Marcus Tandler

Hat JobScout24 aufgegeben?

Soooo… wieder gut erholt (dem Hexenschuß geht es schon viel besser!) & braun gebrannt musste ich bei meinem gestrigen Recap des Verpassten doch wirklich lesen, dass das Monster nun mit T-Online.de gemeinsame Sache macht, und nun nicht mehr JobScout24 die T-Online´sche Jobsuche betreibt!

Das ist schon eine mords News! Wieso? Anno 2003, da arbeitete ich selber noch bei JobScout24, wurde die gesamte Scout24-Gruppe von T-Online übernommen. Seitdem ist bei der Scout ziemlich viel passiert (so wurde ja bspl. der erfolglose ElectronicScout und TravelScout mittlerweile verramscht etc.), aber auch bei T-Online hatte man mehr und mehr das Gefühl, dass diese Aquisition damals auf dem Papier wohl deutlich besser aussah… immerhin ist die Scout-Gruppe zwar ein netter und umsatzbringender Asset, aber gegen das Access Geschäft, also das verticken von DSL-Anschlüssen, ist der Scout-Umsatz gerade mal ein zartes Pflänzchen…

Dennoch haben die einzelnen Scouts sicherlich gut von der Mutter profitiert, T-Online ist ja immerhin eine der größten & meistbesuchten Seiten im deutschen Internet, und somit genug Jobsuchende, denen man JobScout24 schmackhaft machen konnte.

Aber nun regiert dort das Monster, und bis auf einen statischen Link unter den T-Online´schen Marktplätzen (der ist natürlich nichtsdestotrotz sehr cool!), ist nix mehr von JobScout24 auf T-Online zu sehen! Wieso wird nicht die “eigene” Jobbörse promoted, sondern lieber das Monster?

Ich kann mir das eigentlich nur eine einzige Art zusammenreimen… -> Hat JobScout24 nun offiziell aufgegeben?

Das Suchmaschinen-Marketing via Google AdWords bspl. läuft ja schon seit längerem auf einem eher homöopathischen Niveau, so wurden die Ausgaben dort extrem zurückgefahren, wie ihr auf dem folgenden Graphen gut erkennen könnt ->

JobScout24 SEM Bemühungen
(via Sistrix Toolbox)

Auch auf dem JobScout24 Blog wurde seit knapp 6 Wochen (!!) nichts mehr geposted…

Aber wenn man bedenkt, wieviele Mitarbeiter in der letzten Zeit entlassen wurden, liegt der Schluß nahe, dass nun einfach niemand mehr an Bord ist, der noch ansatzweise Zeit für solche Spielereien hätte…

Bei dem Deal mit T-Online wird wohl Interactive Media, dem Vermarkter von T-Online.de, ein attraktives Angebot von Monster vorgelegen haben, was JobScout24 nicht mehr bereit war entsprechend zu matchen – und da auch Interactive Media auf seine Umsätze schauen muss, und sich nicht für solchen Online-Jobbörsen-Roadkill interessiert, wurde JobScout24 dann kurzerhand vom Portal gekickt und das Monster freudestrahlend in Empfang genommen…

Es scheint so, als würde in der Rosenheimer Straße versucht die Braut noch ein wenig aufzuhübschen, und durch knallharte Konsolidierung, Reduzierung der Mitarbeiter, und eine rigorose Sparpolitik das Ergebnis doch noch in die schwarzen Zahlen zu pushen. Wirklich keine einfache Aufgabe… und vor allem -> was dann? Gesundschrumpfen und hoffen die Krise, die mittlerweile keine mehr ist, nur irgendwie zu überstehen… ?! Durch das hervorrragende SEO, dass die letzten Jahre dort betrieben wurde, kommen ja doch noch ein paar neue Jobsuchende auf die Plattform, aber auch hier ist konsistenz angesagt, und derzeit scheint kein SEO mehr an Bord zu sein, der dem wohl mittlerweile überforderten Marketingverantwortlichen den Allerwertesten retten könnte. Gerade Online-Jobbören haben ja so gut wie keine Customer-Loyalty, und sind darauf angewiesen Tag für Tag neue Jobsuchende auf die Stellenanzeigen der Kunden zu leiten – ohne Budget wirds da schwer, und nur mit guten organischen Positionen & dem daraus resultierenden Traffic allein, wird sich auch kein Kunde mehr zufriedenstellen lassen…

