Marcus Tandler

Spezialisten verdienen mehr

Der Fachkräftemangel sorgt für steigende Gehälter. Doch nicht alle Experten profitieren davon im gleichen Maße. Was Fach- und Führungskräfte in verschiedenen Branchen künftig verdienen werden.

Viele deutsche Unternehmen stellt der Fachkräftemangel schon heute vor gewaltige Herausforderungen. Und es wird noch schlimmer. Schuld ist der demografische Wandel, der die Bevölkerungsstruktur hierzulande in den kommenden Jahrzehnten massiv verändern wird – und zwar unaufhaltsam.

Schon heute hat der Fachkräftemangel zahlreiche Branchen fest im Griff: Laut der Studie „Fachkräftemangel 2012“ des Personalberaters ManpowerGroup haben aktuell bereits 42 Prozent der deutschen Unternehmen Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Fachkräften. Die größten Probleme gibt es bei der Besetzung von Stellen für Ingenieure, Vertriebsmitarbeiter, IT-Fachkräfte, Techniker sowie Personal für Rechnungs- und Finanzwesen.

Der Fachkräftemangel kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen: Nach Schätzungen der Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verursacht jede fehlende Fachkraft einen Schaden von 230.000 Euro. Das lässt viele Unternehmen tiefer in die Tasche greifen, um neue Fach- und Führungskräfte zu finden und langfristig zu binden.

Schon heute liegt das durchschnittliche Jahresbrutto der befragten Fach- und Führungskräfte laut des Gehaltsreports 2012 der Online-Jobbörse Stepstone bei rund 49.000 Euro. In besonders gefragten Branchen ist sogar noch mehr drin: So verdienen etwa Softwareentwickler mit mehr als 5 Jahren Berufserfahrung im Schnitt rund 52.500 Euro pro Jahr, häufig kommt noch ein variabler Anteil von gut 4.000 Euro im Jahr hinzu. Berufserfahrene IT-Projektmanager bringen es sogar auf gut 69.700 Euro inklusive variabler Gehaltsbestandteile (siehe Tabelle).
Und damit ist längst nicht das Ende im Gehaltspoker erreicht, glauben Experten wie Christian Umbs, Director des Personaldienstleisters Robert Half Technology: „Wir schätzen, dass innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre im IT-Bereich Gehaltssteigerungen von bis zu 25 Prozent möglich sein werden, gerade bei gut ausgebildeten Spezialisten im IT-Support, der Netzwerk- und Systemadministration und bei den Programmiersprachen.“ Selbst für die breite Masse der IT-Fachkräfte hält Umbs derzeit ein jährliches Gehaltsplus von rund fünf Prozent für realistisch.

Eine ähnliche Entwicklung beobachten Gehaltsexperten auch für Fach- und Führungskräfte im Bereich Rechnungs- und Finanzwesen: Die Krisenjahre 2008 und 2009 machen sich auf den Lohnzetteln der Finanzexperten längst nicht mehr bemerkbar. Offene Stellen gibt es vor allem in den Bereichen Controlling, Rechnungswesen, Finanz- und Bilanzbuchhaltung sowie Business-Analyse: „Spezialisten können aktuell häufig zwischen drei oder vier Jobangeboten auswählen, das treibt die Gehälter in die Höhe“, beobachtet Kathrin Peters, Vice President bei Robert Half Finance & Accounting. Zwischen 20 und 30 Prozent mehr Gehalt seien da bei einem Jobwechsel schon drin. Wer nicht über Spezialwissen verfügt kann in der Finanzbranche aber immerhin noch mit einer jährlichen Gehaltssteigerung von fünf Prozent rechnen, bei einem Arbeitgeberwechsel sogar mit rund zehn Prozent.

Doch nicht immer bedeutet eine große Nachfrage gleichzeitig, dass die Gehälter in den Himmel steigen: Bestes Beispiel sind sämtliche Pflegeberufe, die durch die Überalterung der deutschen Bevölkerung und die wachsende Zahl der Pflegebedürftigen besonders gefragt sein werden. Und selbst Ingenieure verdienen mit rund 50.000 Euro pro Jahr (laut Stepstone für einen Maschinenbau-Ingenieur mit fünf Jahren Berufserfahrung – siehe Tabelle) trotz gigantischer Zahl offener Stellen eher durchschnittlich für eine Fachkraft. Ein Grund: „Ingenieure sind in der Regel keine Gehaltsoptimierer“, sagt Personalmarkt-Geschäftsführer Böger.

Quelle: BusinessReporter: “Spezialisten verdienen mehr” aus dem Handelslbatt vom 4.Februar 2013. Autor: Katja Stricker
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