Marcus Tandler

Für eine Handvoll Euro extra | Eine Case-Study

Anja hat im Personalmarketing Blog einen hervorragenden Artikel veröffentlicht -> Arbeitgeberbewertungsportale aus der Sicht einer Studentin – wirklich eine nette Idee!

Stammleser meines Blogs werden ja sicher wissen, dass ich diesen Arbeitgeberbewertungsportalen eher skeptisch gegenüber stehe. Unter “Meinungen, die nicht interessieren” habe ich mich ja schon vor längerer Zeit über diese Portale aufgeregt – meiner Meinung nach ist das ganze Konzept total für´n Arsch! Denn bei solchen Portalen bewerten halt entweder angepisste & gedisste Ex-Arbeitnehmer, oder halt die Personalabteilung selber – welcher normal zufriedene Mitarbeiter nimmt sich schon die Zeit und bewertet seinen Arbeitgeber?? Wirkliche statistische Relevanz kommt dabei auch nicht auf, wenn man z.B. mal die Zahlen von Quasi-Marktführer Kununu betrachtet ->

In Deutschland wurden insgesamt 11.606 Firmen bewertet, aber lediglich mit 24.695 Bewertungen – ergo bekommt die Durchschnittsfirma also gerade mal mickrige 2.1 Bewertungen! Da ne Menge der Firmen auch mehrere Bewertungen haben, bleiben dann ne Menge One-Hit-Wonder auf der Straße, deren Bewertung somit total für die Katz ist.

Und außerdem – wer weiß, ob man der bewertenden Person überhaupt irgendeine Beachtung schenken will? Nur weil so ne Flachzange in dem Job nicht klargekommen ist, heißt es ja nicht, dass man selber in dem Unternehmen keine Freude haben wird… Eine Empfehlung via Social Networks, also von einer Person, die ich wirklich kenne, ist das eine ganz andere Geschichte! Aber nur so quasi-anonym kann ich auf die Beurteilung verzichten.

Naja, bleiben wir weiter bei Kununu – die hatte ich ja sowieso schon öfters auf dem Kieker, vor allem nachdem diese scheinbar mit anonymen positiven Kommentaren ein wenig Online-Reputationsmanagement betrieben haben… Kununu Cheffe Martin Poreda hat sich dann aber via Comment gemeldet, so dass sich eine recht nette Diskussion entwickelt hat – netter Kerl!

Dennoch will ich es mir nicht entgehen lassen mal ein wenig nachzubohren – Kununu macht nämlich derzeit (zumindestens meiner Meinung nach) ein paar unsmarte Moves.

Ok, die Suche ist recht grottig – wie bspl. diese Suche nach “JobScout24” (die ja bestimmt derzeit ein paar nicht so fröhliche ehemalige Ex-Arbeitnehmer haben…), bei dem ich nach erfolgloser Suche (schaaaade…) dann “6 Firmen mit dem Anfangsbuchstaben” angezeigt bekomme.

Häh? “ABS Gastronomie”, “UPS Köln” etc. -> die Vorschläge haben selber nicht mal den selben Anfangsbuchstaben, geschweige denn ein “J” im Firmennamen… strange!

Aber dann sind mir im Footer ein paar Links aufgefallen -> Links auf “Unbeschriebene Blätter Branchen” (was auch immer das bedeuten soll…), wo mir dann doch tatsächlich bspl. unter “Blumen” mindestens 1.000 Links zu Kombo-Terms von “Blumen in [Stadt]” dargeboten werden.

Wieso das ganze? Sowas nennt sich halt SEO, so will man im Hause Kununu wohl für eben diese Terms ranken… Aber wieso zur Hölle würde eine Arbeitgeberbewertungsplattform für “Blumen in Buxtehude” ranken wollen?? Die Auswahl dieser Katalog-Kategorien erscheint mir wirklich etwas undurchdacht.

Aber damit bläst Kununu natürlich schön seinen Index auf – hier der zeitliche Verlauf der indexierten Seiten von Kununu im Google-Index:


(via Sistrix Toolbox)

Mal schnell 5 Millionen neue Seite mehr im Index! Whoa!

Und was befindet sich auf diesen ganzen Seiten? Nicht wirklich viel uniquer Content (die Adresse findet sich ja zumeist auch auf anderen Seiten im Netz), aber dafür gaaanz viel Anzeigen ->

Sowas nennt man wohl eher eine typische MFA Seite (“Made for AdSense“), als sinnvoller Content. Aber mit 5 Millionen solcher Seiten, ranken halt auch ne Menge für die entsprechenden Firmennamen – und man muss ja nur mal ne Milchmädchenrechnung anstellen, wenn bspl. nur 500.000 dieser Seiten pro Woche jeweils einmal via Google gefunden werden… Da Kununu ja via AdSense monetarisiert, bekommt man mit dem Google AdPlanner auch recht genaue Daten:

Holla die Waldfee – der aufgeblasene Index scheint wirklich erfolgreich zu sein -> knapp 12.000 Besucher pro Tag schon, und in was für einer rasanten Entwicklung! Hut ab!

Aber Google scheint das ganze nun langsam doch etwas gegen den Strich zu gehen, so geht der Sichtbarkeitsindex in den letzten paar Wochen stetig nach unten:


(via Sistrix Toolbox)

Auch verständlich, denn nur künstlich den Index mit MFA-Seiten vollpumpen gefällt Google halt nicht wirklich… klar funktioniert sowas immer wieder – Frage ist halt nur immer -> wie lange? Bzw. kommt es auch drauf an wie trusted die Seite ist, die sowas anstellt, so kommen gerade größere Trusted Seiten ja immer eher mit sowas davon – aber Kununu scheint noch nicht genug Trust abbekommen zu haben… Wird spannend sein die Entwicklung weiter zu verfolgen!