Marcus Tandler

Neue Pflichtlektüre für Karrierehungrige

Jochen MaiJochen Mai, der Blogger hinter Jo´s Jobwelt hat vor kurzem ein neues Blog gelauncht – KarriereBibel.de. Unter dem gleichnamigen Titel erscheint im Dezember auch ein Buch von Jo – tolle Idee ein Blog zum Buch zu machen! Da Jo mittlerweile eine guter Blogger-Freund geworden ist, habe ich gefragt, ob er nicht Lust zu einem kleinen Interview hat – und natürlich hat er zugesagt 🙂

Jochen, vergangene Woche hast Du Dein Blog Karrierebibel.de gestartet. Es ist das Blog zu Deinem gleichnamigen Buch, das im Dezember erscheinen wird. Warum diese Verbindung aus neuem und alten Medium?

Naja, so taufrisch sind Blogs ja auch nicht mehr… Sicher gibt es Bücher länger als Blogs – aber deshalb sind sie keineswegs alte Medien. In der Konnotation klingt das als sei Papier überholt, out, tot. Ist es aber nicht. Allein in der Bahn treffe ich immer mehr Menschen, die während der Fahrt Bücher lesen – und nicht nur Romane! Ich selbst lese wahnsinnig gerne Fachbücher, vorausgesetzt, sie sind gut geschrieben. Ich glaube allerdings, dass sich die Lesegewohnheiten bei der Fachliteratur durch das Internet ändern werden: Warum 200 Seiten durchackern, wenn die entscheidende Lektion des Buches auch auf fünf Seiten passt? Warum zehn Beispiele ausgeschmückt bekommen, wenn ihre Botschaft doch immer nur dieselbe ist? Und was sollen diese überbordenen Selbstausfüllbögen, die meist nur Platz schinden, deren Aussage sich aber genauso auf eine Seite komprimieren lässt? Kurzum: Durch das Internet werden wir mit Informationen überfüttert. Was das Buch – wie übrigens alle Printmedien – künftig leisten muss und kann, ist Relevanz statt Rauschen.

Das war ein flammendes Plädoyer für Bücher, aber noch nicht die Antwort auf meine Frage.

Stimmt. Die kommt jetzt: Die Idee zu meinem Buch ist genau so entstanden. Ich blogge ja selbst seit einigen Jahren – bei der Wiwo und privat – und habe dabei festgestellt, dass meine Leser vor allem die fundierten wie komprimierten Artikel schätzen. Also nicht die Vollmilch, sondern die Kondensmilch. Genau das habe ich im Buch umgesetzt: Es besteht aus 366 kompakten Karriere-Kolumnen – für jeden Tag eine, für jeden Tag ein anderes Thema. Eben nur das Wichtigste. Dabei orientiere ich mich an einem fiktiven Karriereverlauf. Das heißt: Im Januar geht es los mit Artikeln zum Thema Karrierepläne, Bewerbung, Vorstellungsgespräche; im Februar weiter mit Einstiegsregeln im neuen Job, später dann Stücke zur Mikropolis Büro, zu Kreativtechniken, zur Psychologie des Erfolgs, wie man Krisen meistert, Machtstrategien, usw. bis es schließlich im Dezember Tipps für einen gelungenen Abgang gibt – oder auch ein gelungenes Comeback. Was freilich voraussetzt, dass man erst einmal weg war. Diese Buchstruktur passt natürlich auch perfekt zu einem Blog, das in der Regel ebenfalls täglich fortgeschrieben wird. Da ich durch das Bloggen, die Reaktionen und Kommentare meiner Leser sehr schätzen gelernt habe, stand für mich von Anfang an fest, dass sich beide Medien – Blog und Buch – gegenseitig unterstützen und ergänzen sollen. Ich möchte mit den Leuten über diese Themen auch diskutieren.

Wieso 366 Kolumnen statt 365? Gibt es da eine Art hidden Track?

2008 ist ein Schaltjahr. Aber den Text zum 29. Februar darf man natürlich nur alle vier Jahre lesen…

Und wer mogelt?

Hat bereits eine wichtige Erfolgslektion gelernt: Man sollte nicht jeder Regel trauen!

Kannibalisiert das Blog nicht das Buch?

Nein, es ergänzt das Buch. Das ist ja gerade das Reizvolle daran. Im Blog stehen nicht 1:1 die Kolumnen aus dem Buch. Zu 80 Prozent sind es völlig andere Texte. Der Rest sind unvermeidbare Überschneidungen. Aber im Blog können die Leser über diese Themen mit mir oder mit anderen Lesern diskutieren. Das können Sie im Buch nicht. Und wer weiß, vielleicht entsteht so am Ende eine überarbeitete, user generated Karriere-Bibel 2.0.

Dein Blog sieht auf jeden Fall klasse aus und bietet alle Voraussetzungen dazu. Dein Claim ist allerdings: “Definitiv alles, was Sie für Ihren beruflichen Erfolg wissen müssen”. Das ist ganz schön hoch gegriffen.

Wer die Latte von vorneherein niedrig hängt, wird nie hoch springen. Ich gebe zu, das ist ein hoher Anspruch. Andererseits beschäftige ich mich mit diesem Thema seit über zehn Jahren, leite seit acht Jahren das Ressort “Beruf + Erfolg” bei der WirtschaftsWoche und habe zum Thema Karriere bestimmt über 500 Bücher an- bzw. durchgelesen; ich lese regelmäßig deutsche und englische Artikel dazu, diskutiere das mit Personalern, Psychologen, Soziologen, Managementexperten und Managern. Da merkt man, was wirklich relevant und was einfach nur medial aufgeschäumtes Tschakka-Tschakka ist.

Die anderen Autoren werden sicher dasselbe behaupten.

Sicher. Klappern gehört zum Geschäft. Aber allein der Leser entscheidet am Ende, wem er glaubt, weil der überzeugender oder breiter argumentiert oder weil er ihm einfach sympathischer ist. Zudem ist es so: Nicht jede Methode, nicht jede Strategie, die ich in meinem Blog oder Buch beschreibe, wird zu jedem passen. Das kann und soll sie auch nicht. Jeder Mensch ist nun mal anders: Der eine steht noch am Anfang seiner Laufbahn, der andere mittendrin. Ebenso hat jeder eigene Werte und Ziele. Welche das sind, und wie man die erreichen will – das bleibt die eigene Entscheidung. Die kann einem keiner abnehmen: kein Freund, kein Coach und erst recht kein Autor. Aber je mehr man seinen Horizont erweitert, links und rechts seines Erfolgsweges schaut, desto besser lernt man Alternativen und Abkürzungen kennen. Ich versuche, diese vorzustellen und zu bewerten. Ich lerne aber auch gerne dazu.

Vielen Dank Jochen für das Interview!

Hier noch ein paar Infos über Jochen:
Jochen Mai, 38, studierte Volkswirtschaft und Politik an der Universität Köln. Er ist seit 15 Jahren Wirtschaftsjournalist, arbeitete schon frei für mehrere Zeitungen und Magazine, als freier Fotograph sowie fürs Fernsehen, bevor er 1998 zur WirtschaftsWoche ging. Seit acht Jahren leitet er dort das Ressort „”Beruf + Erfolg” (und bloggt dort auf Jo´s Jobwelt). Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. Vergangene Woche startete sein jüngstes Blog: Karrierebibel.de

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