Marcus Tandler

Jobbörsen im aktuellen Bewerber-Urteil

Gastbeitrag von Gerhard Kenk von Crosswater Systems.
Wie geht’s weiter mit dem nächsten Karriereschritt? Das neue Bewerbungsfoto ist fertig, der tabellarische Lebenslauf ist aktualisiert – aber wo soll der Kandidat die Wunsch-Stellenangebote im Internet finden?

Jetzt heißt es, aus der Vielzahl der verfügbaren Recruiting-Kanäle die Richtigen auszuwählen. Sind es die Social Media Plattformen wie Facebook, LinkedIn oder Xing, sind es Jobsuchmaschinen wie Kimeta, ICjobs oder Indeed? Sind die Spezialisten unter den Jobbörsen effektiver als die Generalisten – und wo fange ich meine Stellensuche im Internet überhaupt erst an?

Wenn Kandidaten hier die falsche Weichenstellung wählen, leidet ihre Jobsuche unter einem hohen Zeitaufwand – im schlimmsten Fall verpassen sie ein aussichtsreiches Stellenangebot, weil sie es im Internet schlicht nicht gefunden haben.

Nun liegt eine Orientierungshilfe im Kampf durch den Jobbörsen-Dschungel vor: die Bewerber selbst haben in einer Nutzer-Umfrage ihre Meinung über die Zufriedenheit mit den Jobbörsen des Landes kund getan. Und auf dieses Urteil können Stellensuchende bauen – denn es spiegelt die Auffassung von über 20.000 Umfrageteilnehmer wieder. Und auch für Recruiter sind diese Erkenntnisse nützlich, denn sie sollten dort Fischen, wo die Fische – sprich Bewerber – sich tummeln.

Die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Jobbörsen-Nutzerumfrage könnte man so auf den Punkt bringen:

  • Internet-basierte Jobportale sind nach wie vor eine der wichtigsten Recruiting-Kanäle
  • Alle drei Gattungen der Jobportale, nämlich Generalisten, Spezialjobbörsen und Jobsuchmaschinen haben sich in den letzten 12 Monaten in punkto Zufriedenheit und Suchqualität verbessert
  • Die beste Zufriedenheit der Stellensuchenden erzielen die Spezial-Jobbörsen
  • In den letzten 12 Monaten wurden einige Newcomer erstmalig bewertet, hier schnitten Jobsintown, Ictjobs, IT-Treff oder die Jobsuchmaschine Jobsterne.de gut ab
  • Die meisten Bewertungen der Jobbörsen-Nutzer entfallen auf Stepstone, Monster, MeineStadt.de, Arbeitsagentur und Stellenanzeigen.de, die ein solides Zufriedenheitsranking erzielen
  • Bei den Jobsuchmaschinen liefern sich Kimeta und Icjobs ein Kopf-an-Kopf Rennen um die Gunst der Stellensuchenden.

Die Bewerber haben ihr Urteil gefällt

Spezial-Jobbörsen und Jobsuchmaschinen stehen ganz oben in der Gunst der Stellensuchenden, wenn es um die Internet-Jobsuche geht. Aber auch die Generalisten unter den Jobbörsen spielen eine wichtige Rolle, denn im aktuellen Wettbewerb um Fachkräfte bilden diese drei Jobportal-Gattungen den wichtigsten Recruitingkanal, wie der ICR Recruiting Report 2012 (zu finden unter Competitiverecruiting.de/Studien.html) ermittelt hat.

Die aktuellen Ergebnisse der Crossprop-Research-Jobbörsen-Nutzer-Umfrage zum Stichtag 31.3.2013 zeigen auf, dass die allgemeinen Jobbörsen (Generalisten) im Zeitvergleich ihre durchschnittliche Zufriedenheit aus Bewerbersicht von 1,85 auf 1,82 verbessern konnten. Jedoch standen die Spezialisten unter den Jobbörsen bei Bewerbern hoch im Kurs und erzielten in den letzten zwölf Monaten eine Zufriedenheitsbewertung von durchschnittlich 1,64 (auf einer Skala von 1=sehr gut bis 4 = überhaupt nicht gut). Jobsuchmaschinen konnten hingegen ihre überdurchschnittlich gute Zufriedenheitsrate nicht ganz behaupten und schnitten mit 1,78 geringfügig schlechter als in den Vorjahren ab.