Wenn also schon die Mutter, also T-Online, das scheinbar leck geschlagene Schiff nicht mehr retten will, wer dann?

Halte durch Scouty!!

11 Reaktionen zu “Hat JobScout24 aufgegeben?”

  1. Ist schon komisch, was man da macht in München – und so richtig nachvollziehbar erscheint es mir ob der Besitzverhältnisse nicht.

    Wir können nur hoffen, dass sich dann bald ein Käufer findet, den ein paar ” assets und Kunden ” sind dann wohl doch noch vorhanden! Vor allem, wenn man wie ich hört dass internationale Käufer schon wieder auf den Deutschen Markt schauen, und hier was bewegen wollen :-)

    Thomas am 11. August 2010 um 03:22 Uhr
  2. Hey Marcus,

    ich hab das leider auch mitbekommen, dass es bei JobScout abwärts geht und finde es unglaublich schade, dass es soweit kommen musste!!! So ein tolles Unternehmen mit dem Potential über die klinge springen lassen, finde ich echt schade, aber man konnte es buchstäblich kommen sehen.

    Grund ist definitiv die Masse an Fehlentscheidungen die getroffen wurden und auch definitiv die Fehlbesetzungen an Schlüsselpositionen!

    Eine kleine Sache die du aber nicht ganz beachtet hast – Die Scout ist zwar ein kleines Magenta Rad…jedoch im Online Bereich eines der wichtigsten Experimentierfelder überhaupt – mit ImmobilienScout, AutoScout und FriendScout gibts noch 3 Schwergewichte, die auch verdammt gute Arbeit leisten (mit sehr viel Potential) :)

    Sepita am 11. August 2010 um 16:36 Uhr
  3. [...] Ja Ja… was für ein Zufall -> am Dienstag stell ich noch die Frage, ob JobScout24 mittlerweile aufgegeben hat, und bringe als “Beweis” hierfür u.a. [...]

    Zufälle gibt´s … | JOBlog - der Job & Karriere Blog am 13. August 2010 um 18:41 Uhr
  4. Ich denke, hier muss man nochmal unterscheiden. Auf der einen Seite muss es nicht wirklich etwas bedeuten, wenn T-Online hier mit einem anderen Partner zusammenarbeitet. Ein “Gesundschrumpfen” ist manchmal eine gute Strategie und wenn man nun nicht mehr die Performance bringt, die von einem so großen Portal gefordert wird, dann wird man eben ausgetauscht. Das ist ein rein betriebswirtschaftliches Thema und hat in erster Linie auch nichts mit “aufgeben” zu tun.

    Eine viel schwerwiegendere Meldung ist, dass kein SEO sich mehr um den kontinulierlichen Besucherstrom kümmert und kaum noch SEA betrieben wird. Damit beraubt man sich wirklich der wichtigsten Grundlage und soweit hört sich das nicht gut an. Welche Strategie hier hinter steht ist mir ein Rätsel? Vielleicht will man wirklich die Braut aufhübschen, um sie einem Dritten anbieten zu können, aber das sind derzeit wilde Spekulationen.

    Thorsten Dier am 14. August 2010 um 13:00 Uhr
  5. @Thorsten -> Doch, das ist schon ein enorm krasser Schritt, wenn die eigene Mutter (!) die Kooperation beendet, und im gleichen Schritt den stärksten Konkurrenten einbindet! Du kannst auch davon ausgehen, dass JobScout24 selber mal so richtig angepisst ist, dass die Mutter ihnen das Vertrauen entzogen hat!

