Marcus Tandler

Traumberuf Model?

Wer die aktuelle Staffel von Heidi Klums Model-Show im Fernsehen verfolgt, wird Zeuge von, sagen wir mal merkwürdigen Begebenheiten. Ok, Heid schaut toll aus, aber das wussten wir auch vorher. Doch alles andere ist irgendwie seltsam. Ein Choregraph, der vor laufender Kamera in Tränen ausbricht, und seitdem auf Stefan Raab’s Hotbuttons rauf und runter läuft, Tränen auch unter den Teilnehmerinnen, Ohnmachtsanfälle usw. Und das alles auf dem Präsentierteller der Nation. Wollen die Mädchen sich das wirklich antun? Anscheinend schon, denn seit den Zeiten der Supermodels ist der Beruf Model ein Traum für viele Mädchen. Von Drogenexzessen, einem gewaltigen psychischen Druck und daraus resultierenden Esstörungen lassen sich die meisten Mädchen nicht beeindrucken.

Doch genau dieser Schlankheitswahn hat, wie schon von so vielen vorne weg vermutet, die Show ins Gerede gebracht. Nicht die mehr oder minder hübschen Nachwuchsmodels, nicht ihre mehr oder weniger spontante Art („Was ist an dir so besonders?“ – Puuhhh, och….) sondern die Kritik der Jury and den Körpern der Mädchen.

Gut, es bleibt fest zu halten: Modeln ist ein knallhartes Business, und wer keine Idealmaße hat, der wird von jemandem ersetzt, der diese eben mitbringt. Beim Modeln geht es nur ums Aussehen, und Schönheit ist nun mal austauschbar.
Doch muss man damit an die Öffentlichkeit gehen? Und postpupertierenden Mädchen den Wunsch, Model zu werden gerade zu einimpfen?

Zumal sollte man, was die Körper der Mädchen angeht, behutsamer vorgehen. Genau deswegen gehen Psychologen und Politiker nun auf die Barrikaden:
So schreibt Julia Klöckner, Verbraucherschutzbeauftragte der CDU in ihrem Blog, dass der übertriebene Schlankheitswahn, der da im Fernsehen proklamiert wird unverantwortlich sei.
Es wurden sogar schon Stimmen laut, die Show abzusetzen.
In Castingsshows wird immer der „jeder kann es schaffen“-Appell laut. Doch dem ist nun mal nicht so: das Showbiz ist ein knallhartes Terrain.
Das gleiche in grün hatten wir mit DSDS, Popstars und Konsorten schon einmal. Und was kam dabei heraus. 10% der Kandidaten können singen, doch die Masse dient unserer Belustigung. Der Bohlen meckert, es gibt Tränen, und dann wird wieder die Schulbank gedrückt. Uns brachten gerade die Lachnummern am meisten Belustigung.

Doch bei Modelshows fällt dieser Belustigungsfaktor weg. Was übrig bleibt, ist ein Häufchen elend, dass vor dem Tränenausbruch noch ganz hübsch war. Aber sonst? Mit Entertainment hat das wenig zu tun. Und das Mädchen, dass es am Ende schafft, würde wahrscheinlich auch ohne Seelenstrip ihren weg gehen. Mit dem Unterschied, dass nicht tausende Mädchen zuhause vor dem Fernseher sich den Finger in den Hals stecken.

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