Marcus Tandler

Plant Google ein eigenes Business-Network?

Google´s sehnlichst erwarteter Einstieg ins Social Networking Bizz mit Google Plus scheint ein voller Erfolg zu sein. Obwohl das Ganze doch recht arg nach Facebook aussieht, hat es Google geschafft, mit einer sehr nützlichen Funktionalität – dem Einordnen von Freunden & Bekannten in Circles – dem vormals noch übermächtig erscheinenden Facebook kräftig in die Suppe zu spucken. Der Erfolg im Social Web ist nun ein wichtiger Bestandteil im Bonus eines jeden Google-Mitarbeiters, und nach eher halbherzigen Versuchen ein Stück vom Social-Networking-Kuchen abzubekommen, scheint nun klar, dass Google+ die letzte Chance ist, eben jeden Erfolg herbeizubeschwören.

Google ist bewußt, dass die Abhängigkeit von einfach von außen zu beeinflussenden Faktoren (wie z.B. Backlinks) im Suchalgorithmus verringert werden muss, und nebem dem User Intent, also der Analyse von Bewegungs- und Verhaltensmustern auf Google-Suchergebnisseiten, sind Social Signals einfach eine elegante Möglichkeit, gute Webseiten zu identifizieren, und bei einer entsprechenden Suche im Suchergebnis anzubieten. Der Zugriff auf Daten von Facebook und auch Twitter ist da natürlich immer etwas tricky, denn wer verlässt sich schon gerne auf Daten, die von einem 3rd Party Algo generiert wurden? Google+ ist hier die letzte Chance diese Daten selbst zu generieren, und noch viel schöner -> sie zu nutzen, wie auch immer es gefällt… Das Szenario, wie das Ganze dann einmal später aussehen wird, ist ja wohl bereits sehr deutlich am Horizont zu erkennen.

Ich bin etwas erstaunt, und im gleichem Maße aber durchaus beeindruckt, wie bereitwillig die Leute Google dabei helfen, den letzten Kontinent in diesem virtuellen Risiko-Spiel zu erobern, so haben in kürzester Zeit schon knapp 20 Millionen Menschen dort ihr Profil angelegt (ich natürlich auch), und sind diversen Studien zufolge auch bereit das vormals innig geliebte Facebook aufzugeben, um fortan nur noch virtuell auf Google+ zu leben. Klar, Facebook hat derzeit noch viel mehr Mitglieder, aber wir wissen ja bereits, wie schwer der Social-Media Zug zu stoppen ist, wenn er einmal Fahrt aufgenommen hat…

Ich fand die Gewaltenteilung Google vs. Facebook eigentlich immer ganz sinnvoll – es kommt meistens nichts Gutes davon, wenn ein einzelner Player zuviel Online-Real-Estate besitzt – klar, das Produkt Google+ ist toll und wirkt durchdacht, aber dennoch sollte man es Google doch nicht ganz so einfach machen, denn der Preis kann mitunter höher sein, als wir dazu zu zahlen bereit gewesen wären.

Ein interessanter Markt bleibt aber noch, und zwar der des Social Business Networkings, der bislang recht eindrucksvoll von LinkedIn geclaimed wird, die vor nicht allzu langer Zeit sogar den erfolgreichsten Börsengang seit dem Google IPO hingelegt haben – Hut ab!

Genau diesen Markt scheint Google als nächstes anzuvisieren, denn wenn man schon Personal Networking macht, wieso dann nicht gleich noch den Business-Aspekt dazupacken? Die Plattform ist ja leistungsmässig mehr als dazu in der Lage, wieso also nicht gleich auch noch bei der Kuchenparty von LinkedIn vorbeizuschauen, und ein paar fette Stücke mitnehmen? Die etwas ungewöhnlich anmutende Zurückhaltung seitens Google bei Firmenprofilen (teilweise wurden Firmenprofile ja anfangs auch einfach wieder gelöscht, was Google aber bereits auch als Fehler eingeräumt hat) schien ja bereits ein kräftiges Indiz zu sein, dass Google hier etwas mehr plant, als simple Firmenprofile im +1 Look. Und nun offenbart Google noch ein paar mehr (vage) Details ->

There will be a product very soon that has businesses’ interests in mind… We want to give them the features businesses expect and the features that can improve the sharing experience both for consumers and businesses.

Klingt ein wenig so, als würde Google hier etwas größeres planen! Das spannende daran ist aber, dass Google mit einem tollen Produkt hier wirklich alle Chancen hätte, gleich noch das größte Business-Network zu werden, denn die Zeit der walled-garden Netzwerke scheint vorüber zu gehen, so wollen die Leute einfach nicht bei mehreren Netzwerken aktiv sein, sondern am liebsten alles auf einer Plattform machen. Wer updated denn bitte seinen Status auf Facebook und Twitter, und loggt sich dann noch bei XING ein (die gerade voll in der Identitätskrise angekommen zu sein scheinen), um auch den dortigen Status upzudaten? Doch nur Leute mit zuviel Zeit, die hoffen mit ihrem Anliegen wenigstens irgendwo auf offene Ohren zu stoßen – ihr hört bestimmt schon raus, auf wen ich da anspiele -> der gemeine MLM-Glücksritter.

Wie sehr die Leute auf die One-Plattform-Business-Networking Erlösung hoffen, kann man ja sehr schön an BranchOut beobachten – die kamen, sahen und siegten, auch wenn sie nach dem Sieg erstmal verkatert über ihren Erfolg gestolpert sind

Der Markt ist auf jeden Fall vorhanden für intelligentes Business-Networking, und die Google+ Plattform hat durchaus das Potential, dieser One-Stop-Shop zu werden, den sich die User so innig wünschen. Ich sag da nur -> be careful what you wish for

Aber ich prognostiziere auf jeden Fall mal, dass noch bis Ende dieses Jahres Posts erscheinen werden, wie man am effektivsten Recruiting im Google+ Business Network (wie auch immer das dann heißen mag…) betreibt – und ich prognostiziere weiter, dass diese Recruiting-Möglichkeiten auch sehr ausgeklügelt sein werden, und vielleicht Online-Recruting in ein neues Zeitalter führt.