Marcus Tandler

Ich muss mich mal ganz kurz auskotzen…

In meiner Lieblingszeitschrift, der Cicero, habe ich unlängst einen recht interessanten Artikel von Nils aus dem Moore gefunden -> “Hohe Banker-Boni, weniger Wohlstand” über den Irrsinn der Banker-Gehälter & -Boni. Wirklich ein interessanter Artikel – oh, hui – ist sogar mittlerweile online lesbar – lesen!

Vor allem die dort aufgeführten Fakten, wie bspl. die Anziehungskraft des schnellen Geldes auf die US-Elite:

Arbeiteten von den männlichen Harvard-Absolventen der Jahre 1969 bis 1972 nur fünf Prozent im Finanzsektor, so waren es unter den Alumni der Jahre 1988 bis 1992 bereits 15 Prozent.

Wer will schon noch Arzt oder Ingenieur werden, wenn man als Investmentbanker quasi schon bei Arbeitsantritt den Porsche Leasingvertrag unterschreiben, und sich außerdem schon mal zum Häuser Shopping im städtischen Villenviertel begeben kann… Wo, außer vielleicht als Drogen- oder wahlweise auch Waffenhändler, kann man sonst so dermassen viel Geld in derart kurzer Zeit verdienen? Skrupel haben beide Berufsgruppen ja nicht wirklich…

Die Ökonomen Thomas Philippon und Ariell Reshef haben ermittelt, dass die Gehälter im Finanzsektor bereits im Jahr 2000 rund 60 Prozent über dem Niveau anderer Wirtschaftszweige lagen. Werden Qualifikationsunterschiede berücksichtigt, bleibt ein Abstand von 40 Prozent. Ihre Kollegen Claudia Goldin und Larry Katz kommen für Harvard-Absolventen auf einen noch extremeren Wert. Die verdienten im Jahr 2006 im Finanzsektor dreimal so viel wie in anderen Branchen, wobei Einflüsse von Fachrichtung, Abschlussnote, Jahrgang et cetera herausgerechnet wurden.

Krass, oder?…

Ich verstehe auch noch nicht ganz, wieso eigentlich der Steuerzahler die Suppe nun auslöffeln muss, den diese Penner uns eingebrockt haben? Wieso muss ich dafür einspringen, wenn sich geldgierige Vollschwachmaten bei ihren Geschäften verzocken? Immerhin haben die Banker doch ihre Boni auf Basis der von ihnen erwirtschafteten Gewinne erhalten – wenn diese Gewinne sich nun auf einmal in Luft auflösen bzw. der entsprechende Arbeitgeber gleich mit dazu, müssten doch eigentlich die Boni wieder zurückbezahlt werden… immerhin wurde der Gewinn ja rein faktisch nie wirklich erwirtschaftet… ?! Wieso dürfen solche akademischen Wünschelrutengänger ihre Ferrari´s und was weiß ich noch alles behalten, und der Steuerzahler muss hingegen für deren Mist in die Bresche springen? Wieso zahlen mit unserem hart erwirtschaftetem Steuergeld gerettete Banken noch immer abstruse Gehälter und Boni – da läuft doch irgendwas ganz gehörig falsch, oder? Ich rege mich da wirklich ein wenig auf, was vor allem daran liegt, dass ich wirklich nicht gerade wenig Steuern abdrücke, und mich trotz mehrfacher Gelegenheit nicht in irgendein Steuerparadies zurückgezogen habe, um mich unter Palmen über das von da an mehr verdiente Geld freue… vor allem, nachdem ich zum arbeiten nur einen Laptop brauche, und daher wirklich auf der ganzen Welt arbeiten könnte – sofern es dort WLan & schnelles Internet gibt selbstverständlich! Wie doof bin ich eigentlich, dass ich so ein desolates Verhalten unserer “Spitzenpolitik” Riege noch mit meinem Steuergeld unterstütze? Auch die scheint ja mittlerweile nur noch die bevorzugt zu behandeln, die sich mit Spendengeldern an die Parteien für “kleine Gefallen” erkenntlich zeigen. Bei dem was man da Woche für Woche lesen muss, bekommt man ja echt langsam das Gefühl, dass die Bundesrepublik Deutschland mittlerweile zur Bananenrepublik verkommen ist…

Ach nochwas – der Rettungsfond, oder wie auch immer das Ding heißt, dass in Zukunft vermeiden soll, dass Pleitebanken durch den Steuerzahler gerettet werden sollen – das ist doch auch mal ein Witz, oder? Eine Milliarde Euro pro Jahr sollen so angespart werden… ja Wahnsinn! Wie sagte mein Lieblingssatiriker Urban Priol doch so schön bei “Live aus der Anstalt” gestern Abend im ZDF -> für ein Desaster wie bspl. das Hypo Alpe Adria Posenspiel müsste wir gerade mal über ein Jahrhundert in den Rettungsfond einbezahlen, um das Ganze nicht auf die Schultern des Steuerzahlers laden zu müssen… also sofern in diesem Jahrhundert nicht noch irgendwas anderes schlimmes passiert – aber die Banker und Politiker haben ja aus der Finanzkrise gelernt, da bin ich mir ganz sicher *hihi* PROST

7 Reaktionen zu “Ich muss mich mal ganz kurz auskotzen…”

  1. Holla Marcus,
    das ist ja selbst für Dich – dicker Tobak, aber zu Recht !!

    Es kann ja nicht sein, dass für Banken wie eine Commerzbank ein Rettungsanker geworfen wird, mit Staats- ( Bürgerknete ) und dann die Banker immer noch Boni bekommen.

