Marcus Tandler

Stupide Studien – Teil II

Hui, mein Rant bzgl. der bescheuerten Complexium Studie wurde ja echt heiß diskutiert… kein Wunder in Zeiten des Sommerlochs *hihi*

Wie schon erwähnt, finde ich weder Alexa, noch den Google Pagerank (darüber kann ich auch heute noch schmunzeln…) für geeignet, um die Personalmarketing-Blogosphäre miteinander zu vergleichen. Ich würde viel eher den DoubleClick AdPlanner für einen etwaigen Vergleich heranziehen, da er gerade bei Seiten, die via AdSense monetarisiert werden (und AdSense ist ja bei den meisten JOBloggern im Einsatz), erstaunlich exakte Ergebnisse auswirft (naja, eigentlich weniger erstaunlich, wenn man schon Google Code auf der Seite hat…). Da braucht es dann auch keine große Studie, oder was weiß ich -> einfach alle Seiten reinhacken, und dann in ner Tabelle miteinander vergleichen -> *tschatsching* – schon hat man einen Überblick darüber welche Blogs wieviel Besucher & Traffic haben.

Wieso ich so einen Vergleich mache? Weil´s mir total egal ist – auf RecruitingBlogs.de gibt´s ne tolle Übersicht aller Relevanten Blogs in unserer nischigen Blogosphäre, und je nachdem wie gut mit der Blog bzw. einzelne Post gefällt, lese ich halt mit…

Aber Lutz vom Personalmarketing Blog (der sowieso in keinem gutsortierten RSS-Reader fehlen sollte…), bat mich in den Kommentaren meines letzten Posts, mir doch noch den Twitter Part dieser unsäglichen Studie genauer anzuschauen – das mach ich dann mal…

Ich bin echt unvoreingenommen an den Post gegangen, und hab mir das Ganze erstmal genau durchgelesen, aber wie zu erwarten war, finde ich auch den Twitter Teil absoluten Müll… Ich meine, was werden denn da schon für belanglose Schlüsse gezogen?

Der Fachdialog auf twitter ist stark von privaten und persönlichen Aussagen und Meinungen geprägt.

Ja ach ne…

Neben dem schnellen Austausch von berufsrelevanten Informationen in einem engen Kreis von Personalmarketing-Experten (z.B. zu neuen Studien oder Praxisanwendungen) sind Analysen von z.B. Fußball- und TV-Ereignissen (Eurovision Song Contest) ein präsenter Teil der Kommunikation.

Ja ach ne…

etc. etc. Absolut belangloses generisches Zeug…

Und dann das Twitter-Ranking erst – was soll denn da bitte die Aussage sein? Das ist halt eher ne nette Empfehlung empfehlenswerter Twitterati, auch wenn die Liste nicht mal im entferntesten komplett ist. Ich frage mich, wie da überhaupt recherchiert wurde? Mir fallen da ja auf Anhieb 10 weitere Twitterati ein, die umbedingt in so einer Liste vorkommen sollten. Ok, lieblose Zusammenstellung hin oder her, wie sieht´s denn mit dem Ranking an sich aus… ?!

Zuallererst glaube ich nicht, dass ein Ranking nach Anzahl der Follower sinnvoll und zielführend ist, denn diese Zahl lässt sich ja extrem einfach & schnell beliebig aufblasen. Wenn ein Account gleich vielen (oder auch mehr) Leuten followed, wie selbst gefollowed werden, ist das normalerweise ein klarer Indikator, dass hier lediglich versucht wird Follower zu boosten. Man followed also wild in der Gegend rum, in der Hoffung, das der gefollowte (yes, Ich love denglish…) auch zurückfollowed, und mein Twitter-Account fortan wichtiger aussieht… Surft mal ein wenig durch die User, denen da gefollowed wird – sehr nett anzusehen welchen Spam-Bots da teilweise gefollowed wird *hihi*

Ich folge knapp 300 Leuten (mir folgen aber wiederum knapp 8.000), und diese 300 lese ich auch mehr oder wenig aktiv mit! Ich sehe das in etwa so wie einen neumodischen RSS-Alert. Ich habe keine Ahnung, wie jemand der knapp 1.000 Leuten folgt noch aktiven Value aus den Tweets der gefollowten ziehen kann…

Es gibt für mich nur zwei valide Größen, wenn es darum geht ein Twitter-Account zu beurteilen:

1) Das User Engagement
2) Die Anzahl an Retweets, die Tweets des Users im Durchschnitt generieren

Das User-Engagement lässt sich bspl. testen, indem man die getwitterten bit.ly Links, oder andere URL-Shortener, die eine öffentlich einsehbare Statistik anbieten (wie bspl. auch redir.ec), genauer anschaut. Mit einem “+” hinter einem bit.ly Link bekommt man eine detailierte Statistik darüber, wie oft ein Link angeklickt wurde, bzw. wie oft und von wem dieser retweeted wurde.

Nehmen wir dazu mal folgendes Beispiel her – ein Link, der heute von Jo´s Karrierebibel Account getwittert wurde -> bit.ly/bwNUlk+

Analyse eines bit.ly Links

58 Clicks sind jetzt zwar nicht umwerfend (vor allem für eine derartige Anzahl an Retweets!), aber macht euch mal den Spaß, und analysiert bspl. die Stellenangebote Links, die von zahlreichen Personalberatern oder auch inHouse Personalern getwittert werden. Da haben hoch in den Himmel gelobte Twitter-Accounts ein derart unterirdisches User-Engagement, dass ich Links gefunden habe, die zwar fleissig ge-retweeted wurden, aber gerade mal 2 oder 3 Clicks (!) angeklickt wurden…

Dieses User-Engagement sollte man vor allem mal in Relation mit der Follower-Anzahl setzen – erschreckend, wie teilweise Accounts mit 1.000 Followern Links twittern die im Durchschnitt nur einstellig (!) angeklickt geschweige denn retweeted werden!

Ich persönlich bspl. komme im Durchschnitt auf knapp 300 Clicks pro getwittertem Link – Minimum ist so um die 70-80 Clicks, aber es gibt selbstverstädnlich auch Ausreißer nach oben, wie bspl. mein Tweet gestern bzgl. der ZDF Dokumentation über AMAZONICA, welches ich ja voller Tatendrang unterstütze, der bspl. knapp 2.000 x angeklickt wurde, auch wenn viele der Retweets noch eigene Tiny-URL oder was auch immer aus dem Link gemacht haben.

Eine Rangordnung von Twitter-Accounts wäre auf Basis meiner zwei vorgeschlagenen Metriken natürlich uferlos schwer, aber so leicht wie es sich Complexium gemacht hat (der Name der Firma ist ja fast schon blanke Ironie in diesem Zusammenhang… *hihi*) könnte man das schon ein wenig erweitern.

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