Marcus Tandler

Social Networks Overkill

Der ehemalige Gründer und CEO von CareerBuilder Rob McGovern vor knapp 7 Jahren (anno 2004), nach 7 Jahren CareerBuilder (CareerBuilder wurde 1995 gegründet!) die Jobbörse Jobfox gegründet.

Bislang war Jobfox eine mehr oder weniger stinknormale Online-Jobbörse, aber vor 2 Tagen ging der Relaunch online, und nun schickt sich Jobfox an quasi ein eigenes Social Network für Recruiter zu werden. Der Grundgedanke ist eigentlich nicht mal so übel, so können Personaler und Headhunter auf Jobfox eigene “private hiring networks” erstellen, denen die Jobsuchenden auf Jobfox entsprechend beitreten können. Als Jobsuchender legt man also eine Online-Bewerbung an (die zwar schick aussieht, aber doch wenig Übersicht bietet), und tritt den privaten Netzwerken der Firmen bei, bei denen man sich eine Anstellung erhofft. Von nun an bekommt man neue Stellenangebote frei Haus geliefert, und kann außerdem direkt mit dem zuständigen Personaler in Kontakt treten. Das war´s dann aber auch schon mit Innovation… Mir selber erschließt sich nicht so ganz, wieso man so einen Aggregator braucht, denn letztendlich aggregiert Jobfox auch nur die via Twitter, Facebook oder good ´ol RSS syndizierten Stellenanzeigen der Firma – und syndiziert diese auch weiter an die Jobsuchenden und deren Accounts. Über 7.000 Firmen haben derzeit so ein private hiring network bei Jobfox online, die Frage ist nur, ob jedes dieser Unternehmen auch in irgendeiner Weise für diesen Service zahlt, oder ob hier einfach Bestandskunden des alten Jobfox in solche private Networks überführt wurden. Die auf der Webseite propagierten Vorteile sind auf jeden Fall recht weichgespült, und animieren bestimmt nicht viele Personaler dazu zum Hörer zu greifen, und den Jungs & Mädels von Jobfox die Kreditkartennummer durchzugeben…

Vor allem bleibt auch die Frage offen, wieso Personaler jetzt nach LinkedIn, Facebook und was weiß ich noch alles, jetzt auch noch dort ein Firmenprofil anlegen sollten…
Auch wenn der Vorteil der Anonymität, gerade gegenüber den klassischen Networks wie LinkedIn oder Facebook, schon recht beträchtlich ist. Gerade wenn man aktuell einen Job hat, will man ja ungern quasi öffentlich anderen Unternehmen seine Aufwartung machen, und seinem derzeitigen Arbeitgeber signalisieren, dass man derzeit über einen Jobwechsel nachdenkt (und das laut einer aktuellen Umfrage von JobScout24 über 80% der Arbeitnehmer in Deutschland) …

Aber auch wenn das Konzept durchaus ein paar interessante und spannende Ansätze hat, glaube ich nicht, dass hier der große Wurf gelingt, denn der Trend geht doch eher dahin alle Social Network Aktivitäten zu konsolidieren, und halt gerade nicht zehn verschiedene Plattformen zu nutzen, sondern eben nur noch eine oder zwei, aber dafür mit vollem Schwung & Elan (denn die Jobsuche via Social Networks wird immer beliebter!)

Was meint Ihr? Wie findet Ihr das Konzept von Jobfox?

Für jemanden wie XING wäre es nicht mal so schwer dieses Konzept bei sich auf der Plattform zu integrieren, so müsste man ja nur die Möglichkeit anbieten, sein Profil zu anonymisieren. Man würde also automatisch, eine von allen Personen- und Unternehmensbezogenen Daten befreite “anonyme” Profilseite anbieten, mit dem man XING Firmenprofilen folgen kann – und sobald man in Kontakt mit dem zuständigen Personaler oder Headhunter tritt, kann man entscheiden, ob man die Anonymität aufhebt, und dem Personaler das normale Profil anzeigt. Welchen Unternehmen man folgt wird selbstverständlich nicht im Profil vermerkt, so dass man wirklich zu 100% im Lead ist gegenüber wem man seine Identität preisgibt oder auch nicht.

XING ist ja gerade sowieso heftig am experimentieren, und versucht verzweifelt sich irgendwie zum Social Network zu wandeln, überfordert damit aber die Stammuser, die einfach kein Interesse an einem zweiten Facebook haben, sondern XING für das schätzen, was es damals groß gemacht hat -> unaufdringliches Business Networking.

Spanned fand ich noch Charlie Sheen´s Suche nach einem Praktikanten, die ja groß durch die Blogs ging. Über 70.000 Bewerbungen für einen Logenplatz für Herrn Sheen´s Selbstzerstörung in 3 Akten ist ja wirklich recht ahnsehnlich, aber auch kaum verwunderlich… Wer wäre nicht gern Praktikant des bestbezahlten TV-Serienstars aller Zeiten, der 24 Stunden nichts anderes zu tun scheint, als Drogen und Alkohol zu konsumieren, und nebenbei Pornosternchen in den Schrank zu sperren… Als historischen Tag im Social Recruiting würde ich diesen PR-Gag also nicht bezeichnen, aber dennoch mal wieder schön zu sehen was für eine Macht Twitter haben kann.

Ebenfalls lesenswert -> Können Sie Chef? Die Ergebnisse des großen Führungskräfte-Tests, denn der SPIEGEL zusammen mit dem Manager Magazin durchgeführt hat. Die ganze Auswertung (immerhin 150.000 Teilnehmer!) gibt´s zwar leider nicht online, sondern nur als Buch, aber dennoch gibt es ein paar interessante Keyfacts, die im Artikel erwähnt werden.

Und dann noch eine Facebook-App, mit der man quasi auf Knopfdruck (nämlich auf den “Gefällt mir” Button) einen MBA machen kann – hier geht´s zur App. Ein richtiges MBA Studium ist das zwar nicht, aber immerhin gibt es dort über 100 Stunden an kostenlosem Lernmaterial. Das diese Materialien aber jemand komplett durcharbeitet, und dann ohne Tutoring oder dergleichen direkt seinen Abschluß macht – und das via Facebook, ist wohl recht unwahrscheinlich… Aber dennoch eine lustige Idee!

Und zum Schluß noch ohne Worte…

Dead at Desk
(via FAILBlog)

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2 Reaktionen zu “Social Networks Overkill”

  1. [...] Job-Blog [...]

    So entstehen Gerüchte in der HR-Internetszene (Neu: Wechselwillige nutzen jetzt auch Jobbörsen) | Personaler Blog am 14. April 2011 um 21:43 Uhr
  2. Na ja, der Hype der Social Networks wird sich auch bald wieder Richtung Süden bewegen. Bei all den Vorteilen gibt es inzwischen einige, die bestimmten Netzwerken wieder den Rücken kehren oder sich bei neuen erst gar nicht mehr anmelden. Social Networks werden eine von weiterhin vielen Formen der “Jobbörsen” bleiben.

    Michael am 4. May 2011 um 13:17 Uhr

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