    Das geht weit über eine “rein betriebswirtschaftliche” Entscheidung hinaus! T-Online ist sich auch durchaus bewußt, was dieser Schritt für JS24 bedeutet, gerade weil auch alle anderen Kanäle bereits auf einem eher homöpathischen Niveau laufen. Da ist der “free traffic”, den JS24 bislang genießen konnte, schon ein wichtiger Traffic-Aspekt! Ganz zu schweigen von dem miserablen Bild, dass JS24 nun auf einmal abgibt, nachdem auch jeder Kunde mitbekommen haben dürfte, dass sich nun das Monster im JobScout´schen Bettchen breit gemacht hat! Auch in der Vertriebsargumentation sind ja gerade diese Traffic-Kooperationen excellente USPs!

    Marcus am 14. August 2010 um 14:53 Uhr
  6. Ein krasser Schnitt, klar das ist es. Aber es ist in Konzernen auch eine alltägliche Entscheidung. JS24 ist angepisst? Klar keine Frage. Ich selbst arbeite ja bei einer Unternehmensberatung und da kommt es nicht selten zu ähnlichen Geschichten, inkl. zerkratzten Firmenwägen.

    Die einzelnen Konzerteile sind meist unabhängiger als man denkt und jeder Bereichsleiter vereinbart mit seinen Vorgesetzten Ziele, die zum Maß seines Handelns werden. Wenn nun eine Tochter dieses Ziel gefährdet, wird darauf reagiert. Gut, hier spielt dann oftmals auch Unternehmenspolitik eine Rolle, diesen Faktor kann ich hier nicht annähernd einschätzen. Wenn der Konkurrent nun diese Ziele besser erfüllt, bekommt er den Zuschlag. Eigentlich ganz einfach. Für JB24 bedeutet dies jedoch nicht das Ende und es ist nicht gesagt, dass dort aufgegeben wurde. Das ist natürlich vom jeweiligen Bereichsleiter abhängig, der nun die weiteren unternehmenspolitischen Entscheidungen zu Gunsten von JB24 beeinflussen muss. Ein “Gesundschrumpfen” kann hier eine Strategie sein. Das Problem ist, dass die Performance sich bald verbessern muss(!) aber anscheindend die Grundlagen des Geschäftsmodells (Traffic, Traffic, Traffic) beschnitten wurden. Das kann nun zwei Gründe haben: 1. JB24 wird wirklich aufgegeben oder 2. Man konnte die politischen Entscheidungen im Unternehmen nicht wirklich beeinflussen. Ein anderer Mann an dieser Stelle könnte das wieder ins Lot bringen. Das ist einfach People-Business.

    Ich denke, dass jedem bewusst war, was diese Entscheidung für Auswirkungen haben wird. Der Vertrieb wird definitiv darunter leiden. Nun muss man eben JB24 neu ausrichten und neue USPs schaffen. Dafür braucht man aber wieder jemanden, der JB24 nach oben richtig repräsentieren kann. Derzeit ist das Web voll von Möglichkeiten… eine weitreichende Kooperation im Bereich Social Media könnte hier eine Option sein.

    Was war denn der Auslöser für diesen Umbruch? Etwas bekannt?

    Thorsten Dier am 14. August 2010 um 15:46 Uhr
  7. Eine Diskussion ist hier recht schwer, da ich ja genau weiß, wie´s in dem Laden derzeit abgeht. Ich hab ja drei Jahre dort gearbeitet…

    Die “Ziele”, die Du ansprichst, sind nur ein einziges Ziel -> Geld!

