Marcus Tandler

Job Google

Kaum ein Monat vergeht, ohne eine neue Jobsuchmaschine! Ist ja auch klar, so klingt doch schon alleine das Konzept “Google für Jobs” zu werden, nach Venture Capital -> Börsengang -> endloser Reichtum & Glückseeligkeit…
Natürlich ist das nicht ganz so einfach, aber vom Prinzip her, macht diesen Konzept natürlich richtig Sinn! Denn auf den allgemeinhin bekannten Jobbörsen findet man ja lediglich die Stellenanzeigen von dort inserierenden Unternehmen. Ein gewissenhaft Jobsuchender muss also eigentlich ständig auf allen Jobbörsen aktiv sein, um kein für ihn relevantes Stellenangebot zu verpassen.

Letzte Woche ist auf jeden Fall kimeta mit eben diesem heeren Ziel an den Start gegangen -> kimeta startet “Job-Google” – erklärte auf jeden Fall schon mal die Pressemitteilung!

Auffällig ist allerdings, dass die meisten Jobs von den bekannten Jobbörsen abgecrawlt werden, so finden sich unter anderen Jobs von JobScout24 oder auch Monster in den Suchergebnissen. Gut, im Gegensatz zu Careerbuilder Deutschland (wie berichtet) verweist kimeta klickende User direkt an die Jobbörse weiter, aber dennoch hinterlässt das doch einen komischen Geschmack, oder?

kimeta-Gründer Dr. Erik Spickschen erklärt in der Pressemitteilung „Bei den klassischen Jobbörsen finden Stellensuchende nur die Angebote der Unternehmen, die dort inserieren.” – ergo ist kimeta also die bessere Wahl für den Bewerber, oder? Denn immerhin bekommt er dort ja sämtliche Angebote aller Jobbörsen! Wieso also noch die Jobbörsen einzeln ansurfen? Das wollte uns Herr Dr. Spickschen wohl damit doch sagen, oder?
Ich weiß jetzt natürlich nicht, ob die einzelnen Jobbörsen kimeta das Crawling Ihrer Stellenanzeigen erlauben – normalerweise ist das schon der Fall, so bekommen die Anzeigen ja evtl. auch ein wenig mehr Traffic, den die zahlende Kundschaft ja auf der Stellenanzeige erwartet. Aaaaber helfen die Jobbörsen damit nicht vielleicht einen Konkurrenten stark zu machen? Ich weiß, ich übertreibe mal wieder ein wenig, aber hier eine kleine Vision meinerseits:

Jobsuchmaschine X geht an den Start -> Jobbörsen erlauben Jobsuchmachine X ihre Stellenanzeigen abzucrawlen um vom initialen Hype mitzuprofitieren -> PR & Werbung von Jobsuchmaschine X schlägt ein wie eine Bombe -> Bewerber & Medien lieben Jobsuchmaschine X -> Jobsuchmaschine X wird “Google für Jobs” -> Bewerber suchen Jobs nur noch auf Jobsuchmaschine X, und gehen nicht mehr auf die Jobbörsen (wieso auch?) -> Jobbörsen müssen mehr Geld in die Hand nehmen, um den Besucherverlust zu kompensieren -> Jobsuchmaschine X lässt Jobbörsen dafür zahlen ihre Stellenanzeigen auf X zu veröffentlichen -> Jobbörsen zahlen bereitwillig, da Jobsuchmaschine X bereits 50% ihres Traffics ausmacht…

Die restlichen Stationen Konsolidierung und Weltherrschaft lass ich mal weg, dass kann sich jede Jobbörse selber schwarz ausmalen…
Ach, ich sehe das wahrscheinlich wirklich mal ein wieder ein wenig zuuuu pessimistisch, wieso sollte das denn auch so laufen? Wieso sollte sich Jobsuchmaschine X anschicken, ein Google für Jobs zu werden, und den Besuch auf anderen Jobbörsen obsolet zu machen?
Wenn ihr euch diese Fragen stellt, dann stellt euch lieber mal diese: Wieso ist Jobsuchmaschine X überhaupt an den Start gegangen? Wieso zahlen Investoren wie der High-Tech Gründerfond Geld für diese Idee?

Und nochmal, damit es auch jeder kapiert:

Kimeta startet „Job-Google“
„Bei den klassischen Jobbörsen finden Stellensuchende nur die Angebote der Unternehmen,
die dort inserieren. … Wir schaffen im Bereich der offenen Stellen in Deutschland
mit einer Art ‚Job-Google‘ eine völlig neue Dimension von Transparenz und Vereinfachung“

so liebe Jobbörsen – it´s time to act!

