Marcus Tandler

Verschlafen klassische Unternehmensberatungen das web2.0 Zeitalter?

Ich habe mich heute morgen mal ein wenig mit den Karriere Webseiten großer deutscher Unternehmensberatungen auseinandergesetzt…
Während McKinsey (Karriere.McKinsey.de), die Boston Consulting Group (BCG.de/Karriere) und Roland Berger (Karriere.RolandBerger.com) auf mehr oder weniger dröge Textwüsten mit Flash-Spielereien setzen, gibt sich einzig und alleine Accenture ein wenig neumodischer. Aber nicht hinsichtlich der Gestaltung der Karriere Webseite(n), sondern bezüglich des gesamten Konzepts. Da gibt es nämlich gleich mehrere Karriere-Webseiten – Entdecke-Accenture.com, sowie Accenture-Mit-Macher.com… Der Unterschied scheint allerdings nur in der Zielgruppe zu liegen, während Entdecke-Accenture für Studierende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene gleichsam Anlaufstelle sein soll, scheint die Mit-Macher Seite wohl nur für wechselwillige Unternehmensberater-in-spe zu sein, oder? Noch komplizierter wird es dann, wenn man sich mal die ganzen Blogs anschaut, die um dieses Konstrukt herumschwirren -> da gibt es den “Recruiting von Accenture Blog“, den “Mit-Macher für Accenture” Blog, sowie den “Mit-Macher Aktionsblog” … ach herrje, wer kann da noch den Überblick behalten? Alle eher neuerer Natur, sowie lustigerweise stets auf kostenlosen Bloghostern erstellt. Die nicht-existenten Kommentare deuten auch darauf hin, dass sich nicht gerade viele für das Geschreibsel begeistern – ist auch nicht gerade interessant belanglose Geschichten irgendwelcher neuen Accenture Mitarbeiter zu lesen – da fehlt einfach die für einen Blog (der ja par definitionem ein “persönliches Tagebuch” ist) persönliche Bindung zum Autor. Klar ist es vielleicht mal ganz nett, ein paar Geschichten zu lesen, wenn man sich gerade ernsthaft mit einer Bewerbung bei Accenture auseinandersetzt, aber Stammleser wird man für solche Blogs wohl kaum gewinnen können. Vor allem, weil die Posts sowieso allesamt mehr als positiv sind, als stammten sie allesamt aus der Feder eines Personalers (” Kaffe (sic!) kochen und stundenlang kopieren? … nicht bei Accenture.” etc.). Aber gut, das will ich garnicht unterstellen, ist halt nur natürlich, dass sich für ein solches Projekt nur positive Stimmen finden – wer würde schon selbstzerstörerischer Weise einen negativen Beitrag beim Blog-Team einreichen? 🙂

Oh well… kommen wir zu meinem eigentlichen Punkt, bzw. meiner Frage -> Sind klassische Unternehmensberatungen fit fürs web2.0 Zeitalter?

Klar, viele könnten jetzt argumentieren, dass gerade die klassischen Unternehmensberater sich nicht auf derartige “Blasen” einlassen müssen – so manchem web2.0 Start-up würde ein wenig klassische Unternehmensberatung nicht schaden – bzw. teilweise auch einfach mal 3 Schläge auf den Hinterkopf, gefolgt von einem “What were you thinking?” 🙂

Aber wenn man sich schon auf die Fahnen schreibt, dass man einer der weltweit führenden Technologie-Dienstleister ist (O-Ton Accenture), sollte man dann nicht ein wenig mehr Knowledge in diesem Feld zeigen? Billg dahingeschluderte Blogs bei Freehostern zeugen wohl nicht gerade von überragender web2.0 Kompetenz, oder?

Aber eigentlich sollte man ja auch gerade von Accenture nicht mehr erwarten, so erinnert sich ja noch jeder an das Arbeitsagentur.de Debakel, bei dem der Steuerzahler mal eben über 100 Millionen in die Kassen von Accenture gezahlt hat (Quelle), und das für eine noch billiger dahingeschluderte, und Usability- wie auch Performancemässige Katastrophen-Webseite!
Gerade dieses Ereignis sollte doch die Schlipsträger in den oberen Etagen mal wachgerüttelt haben! Aber dann muss man sogar solche Sachen lesen:

Dennoch musste auch Accenture-Geschäftsführer Bill eingeräumen, dass die Website arbeitsagentur.de “recht amateurhaft wirkt”. In die Konzeption der Site seien “nur” zwölf Millionen Euro geflossen.

Ein archetypisches Beispiel dafür, wie stümperhaft gerade die größten unter den Unternehmensberatungen an Internet-Themen herangehen – entweder die Jungs nehmen endlich mal ihre Krawatten ab, und nehmen ein wenig Speed auf, oder…

… oh well, ein richtiges “oder” gibt es wohl nicht, denn Unternehmensberatungen wie Accenture werden auch weiterhin von Kunden überrannt werden – von Kunden, die das Internet ebenfalls noch nicht begriffen haben, und denen man mit feinen Anzügen und dahin fabulierten intellektuellen Trivialitäten noch immer beeindrucken kann….

Der wahre Impact trifft aber das Recruiting, denn richtige Internet-Brainer gehen lieber zu Firmen wie Google, als sich eine Krawatte umzubinden, und sich mit einer Gruppe Porschefahrender No-Brainer Koksnasen einen intellektuellen Diskurs zu liefern! Klar, ich übertreibe wieder mal maßlos, aber genau dieses Bild vom klassischen Unternehmensberater Jungspund haben wohl eine Menge Internet-Brainer da draußen! Und genau hier ist Umdenken angesagt für die Personalverantwortlichen -> denn mit billigen blogger.com Blogs wird man keinen Brainer da draußen überzeugen können! Lediglich wieder seelenlose Anzugträger, die es geiler finden, durch die Welt zu jetten, und am Abend mit einem Champagnerglas in der Hand, in den angesagtesten Clubs der Stadt ebenfalls seelenlose Blondinen zuzulabern. Genauso wie die es die Neu-Accenturaner selber bloggen:
da kann ich mich nicht beschweren: Wien, München, Zürich und Hamburg….das Leben könnte härter sein!” sowie “immer ganz nach dem Motto: „Work hard, party hard

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende 🙂