Marcus Tandler

Gehaltsangaben in Stellenanzeigen?

Sollten in Stellenanzeigen Angaben zum Gehalt gemacht werden? Ein wirklicher Klassiker unter den Hot Topics für HR´ler! Öl ins Feuer dieser Diskussion hat hier vor kurzem das Monster geschüttet, das in einer Umfrage unter 583 Nutzern herausgefunden hat, dass satte 91% gerne eine Angabe des zu erwartenden Gehalts in Stellenanzeigen vorfinden würden.

Ist ja auch klar, denn das Gehalt ist einfach ein sensibles Thema, und kaum transparent, was wiederum die leidige Frage nach dem Wunschgehalt im Bewerbungsgespräch immer zum Glücksspiel macht. Nicht wenigen ist das Feilschen ums Gehalt einfach peinlich, oder es wird befürchtet, dass jemand anders den Traumjob vor der Nase wegschnappt, der sich bei annähernd gleichen Qualifikation mit weniger Cash in der Tasche zufrieden gibt.

Dabei geht es ja nur darum, nicht übermässig überzogene Gehaltsvorstellungen zu haben, was leider gerade in Boom-Industrien wie der Internet-Branche immer noch Gang und Gäbe ist… Eine solide Recherche ist hier unabdingbar – und dabei dürfen nicht einfach nur die Gehälter nach Jobtitel verglichen, sondern auch die eigene Qualifikation, Ausbildung und erworbenen Fähigkeiten bzw. Erfahrung müssen hier realistisch eingeschätzt und einkalkuliert werden.

In Österreich gibt es seit Anfang diesen Jahres eine gesetzliche Regelung, dass Stellenanzeigen auch eine Gehaltsangabe enthalten müssen. Eine kurze Recherche bei Karriere.at war aber eher ernüchternd, nur bei einer Handvoll Stellenanzeigen konnte ich eine Gehaltsangabe entdecken. Evtl. hat ja ein netter hier mitlesender Mitarbeiter von Karriere.at ne nette Statistik für uns… ?! *grins*

Auf jeden Fall drohen ab Januar 2012 heftige Geldstrafen – spätestens dann werden wir wohl auf den meisten Stellenanzeigen eine Angabe zum erwartenden Gehalt entdecken können.

Auf jeden Fall wird´s dann sicherlich ein wenig stressig für österreichische HR-Abteilungen, wenn auf einmal Mitarbeiter realisieren, dass sie damals im Bewerbungsgespräch allzu tief gestapelt, und sich unter Wert verkauft haben… Nicht gerade motivationsfördernd, wenn man vielleicht schon eine längere Zeit im Unternehmen ist, und gar nach einer Gehaltserhöhung noch unter dem in einer Anzeige gefundenen Gehalt liegt. Vor allem auch, wenn Äpfel mit Birnen (bspl. Gehälter in großen vs. kleinen Unternehmen) verglichen werden – und das wird ganz sicher passieren! Bei Geld hört ja bekanntlich der Spaß auf!

Was meint ihr dazu? Sollte auch in Deutschland das zu erwartende Gehalt in Stellenanzeigen vermerkt werden? Sollte gar der Gesetzgeber, sofern er neben Euro-Krise und Überwachung des Internets noch Zeit dafür findet, eine gesetzliche Regelung einführen? Mich würde hier auch die Meinung von HR´lern interessieren – würde eine gesetzliche Regelung analog Österreich Sinn machen, oder bringt das nur Streit & Unfrieden?

11 Reaktionen zu “Gehaltsangaben in Stellenanzeigen?”

  1. Das Gehalt ist immerhin für beide Seiten kein unerheblicher Faktor. In laufbahner.de haben wir deswegen die Option “Gehaltsband” für den Recruiter. Nie sieht jemand, welchen Range an Brutto p.a. das Unternehmen ansetzt. Trotzdem wird u.a. auch das Gehalt beim Matching berücksichtigt.
    So gibt ein 100% Match die Sicherheit, dass auch das Budget gehalten wird und beide Seiten können ohne Positionsverlust in die Verhandlungen treten.
    Ein Pflicht zur Veröffentlichung ist kontraproduktiv. Ich wünschte mir da eher verlässliche Zahlen (bspw. vom BA Statistik) zu Durchschnittseinkommen über alle Tätigkeitsbereiche hinweg.