Nachtrag: Der Stellenmarkt der Süddeutsche hat scheinbar schon reagiert, so landet man stets im leeren, wenn man auf eine Stellenanzeige der Süddeutschen klickt…

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4 Reaktionen zu “Job Google”

  1. Wieder eine Jobsuchmaschine die die Weltherrschaft an sich reissen will ;-)
    Bei Alexa wird schon seit einem halben Jahr Traffic für kimeta angezeigt. Kimeta wirbt auch schon länger über Adwords.
    Eigenartig ist das Impressum, das als Grafik dargestellt wird. Leider sind (zumindest bei mir) zahlreiche Links zu den Stellenbeschreibungen fehlerhaft, bzw. führen nicht zum Ziel.
    Positiv fällt mir die Möglichkeit auf einen Account anzulegen und Suchprofile anzulegen.
    Unterm Strich die Neuauflage eines nicht mehr wirklich innovativen Konzepts (Jobrobot, wwj etc.): Warum hier Geld reingesteckt wird wissen wohl nur die Geldgeber selber.
    Das Projekt wird sich wohl über hervorgehobene Anzeigen (hier “kiPositions”) finanzieren?

    Jo am 14. December 2006 um 10:55 Uhr
  2. Unser Geschäftsmodell stellt die Jobsuchenden und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Es basiert auf zusätzlichen kostenpflichtigen Dienstleistungen, die wir ab dem Frühjahr 2007 anbieten werden. Wir bevorzugen oder benachteiligen keine Jobbörse, sondern bieten Stellensuchenden den bestmöglichen Service, nämlich eine möglichst große Anzahl für sie relevanter Positionen.

    Wir sehen uns als zusätzliches Angebot, das Traffic auf die Seiten der Jobbörsen bringt und konkurrieren daher nicht mit deren Geschäftsmodell.

    Übrigens durchsucht Kimeta nicht nur die bekanntesten Jobbörsen, sondern insgesamt 400 der etwa 800 deutschsprachigen Angebote. Zusätzlich beziehen wir Stellenanzeigen von Hunderten von Unternehmenswebsites in die Suche ein – Tendenz steigend. Diese Informationen werden mittels Künstlicher Intelligenz dem Nutzer so zugänglich gemacht, dass er zeitsparend nach einem Job Ausschau halten kann.

    Jörg Malang (Geschäftsführender Gesellschafter Kimeta GmbH) am 15. December 2006 um 17:44 Uhr
  3. Ich habe nicht den Eindruck, daß KIMETA so größenwahnsinnig ist, eine “Weltherrschaft” anzustreben. Was hier angeboten wird, ist eine intelligente Dienstleistung sowohl für denjenigen, der eine zu ihm passende Stelle sucht, als auch Firmen, die eine Stelle mit dem diese am besten ausfüllenden Bewerber besetzen wollen. Die “Künstliche Intelligenz” (KI)macht es möglich!
    Während die üblichen Suchmaschinen nur auf das konkret eingegebene Schlagwort reagieren, ist die KI in der Lage, auch sinnverwandte Begriffe zuzuordnen. Dadurch können die Profile von Bewerber und ausgeschriebener Stelle besser aufeinander abgestimmt werden. Dem Bewerber werden so Stellen angeboten, an die er vielleicht selbst gar nicht gedacht hat. Ich bin davon überzeugt, daß damit beiden Seiten ein guter Dienst geleistet wird.

    Bernhard Jurisch am 16. February 2007 um 11:51 Uhr
  4. Wenn Sie nicht davon überzeugt wären, hätten Sie ja auch wohl kaum in die Firma investiert… :-)

    http://www.kimeta.de/pdf/kimeta_Unternehmensprofil.pdf

    Ich denke aber, dass es mit der KI noch nicht sooo weit her ist…
    nehmen wir mal die Suche nach “Key-Account Manager”, da bekomme ich in der KI durchtränkten Cloud “Automotive, Food, IT, Junior” angeboten – macht in meinen Augen nicht wirklich Sinn. Vielmehr sollte dort “Sales Manager, Aussendienst” etc. stehen – also richtige Synonyme des Key-Account Managers.

    Aber was nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden :-)

    Und bzgl. Weltherrschaft – wenn ich die jemanden gönne, dann dem Jörg! :-)

    Marcus am 16. February 2007 um 11:58 Uhr

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