Marcus Tandler

Viel Geld für wenig Arbeit gefällig?

Lustigerweise bekomme ich dieser Tage wieder vermehrt eMail-Spam mit dubiosen Jobangeboten von noch dubioseren auf fernen Karibikinseln sitzenden LLCs oder Ltd. Unternehmen. Der angegebliche gesuchte Jobtitel variiert von “Director Dialogmarketing” bis hin zu “Chefgehilfe” sowie mitunter auch recht amüsant zu lesende, mit Babelfish automatisiert übersetzte fiktive Jobtitel wie “Dialoge Marketing Kopf von” (also wahrscheinlich wurde hier ursprünglich der “Head of Dialoguemarketing” gesucht :-))

Die zu übernehmende Tätigkeit ist aber immer die selbe, egal wie sie in den eMails auch umschrieben wird – die Firmen suchen Leute, die Zahlungen auf Ihre Bankkonten annehmen, und diese dann per Western Union Moneytransfer auf die oben schon erwähnten Karibikinseln, oder wo auch immer hin, weitertransferieren.
Und dafür kann man sich dann je nach eMail zwischen 5 und 10 Prozent der transferierten Summen als Provision einstreichen.

Klingt doch eigentlich verlockend, oder? Lediglich erhaltene Zahlungen irgendwohin anders weiterleiten – nichts leichter als das! Nicht umsonst werden in den eMails auch Leute von 18 bis 75 gesucht, die lediglich etwas englisch sprechen sollten und ansonsten halt vor allem ein Bankkonto in dem jeweiligen Land haben sollten. Was für eine Job-Description 🙂

Gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit gibt es bestimmt ein paar Menschen, die bei derartigen Zeilen schon einen Luftsprung machen! Vor allem, wenn man gerade letzte Woche noch Geld nach Nigeria überwiesen hat, und nun wartet, bis der nigerianische Bankdirektor, auf dessen Anweisung man das Geld überwiesen hat, die 56 Millionen Dollar, von denen er in einer anderen seriösen eMail gesprochen hat, auf das eigene Konto überweist.

Aber was steckt dahinter? Wieso werden Leute angeworben, um Überweisungen weiter zu transferieren? Kann sowas die Firma denn nicht direkt machen? Ach, wer fragt schon nach, wenn man dem Reichtum so Nahe ist? … 🙂

Die Masche ist eigentlich ganz einfach. Per Phishing werden Kontodaten, oder wahlweise auch eBay-Accounts, von ebenfalls derartig leichtgläubigen eMail-Newbies ergaunert, und von dort dann Überweisungen auf eben jene Bankkonten vorgenommen. Diese eingegangene Überweisung wird dann widerum bar per Western Union nach wohin auch immer weitertransferiert, und genau da liegt der Hund begraben – sobald das Phishing-Opfer nämlich die Überweisung entdeckt und diese storniert merkt unser neuer Millionärs-Anwärter nämlich auf einmal, dass eine bar-Überweisung per Western Union nicht stornierbar ist, und das Geld somit nicht rückholbar – schöne Scheisse!
Erst letzt hab ich im Spiegel einen Artikel über so ne arme Sau gelesen, der jetzt 15.000 Euro an stornierten Überweisung zurück überweisen muss, alles Geld, was er brav an die Gauner in die Karibik geschickt hat. Und neben dem finanziellen Schaden ist die ganze auch noch strafbar, wenn man der Aufforderung zur Weiterleitung des Geldes Folge leistet. Nach §261 StGB ist dies nämlich Geldwäsche.

Und da die Hintermänner in der Karibik dank Western Union mehr als schlecht auszumachen sind (immerhin muss man ja lediglich seinen Ausweis vorzeigen) schnappt man sich halt die verhältnismässig einfacher zu ermittelnden Inhaber der Zwischenkonten, und die müssen halt dann nicht nur den Schaden ersetzen, sondern sich zudem auch vor Gericht verantworten…

Merke: Wenn einem für wenig Arbeit viel Geld geboten wird ist immer Vorsicht geboten – vor allem wenn dies anonymisiert per eMail pasiert (!!) … außer natürlich, man ist Online-Marketer 🙂

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