    Rudi am 10. August 2011 um 10:22 Uhr
  2. Definitv. Ich finde das wäre das Mindestmaß an Transparenz, den ein Arbeitgeber eigentlich gewähren sollte.

    Zudem würde damit auch die finanzielle Gleichstellung von Mann und Frau einen großen Auftrieb erhalten. Und Firmen wären genötigt eine konsistente Gehalts- und Personalpolitik – und das ist nicht nur fairer, sondern sorgt auch für ein besseres Betriebsklima.

    Jan am 10. August 2011 um 11:09 Uhr
  3. Ja genau, bitte getrennte Gehaltsangaben für Männer und Frauen, da freuen sich die
    Gleichstellungsbeauftragten.
    Bevor der Gesetzgeber das regelt, sollte er bitte erst mal den
    Mindestlohn einführen…

    Honz am 10. August 2011 um 22:37 Uhr
  4. Hi Marcus, ich bin zwar “vorbelastet” da ich wie du weisst für Experteer Schweiz arbeite. Möchte aber trotzdem kurz was dazu äussern. Bei unserem Dienst werden die Lohnangaben grösstenteils offen kommuniziert, teils über Benchmark ermittelt und mache werden von den Firmen und Headhunter auch als vertraulich gekennzeichnet. Die Schweiz ist in Sachen Lohntransparenz zwar nicht so offen wie andere Länder aber von den Schweizer Nutzern werden die Lohnangaben nachgefragt. Es geht nicht darum, dass sich Firmen gegenseitig mit überrissenen Löhnen überbieten sondern, dass der Stellensuchende ein zusätzliches Kriterium erhält. Die Löhne werden von verschiedenen Faktoren (Kanton, Stadt, Branche etc) beeinflusst und jeder Bewerber geht mit bestimmten Erwartungen in ein Bewerbungsgespräch. Sicher ist die Aufgabe und das Umfeld massgebend aber die Bezahlung ist ein Faktor der mitentscheidet. Dass der Wunsch nach Transparenz da ist zeigen auch Dienste wie z.B Lohncheck.ch . Zudem werden bei gewissen Institutionen ja sogar bei den Stelleninseraten des Bundes regelmässig Lohnklassen kommuniziert und das zeigt, dass Transparenz wichtig ist. Ich habe in der Vergangenheit auch die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeiter in Unternehmen teilweise untereinander über Löhne diskutieren . Wenn dann bei gleichen Vorraussetzungen massive Lohnunterschiede vorherrschen, ist Frust und Fluktuation eh vorprogrammiert.

    Mengis am 12. August 2011 um 09:49 Uhr
  5. Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort & den interessanten Blick über die Alpen :-)

    Marcus am 12. August 2011 um 16:04 Uhr
  6. Hi Marcus,
    sorry für die späte Antwort – dafür jetzt eine aktuelle Auswertung zum Thema von uns:
    Das Wirtschaftsmagazin “Format” hat sich in seiner letzten Ausgabe des Themas angenommen, auch mit karriere.at-Beteiligung. Der sehr informative Artikel (ein Rundruf unter Personalberatern, Jobbörsen etc.) zeigt auf, dass österreichweit derzeit lediglich 10-20 Prozent aller Stelleninserate eigentlich gesetzeskonform den KV-Mindeslohn in irgendeiner Form angeben. Experten diskutieren in der Story über Sinn und Unsinn des Entwurfes. Hier der Link zur Format-Story: http://www.karriere.at/artikel/1468/illegale-verh%C3%A4ltnisse

    Das Zögern der Unternehmen bzw. Personaldienstleister mag darauf zurückzuführen zu sein, dass viele noch auf Abänderungen des Gesetzestextes während der derzei noch geltenden, “Übergangsfrist” hoffen (Verstöße bleiben 2011 noch ohne Konsequenzen). Die Standesvertretungen haben jedenfalls bereits im Frühjahr Protest beim Gesetzgeber eingelegt, da sie den Entwurf als “nicht praktikabel” ablehnen. ArbeitnehmervertreterInnen bezeichnen die Novelle als “ersten wichtigen Schritt” zur Gehaltstransparenz, vor allem hinsichtlich der Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau.. Unser Blogpost zur Diskussion aus dem Frühling dazu: http://www.karriere.at/blog/lohnangabe-im-stelleninserat.html

    Christoph am 9. September 2011 um 08:48 Uhr
  7. Vielen Dank für die Antwort Christoph – spannend!