    Interactive Media hat wahrscheinlich ein gutes Angebot von Monster erhalten, JobScout24 hat dann offiziell das letzte Wort, und darf fürs gleiche Angebot integriert bleiben, was JS24 derzeit aber einfach nicht zu zahlen imstande ist. Dann hat der Cheffe Johannes H. bestimmt versucht Druck bei T-Online aufzubauen, woraufhin sich T-Online dennoch dazu entschieden hat, JS24 von der Plattform zu schmeißen, und das Monster zu integrieren. Wie das Standing von Johannes H. gegenüber T-Online ist, kann ich nur mutmaßen, aber da er ja damals von T-Online zu JobScout gewechselt ist, und derzeit auch bei anderen Scouts in diversen Positionen aktiv ist, gehe ich mal davon aus, dass T-Online noch immer an Johannes festhällt, ihm auch aber keine Geschenke machen will, da er schon zu lange in den roten Zahlen rumdümpelt, und das Business-Modell einfach nicht schwarz bekommt.

    Gerade Online-Jobbörsen, sie so gut wie keine Customer-Loyalty besitzen, da User diese nur bei der akuten Jobsuche nutzen, müssen Tag für Tag neue User auf ihre Plattform schaufeln – jeden Tag müssen die aktiven Jobsuchenden, die im Internet auf der Suche nach Stellenanzeigen sind, auf die eigene Plattform aufmerksam, und zur Jobsuche animiert werden. Im Moment ist nicht mehr viel übrig an Trafficquellen – nur das gute SEO der letzten Jahre wirkt noch nach, und beschert noch guten Traffic, aber PPC, Affiliate & die Kooperation bröckeln alle langsam weg.

    Für den Vertrieb wird das Ganze übrigens wohl keine so großen Auswirkungen haben, da JS24 ja seinen Vertrieb fast komplett vor die Tür gesetzt hat, und anscheinend nun schon wieder versucht mit Callcentern auf Kundenfang zu gehen. Eine Strategie, die die letzten Jahre schon mehrfach versucht wurde, aber nie von Erfolg gekrönt war… aber viel Alternativen hat man halt auch nicht mehr in der Rosenheimer Straße…

    Marcus am 14. August 2010 um 16:02 Uhr
  8. Danke für die Info. Hilft mir für die Arbeit sicher ernsthaft weiter. Werde mir die Seite kritisch angucken und ev. gar nicht mehr dort für viel zu viel Geld inserieren.

    Ronny am 20. August 2010 um 17:00 Uhr
  9. Naja, die Entscheidung wo Du letztendlich Stellenanzeigen inserierst, ist ja relativ unabhängig davon, ob JobScout nun aufgegeben hat oder nicht – wenn Dir JobScout24 in der Vergangenheit gute Ergebnisse geliefert hat (Online-Jobbörsen unterscheiden sich ja teilweise auch recht deutlich hinsichtlich ihrer Zielgruppe!), dann spricht ja nichts dagegen weiterhin eine Kundenbeziehung aufrecht zu erhalten. Nur Du, als Stellenanbietendes Unternehmen, weißt ja ganz genau welche Online-Jobbörse bzw. welches Medium für eure Stellenanzeigen am besten funktioniert!

    Marcus am 20. August 2010 um 17:35 Uhr
  10. Tja, so kann es gehen. Die besten Leute verlassen das sinkende Schiff und man spart an den falschen Stellen. Was bringt einem der Sparkurs, wenn keine Kunden mehr auf JS24 wollen bei diesem SEO/Marketing/Image???
    Sepita schrieb, dass die Fehlbesetzung von Schlüsselpersonen eines der Ursachen war/ist, was ich auch so unterschreiben würde. Bin sehr gespannt wie es in der Rosenheimer Str. weiter geht.

    Ben am 23. August 2010 um 13:27 Uhr
  11. [...] nicht allzu langer Zeit habe ich ja offen die Frage gestellt, ob JobScout24 mittlerweile aufgegeben hat, und habe als Hinweis unter anderem angeführt, dass JobScout24 kaum noch AdWords Werbung schaltet. [...]

    AdWords für… ähh… von Anfängern | JOBlog - der Job & Karriere Blog am 9. September 2010 um 17:42 Uhr

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