Top-Newcomer bei den Spezial-Jobbörsen waren die IT-Spezialisten ictjob.de sowie IT-Treff.de, bei den Jobsuchmaschinen machte Jobsterne.de als Newcomer auf sich aufmerksam. Bei den Generalisten verzeichnete Stellenanzeigen.de eine Zufriedenheitsverbesserung von 13,7%, während Jobsintown.de sein Zufriedenheitsranking in den letzten 12 Monaten bei einer niedrigen Gesamtzahl von 37 Bewertungen sogar um 40,8% verbesserte.

Im Gesamtranking der Dauerumfrage (Zeitraum 1.10.2008 bis 31.3.2013) landeten folgende Jobportale auf den vordersten Plätzen:

Das sind die Ergebnisse der Studie von CrossPro-Research.com, die auf einer Online-Umfrage unter Stellensuchenden seit 2008 durchgeführt wird und auf insgesamt 20.552 Bewertungen basiert. Für Bewerber sind die Umfrage-Ergebnisse wichtig, weil sie sich bei der Stellensuche auf die am besten bewerteten Jobportale konzentrieren können und so ihre Suche zeitökonomisch gestalten können. Für Arbeitgeber ist es nützlich, die zahlreichen Jobportale nach Qualitätsmerkmalen der Benutzer unterscheiden zu können und damit die Schaltung von Stellenanzeigen in qualitativ guten Jobportalen vorzunehmen.

Bei der Suchqualität konnten sich die Generalisten in den letzten 12 Monaten geringfügig auf 2,06 verbessern. Aus Sicht der Stellensuchenden schneiden jedoch die Spezialisten (Durchschnittswert 1,80) und die Jobsuchmaschinen (Durchschnittswert 1,86) wesentlich besser ab. Obwohl einzelne Betreiber von allgemeinen Jobbörsen teilweise erhebliche Investitionen in die Verbesserung ihrer Suchtechnologie (Stichwort: Semantische Suche) getätigt haben, kämpfen die Generalisten immer noch mit der “Qual der großen Zahl” bei den publizierten Stellenanzeigen. Bewerber sehen sich bei Generalisten häufiger mit entsprechenden Streuverlusten bei der Trefferliste konfrontiert als bei Spezial-Jobbörsen mit einer maßgeschneiderten Ausrichtung auf klare Recruiting-Zielgruppen.

Fazit

Nach wie vor herrscht aufgrund der großen Zahl der Jobportal-Betreiber in Deutschland eine geringe Marktransparenz. Die einzelnen Gruppen der Jobportale (Generalisten, Spezialisten und Jobsuchmaschinen) stehen in einem Gattungswettbewerb untereinander. Generalisten punkten durch eine hohe Anzahl von publizierten Stellenanzeigen und großer Reichweite, müssen allerdings auch höhere Streuverluste bei der Zielgruppenansprache in Kauf nehmen. Spezialjobbörsen publizieren eher weniger Stellenanzeigen als die Generalisten und haben eine geringere Reichweite, dafür treten aber weniger Streuverluste auf. Jobsuchmaschinen hingegen punkten mit einer sehr hohen Anzahl von indizierten Stellenanzeigen. Sowohl Spezialjobbörsen als auch Jobsuchmaschinen haben jedoch einen niedrigeren Bekanntheitsgrad bei Arbeitgebern und Bewerber.

Für Bewerber ist es empfehlenswert, bei ihrer Stellensuche alle drei Jobportal-Gattungen zu berücksichtigen. Arbeitgeber sollten ihre Medienplanung für die Publikation von Stellenanzeigen auf einer Kombinations-Schaltung bei leistungsstarken Generalisten als auch bei ausgesuchten Spezialisten ausrichten. Entscheidend ist es, die richtige Bewerber-Zielgruppe dort zu finden, wo sich die Stellensuchenden im Internet tummeln. Für Mittelstandsunternehmen und kleinere Dienstleister ist die Einbindung von Jobsuchmaschinen eine gute Wahl, wenn der Arbeitgeber-Bekanntheitsgrad und das Employer Branding nicht besonders ausgeprägt sind.

Über den Autor dieses Artikels

Gerhard Kenk betreibt seit 2000 das Jobbörsen-Informationsportal “Crosswater Job Guide” und führt zusammen mit dem Kooperationspartner Profilo.de eine Jobbörsen-Nutzer-Umfrage durch, die seit 2008 die Einschätzungen und Zufriedenheitsbeurteilungen von Stellensuchenden erhebt. Jobsuchende können unter Crosspro-Research.com an der Umfrage teilnehmen und erhalten einen exklusiven Datenbank-Zugriff auf die Ergebnisse, um die besten Jobbörsen für die Wunschbranchen der Bewerber einzusehen.