    Marcus am 9. September 2011 um 09:08 Uhr
  8. Als Ergänzung zum letzten Post: Ein neuer Artikel zum Thema im karriere.blog. http://karriere.at/u/MyP

    Christoph am 11. October 2011 um 11:07 Uhr
  9. Ja, unbedingt. In allen Stellenanzeigen sollte ein Stundenlohn und Gehaltsangabe vermerkt sein. Und die Suchmaschinen sollten Jobs und Stellen nach Gehältern und Stundenlöhnen sortieren.

    Ich meine: Worum geht es denn schließlich? Um Freizeitgestaltung?

    Meine Freizeit kann ich mir selbst gestalten, dafür brauche ich keine Jobbörse.

    Wenn ich nach Jobs suche, dann geht es in erster Linie um Geld pro Zeit. Jobs, die nicht das Minimum an Lohn oder Gehalt pro Zeit anbieten, brauche ich mir erst garnicht anzuschauen. Schließlich muß ich ja von irgendetwas leben können.

    Bei der Masse an Jobs, die zum Leben nicht reichen, fallen die meisten bei dem Kriterium durch. Ohne den Lohn zu kennen, verschwendet man seine ganze Zeit mit sinnlosen Nachforschungen pro Job, bis man schließlich auf den Kernpunkt kommt, um dann zu erfahren, daß er wieder nicht geeignet ist.

    Heutzutage muß man doch zwei Dinge gleichzeitig erfüllen:

    1. Ein Beruf (mit entsprechenden Ausbildungen, Scheinen, Fortbildungen und dem Ausbau, bis es vielleicht auch zum Leben reicht)

    2. Ein Job, den man parallel zum Beruf hat, damit man von etwas leben kann.

    Hat man einen sehr schlecht bezahlten Job, ist man trotz Vollzeitarbeit “Aufstocker” und braucht hartz4. Was eine Katastrohe ist. Wofür lebt man dann?

    Hat man einen schlecht bezahlten Job, kann man bei Vollzeit zwar vielleicht gerade so von überleben, hat aber keine Zeit mehr für seinen eigentlichen Beruf oder dessen Aufbau. Wofür lebt man dann?

    Hat man jedoch einen gut bezahlten Job, auch wenn es nicht gerade ein Traumjob ist, so hat man wenigstens genug Auskommen und Zeit, um in seiner “Freizeit” den Beruf aufzubauen, der einem das Leben mit Sinn erfüllt. Eine Zeitlang kann man die Doppelbelastung aushalten, wenn ein Ende abzusehen ist.

    Aber von Morgens bis Abends einer Arbeit nachzugehen, die einem nicht gefällt, um dann weder Zeit noch Geld für irgendetwas zu haben, daß einem Freude macht oder sinnvoll erscheint und dies dann auch noch ohne eine Perspektive, daß sich das irgendwann mal ändert…. wozu lebt man dann? Oder anders gesagt, was würde ich denn in so einem Fall vom Leben versäumen, wenn ich statt dessen tod wäre? Nichts.

    Es hängt also alles davon ab, wie hoch der Stundenlohn eines Jobs ist. Alles andere ist Sekundär.

    Soulbridge am 10. January 2012 um 20:25 Uhr
  10. [...] Manhart von der Wirtschaftskammer Vorarlberg, die Beraterin Eva Zils, der Jobbörsen-blogger Marcus Tandler oder der Bewerberblog. Gemäss einer nicht repräsentativen Blitzumfrage von karriere.at finden [...]

    Lohnangaben in den Stelleninseraten in Österreich: die Zweijahresbilanz. | buckmannbloggt. am 12. February 2013 um 18:17 Uhr
  11. [...] Manhart von der Wirtschaftskammer Vorarlberg, die Beraterin Eva Zils, der Jobbörsen-blogger Marcus Tandler oder der Bewerberblog. Gemäss einer nicht repräsentativen Blitzumfrage von karriere.at finden [...]

    Lohnangaben in den Stelleninseraten in Österreich: die Zweijahresbilanz. | BUCKMANN GEWINNT am 26. August 2015 um 09:23 Uhr

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