich dann aber via Comment gemeldet, so dass sich eine recht nette Diskussion entwickelt hat – netter Kerl!
Dennoch will ich es mir nicht entgehen lassen mal ein wenig nachzubohren – Kununu macht nämlich derzeit (zumindestens meiner Meinung nach) ein paar unsmarte Moves.
Ok, die Suche ist recht grottig – wie bspl. diese Suche nach “JobScout24” (die ja bestimmt derzeit ein paar nicht so fröhliche ehemalige Ex-Arbeitnehmer haben…), bei dem ich nach erfolgloser Suche (schaaaade…) dann “6 Firmen mit dem Anfangsbuchstaben” angezeigt bekomme.

Häh? “ABS Gastronomie”, “UPS Köln” etc. -> die Vorschläge haben selber nicht mal den selben Anfangsbuchstaben, geschweige denn ein “J” im Firmennamen… strange!
Aber dann sind mir im Footer ein paar Links aufgefallen -> Links auf “Unbeschriebene Blätter Branchen” (was auch immer das bedeuten soll…), wo mir dann doch tatsächlich bspl. unter “Blumen” mindestens 1.000 Links zu Kombo-Terms von “Blumen in [Stadt]” dargeboten werden.

Wieso das ganze? Sowas nennt sich halt SEO, so will man im Hause Kununu wohl für eben diese Terms ranken… Aber wieso zur Hölle würde eine Arbeitgeberbewertungsplattform für “Blumen in Buxtehude” ranken wollen?? Die Auswahl dieser Katalog-Kategorien erscheint mir wirklich etwas undurchdacht.
Aber damit bläst Kununu natürlich schön seinen Index auf – hier der zeitliche Verlauf der indexierten Seiten von Kununu im Google-Index:

(via Sistrix Toolbox)
Mal schnell 5 Millionen neue Seite mehr im Index! Whoa!
Und was befindet sich auf diesen ganzen Seiten? Nicht wirklich viel uniquer Content (die Adresse findet sich ja zumeist auch auf anderen Seiten im Netz), aber dafür gaaanz viel Anzeigen ->

Sowas nennt man wohl eher eine typische MFA Seite (“Made for AdSense“), als sinnvoller Content. Aber mit 5 Millionen solcher Seiten, ranken halt auch ne Menge für die entsprechenden Firmennamen – und man muss ja nur mal ne Milchmädchenrechnung anstellen, wenn bspl. nur 500.000 dieser Seiten pro Woche jeweils einmal via Google gefunden werden… Da Kununu ja via AdSense monetarisiert, bekommt man mit dem Google AdPlanner auch recht genaue Daten:

Holla die Waldfee – der aufgeblasene Index scheint wirklich erfolgreich zu sein -> knapp 12.000 Besucher pro Tag schon, und in was für einer rasanten Entwicklung! Hut ab!
Aber Google scheint das ganze nun langsam doch etwas gegen den Strich zu gehen, so geht der Sichtbarkeitsindex in den letzten paar Wochen stetig nach unten:

(via Sistrix Toolbox)
Auch verständlich, denn nur künstlich den Index mit MFA-Seiten vollpumpen gefällt Google halt nicht wirklich… klar funktioniert sowas immer wieder – Frage ist halt nur immer -> wie lange? Bzw. kommt es auch drauf an wie trusted die Seite ist, die sowas anstellt, so kommen gerade größere Trusted Seiten ja immer eher mit sowas davon – aber Kununu scheint noch nicht genug Trust abbekommen zu haben… Wird spannend sein die Entwicklung weiter zu verfolgen!







Schön, das Du dir manche Seiten so genau ansiehst. So bekommt man einen guten Einblick, was andere so machen. Blumen auf einer Bewertungsseite? Ich bin gespannt wie sich der Sichtbarkeitsindex weiter entwickeln wird.
Ist mal sehr informativ gewesen. Danke dafür. Könnte mir nicht so viel Zeit nehmen das alles selber zusammenzusuchen.
Wie immer sehr unterhaltsam und informativ.
Übrigens hat google die Seiten schon wieder rausgeschmissen. Der rasante Aufbau ist in der Tat beachtenswert. Aber nur automatisiert mit Adsense beballern funktioniert halt auch nicht.
Interessant ist wie lange man Arbeitgebern so ein Zeuch von Employer Branding aufschwatzen kann. Aber da weiss der Herr Schulze besser Bescheid.
Da melde ich mich doch gerne
Der Begriff Employer Branding kommt vorrangig von der W&V und der DEBA – Die Deutsche Employer Branding Agentur aus Berlin. Wird wohl auch wieder in Köln bei der Zukunft Personal ein Thema sein.
Einfach gesprochen muss man gerade jungen Leuten die Firmen erstmal nahe bringen, da Sie diese nicht ( oder nicht ) kennen.
Und das kann man machen wie WIR mit Firmenprofilen, Beiträgen und natürlich Jobs! – Ob der Begriff nun X oder Y heisst.
Klar finden wie Marcus andeutet jede Menge Leute Jobs – über Netzwerke/ Empfehlungen, das funktioniert jedoch meist immer eher “Senior” Umfeld. Aber auch da wirken MARKEN!
Die Situation von K.. hatten wir auch schonmal angedeutet. Erinnert ein wenig auch an Yasni und 123people.. Die haben einen ähnlichen Index Boost!
Da werden lustich – Index Verteiler und Kombinationen angeboten, nach dem Motto – Irgendeinen gibt es immer!
Man wird es sehen
wie GOOG das handhabt!
Einen schönen Sommer noch in der Personalerwelt!
[...] Marcus @mediadonis wie immer spannende Diskussionen @schmitz @jacobsmuehlen @otto_jobs @datev http://www.secretsites.de/joblog/?p=572 [...]
Najjjjja. ich bin mir weder sicher, ob der Herr Schulze den engl. Begriff Employer Branding wirklich ernsthaft als Erfindung von W&V und DEBA verkaufen will/kann, noch ob sein Apfel-Birnen-Vergleichs-Konstrukt mit Eigenwerbeeinlage wirklich ernst gemeint sein kann (übrigens gibt es auf yasni nicht eine einzige Adsense-Anzeige und wir sind seit nunmehr 2 Jahren recht stark im Index, haben nebenbei noch 1 Mio. registrierte Nutzer). Ich denke aber, dass ein Späßchen im Sommerlioch durchaus ok ist.
Mitte August hat Google m.W. ein paar Sachen im Umgang mit dem Index geändert – was bei einigen LongTail-Projekten zu Abfällen in der Linksichtbarkeit geführt hat. Aber letztendlich kommts ja auf den Traffic an. Und wenn der steigt trotz fallender “Sichtbarkeit” muss man viell. mal an den Indikator ran – viell. hat Google ja auch nur irrelevante Links, die eh keinen Traffic bringen, raus geworfen.
Ich denke mal, die wirklichen Geheimnisse der Optimierung/Analyse wird Marcus hier eh keinem verraten – und Hobby-SEO sind wir ja mittlerweile sowieso alle.
Oder?
Best
Steffen
[...] recht vernichtend über eines meiner Lieblings-unnützen Plattform Kununu gebloggt – unter “Für eine Handvoll Euro extra | Eine Case-Study” habe ich deren meiner Meinung viel zu aggressive SEO-Strategie & Monetarisierung [...]