    Miliarden in die Tonnen getreten wurden auch bei der BayernLB, bei der LBBW, bei der Commerzbank, weil man erlaubt hatte, dass die Allianz AG die ” failed ” Dresdner Banker verkaufen durfte und dann die Commerzbank dann mit Staatsgeld vor dem Kollaps rettete etc.

    Ähnliches Modell bei der BayernLB, und vor allem der HRE, wo sich ganz enstpannt der EX Boss Funke in ” Happy Bogenhausen” eine 20 Mio. Villa gebaut hatte, die er aus ” Angst ” nicht beziehen wollte.

    Und auf der anderen Seite hat der BUND kein Geld für Bildung, Ausbildung und Erziehung??? Zu Recht – Megafail!!

    Leider ist das in Deutschland so, Und nicht umsonst wandern sehr viele junge High Potentials aus D. ab, weil Sie keine Chance bekommen, und die Politik nichts anderes weiss, wie ” alte Industrien ” – ” Netzwerke ” zu unterstützen.

    Für mich ist das eher ein ” Leichen schmücken ” bis Sie ihre Schäffchen / Ihre Pension in Sicherheit haben.

    Armes Deutschland!

    Deutschland und die Politik, die Unternehmen sollten endlich mal neue Themen vorrantreiben und über den Tellerrand schauen, damit auch D. mal wieder Wachstum bekommt und nicht in wirtschaftllicher Lethargie verharrt,
    wie aktuell :-)

    Thomas am 14. April 2010 um 21:27 Uhr
  2. Ja, bei diesem Thema kann man sich zu Recht aufregen.
    Allerdings bin ich auch davon überzeugt, dass insgesamt viel mehr Dinge dahinterstehen, als man so von außen und Thema-Fremder so sieht/kennt/versteht.

    Die HRE musste ja gerettet werden, weil zu viel andere Dinge dran hingen. Eine Abwicklung wäre also viel teurer gekommen, als für die Fehlbeträge aufzukommen.

    Auch über die Politiker herzuziehen ist nur zum Teil korrekt. Obama ist sicherlich mit ehrlich guten Absichten gestartet. Kaum im Amt hat er wahrscheinlich diverse Interna mitbekommen, die gewisse Handlungen unmöglich machen.
    Wir leiden unter diversen Altlasten, die v.a. dem breiten Volk nicht verständlich gemacht werden können. Ohne revolutionäre Wandlungen mit der Bereitschaft jedes Einzelnen zum Verzicht auf gewohnte Dinge ist die Abschaffung und grundlegende Änderung meiner Meinung nach nicht zu erreichen.

    my 2 cents ;)

    Sven am 14. April 2010 um 21:54 Uhr
  3. Hallo Marcus,

    ein Jahr zu spät um dieses Thema zu beginnen, findest Du nicht?

    Und die Alibi-Lösung mit dem Rettungsfond ist wirklich Schwachsinn. Wir sind wohl alle selbst schuld, denn “Du bist Deutschland” und ich auch. :-D

    Strangerli am 15. April 2010 um 09:41 Uhr
  4. Kann kurz mal zur HRE – Es gab kurz vor der ersten Rettung ( ca. 10 Mrd. Euro ) ein Krisenmeeting aller + der involvierten Politiker, bei denen die Swissre, die Munich Re, alle Banken eingeladen waren, und auf dem meeting wurde die HRE als Bank als systemrelevant dargestellt, so dass man Sie nicht pleite gehen lassen konnte. Man hatte nur Angst vor einer noch größeren Finanzkrise und wusst sich nicht zu helfen!

    Man hat dann lieber die HRE Aktionäre enteignet und Staatsgeld reingepumt, weil die Sicherungssysteme versagt hatten – und zwar alle :-)
    Von der BAFIN angefangen…

    Thomas am 15. April 2010 um 10:42 Uhr
  5. Sehr schönes Statement Marcus! Ich verfolge das ganze Desaster nun schon seit 2005. Und meiner Meinung nach liße sich das ganze Dilemma weltweit nur mit einer Maßnahme stoppen: Man muß den Eigenhandel der Banken verbieten! Banken sollte somit nicht mehr Zocken können/dürfen und nur noch für Kontenverwaltung und Kreditvergabe zuständig sein.
    Bei den Summen die in der Hochfinaz fließen wird sowas aber nie durchgesetzt werden…

    Ringo am 15. April 2010 um 13:04 Uhr
  6. Und die Veranstaltung nennt sich offiziell noch Demokratie, während Frau Merkel mit den Bankern speist, angeblich besorgt um das Wohl des Vaterlands, während die Schulen in katastrophalem Zustand sind, die Kommunen pleite usw usf. Die Liste lässt sich beliebig verlängern. Das geht weiter bis die Leute anfangen sich zu wehren. Und zwar richtig, sonst läuft die Nummer genauso weiter.

    Victor am 17. April 2010 um 10:25 Uhr
  7. Die deutschen Bürger zählen nicht zu den wehrhaften Menschen.

    Strangerli am 20. April 2010 um 09:31 Uhr

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