Marcus Tandler

web2.0 Recruiting für Anfänger

In den USA ist web2.0 Recruiting ja bereits fast schon ein alter Hut. Jedes Jobboard hat seinen eigenen Blog (in Deutschland keine einzige Jobbörse!), es gibt Recruiting Blogs und Videocasts, einen eigenen Digg-Clone für Neuigkeiten aus der Recruitingwelt und und und…

In Deutschland ist alles wie immer etwas verhaltener, und Trends werden erst adaptiert, wenn sie wirklich ihre Tauglichkeit bewiesen haben (und viel zu oft bereits ausgelutscht sind…). Innovation endet zumeist an der Tür des Chefs, oder wird in endlosen Meetings, mit Hilfe hahnebüchener Potential- und Risikoanalysen auf die Web3.0 Ära verschoben…

Jaja, ich weiß – ich überspitze mal wieder Alles ein wenig, aber ein paar Leute haben bestimmt eben gerade auch zustimmend genickt 🙂

Nun ja, kommen wir zum eigentlichen Thema – den Recruiting VodCast (oder doch eher ein Vlog?) von Bearing Point, die mit über 16.000 Mitarbeitern und über 2.100 Kunden bestimmt eine der größten Beratungsfirmen der Welt ist. Gerade die Beratungsfirmen buhlen ja extrem, um die sogenannten High-Potentials – also excellente Einser-Studenten aus Wirtschafts- und Ingenieurwesen, die kurz vor dem Sprung in die Arbeitswelt stehen. Von eben diesen benötigen die Beratungsfirmen auch gleich eine ganze Handvoll, denn der Ausleseprozess ist hart, und ganz darwinistisch überleben zumeist nur die Besten und Stressresistentesten! Wie aber bekommt man gleich nen ganzen Schwung derartiger High Potentials, die eigentliche alle nur von McKinsey, BCG oder Accenture träumen? Ganz einfach -> mit Coolness a´la web2.0!

Bearing Point hat daher den VodCast Career Insight gestartet, von dem es bisher drei Folgen gibt (leider sieht es schon wieder nach einem eher unregelmässigem Updatezyklus aus – big mistake!).
Career Insight ist richtig professionell gemacht, und bietet bspl. Einblicke in den Büroalltag oder auch den Bewerbungsprozess. Der potentielle Bewerber soll ich also mittels VodCast ein besseres Bild von Bearing Point machen können – eigentlich eine nette Idee!

Aaaaber (ich hab doch auch wirklich immer etwas zu meckern… :-))… ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die ganze Sache ein wenig zuuuuuu overstyled finde! Der VodCast ist einfach eine Runde zu professionell, und die ganze web2.0 coolness geht durch das steife Anzugs-Kasperletheater und vorgefertigter Interviewpassagen einfach komplett verloren. Die VodCasts sind nicht vielmehr als gut gemachte Imagefilmchen, und genau die stinken einfach immer zu sehr nach Selbstbeweihräucherungsstäbchen… Ist es also wirklich what you see is what you get, oder ist wieder einfach alles nur 1000x verschönert? Ich würde eher auf zweiteres tippen… Zuviel Selbstdarstellung killt einfach die Lust sich den VodCast zu abonnieren – wer schaut schon selektiv nur Werbung?

Klar, immerhin besser als nichts – und wenigstens bekommt der potentielle Bewerber ein wenig was zu sehen, bevor er seine 100% Büffelleder Bewerbungsmappe an die Personalabteilung sendet, und natürlich passen die von mir kritisierten Punkte ja auch einfach nicht für eine steife Unternehmensberatung – aber dennoch glaube ich, dass man mit einer dezent anderen Herangehensweise an das Thema, einen viel größeren Buzz genieren, und damit wirklich interessante Kandidaten anziehen könnte!