Marcus Tandler

Geld motiviert! Oder etwa nicht?

„Nur Bares ist Wahres!“ Geld ist und bleibt ein Motivator – daran lässt sich erstmal nichts rütteln. Doch ist es wirklich nur der „Schnöde Mammon“, der uns zu Höchstleistungen antreibt? Diese Frage lässt sich laut zahlreicher Studien mit einem ganz klaren NEIN beantworten. Welche Motivationsmittel Mitarbeiter, Geschäftsführer und Selbständige so richtig auf Touren bringen, ist ebenso erstaunlich wie einleuchtend.

In welchem Maße ist eine Gehaltserhöhung motivierend?

Erstmal vorneweg: Das liebe Geld ist der Hauptgrund, weshalb sich der Großteil aller arbeitenden Menschen morgens aus den Federn quält. Schließlich wollen die Miete bezahlt, der Kühlschrank gefüllt, das Auto getankt und die Nebenkosten
begleichen werden. Schon Maslow erkannte ganz klar, dass das Gehalt ein Existenzminimum abgleichen muss. Ein faires Grundgehalt muss als sicher sein, damit uns die Arbeit dauerhaft zufrieden stellt. Doch das Leben am Existenzminimum ist alles andere als lustig. Man möchte natürlich auch noch Spaß haben! Kino, Disko, Bowlingbahn – das alles kostet Geld. Desto mehr am Monatsende auf dem Konto hängen bleibt, desto glücklicher ist man! Ergo: Desto mehr Verdienst man in seinem Job in Aussicht gestellt bekommt, desto motivierter geht man an die Sache ran! Es ist tatsächlich so, dass die meisten Arbeitsstrukturen und Organisationen anhand der Idee agieren, dass die monetäre Entschädigung die wesentliche Motivation für Arbeitsleistung sei. Und hier kommt der Punkt, an denen viele Gelehrte den Zeigefinger heben.

Motivation ist nicht käuflich!

Umfragen haben deutlich bewiesen, dass besonders in den Führungsetagen Geld keine Motivationssteigerung hervorruft. Sei dies in Form einer Gehaltserhöhung oder als Boni, die bei entsprechender Leistung ausbezahlt werden. Im Rahmen einer Umfrage der Unternehmensberatung Hay Group gaben fast 50 % der rund 1.800 Befragten an, dass Sie eine Gehaltserhöhung nicht zusätzlich anspornen würde. Doch wie steht es mit den „Normalsterblichen“ unter der arbeitenden Bevölkerung? Atul Mitra – seines Zeichens Management-Professor an der Universität von Northern Iowa – fand heraus, dass eine Gehaltserhöhung ab 7 - 8 Prozent motiviert (via Karrierebibel). Alles, was gönnerhaft unter diesem Prozentsatz gewährt wird, ist in Sachen Motivationssteigerung mit der Sättigungszeit einer halben Scheibe Toast vergleichbar. Gut, dass im Internet mittlerweile benutzerfreundliche Gehaltrechner zu finden sind, mit denen man seinem Chef genau vorrechnen kann, wie viel Prozent zum fundierten Motivations-Boost fehlen.

Noch ein paar Fakten zum Geld

Geld in Form einer leistungsbedingten Entlohnung, so die Erkenntnis dreier versierter Wissenschaftler aus Deutschland und den USA, motiviert tatsächlich nur die, die überdurchschnittlich produktiv sind. Dass diese Erkenntnis aber nur einem ziemlich geringen Prozentteil aller Arbeitnehmer entspricht, ist sicher kein Geheimnis. Geld hat viele negative Eigenschaften. So macht es beispielsweise Ziele weniger wertvoll. Dieses Phänomen ist als Korrumpierungseffekt bekannt. Ein tolles Beispiel für den Motivationskiller „sichere Entlohnung“ ist die Studie der US-Psychologin Teresa Amabile. 72 Studenten wurden aufgefordert, Gedichte zu schreiben. Ein Teil bekam eine feste monetäre Entlohnung für die „Arbeit“ in Aussicht gestellt (Festgehalt). Die anderen Teilnehmer wurden aufgefordert, nur aus Freude am kreativen Schreiben Poesie zu verfassen. Das Ergebnis war bezeichnend. Die bezahlten Studenten schrieben nicht nur deutlich weniger, sondern obendrein noch um ein Vielfaches schlechter! Es gibt eine beeindruckende Vielzahl weiterer Studien und Experimente, die aufzeigen, wie sich das Streben nach Geld negativ auf unser Leben auswirkt. In Bezug auf Zeit, Beziehung, soziale Kompetenz und vieles mehr.

Was uns wirklich motiviert

… ist nicht primär ein höherer Gehaltsscheck. Da wären unter anderen:

  • Anerkennung
    „Der Wunsch nach Anerkennung ist unermesslich!“ Geld kann niemals fehlende Anerkennung kompensieren. Einerlei, was der Mensch kreiert oder produziert – er möchte dafür wahrgenommen werden. Egal, ob vom Chef, vom Kollegen oder vom Kunden. Lob ist die wohl positivste Art der Anerkennung. Doch auch konstruktive Kritik kann durchaus motivieren. Anerkennung ist der rote Faden, der sich durch alle Motivationsbereiche zieht.
  • Eine Arbeit, die sinnvoll ist
    Das hört sich zunächst etwas seltsam an – schließlich ergibt jede berufliche Tätigkeit einen Sinn. Doch wer das Gefühl hat, sein Tun sei nur ein winziges, unbedeutendes Teil der Maschinerie, verliert auf Dauer jegliche Motivation. Jeder Mensch braucht das Gefühl, dass seine Leistung wichtig ist und etwas bewirkt. Arbeitgeber, die ihrem Team genau dies vermitteln können, sind wahre Motivatoren.
  • Teamwork
    Ja … man kann das Wort kaum noch hören. Dennoch ist das gemeinsame Schaffen, das gemeinsame Erreichen – kurz: das Miteinander – eine wesentliche Komponente des menschlichen Daseins. Gegenseitiges Feedback, Anerkennung und Ermutigung untereinander, Kooperation – Teams sind immer effektiver als Einzelspieler!
  • Autonomie
    Seinen Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen, sie eigenständig Lösungen finden zu lassen – auch dies ist eine Art Anerkennung, die langfristig extrem motivierend sein kann. Selbstbestimmung und Freiheit im Handeln muss kein Privileg der Selbständigen sein – auch für Angestellte ist dies eine Art der Motivation, die nachhaltig greift! Abschließend lässt sich sagen, dass Geld motiviert. Punkt. Die meisten von uns arbeiten, um Geld zu verdienen. Dies sollte dennoch auf keinen Fall bedeuten, dass man lebt, um zu arbeiten … sondern viel eher arbeitet, um zu leben.

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